Coba schlägt Erwartungen und hebt Jahresprognose deutlich an

4. November 2021

Von Christian Kirchner

Die Commerzbank hat mit einem Nettogewinn von 403 Mio. Euro im dritten Quartal die Erwartungen der Analysten geschlagen und sich deutlich optimistischer für das Jahresergebnis geäußert als bislang. Im Schnitt hatten die Schätzungen für den Zeitraum von Juli bis September bei lediglich 253 Mio. Euro gelegen, selbst der optimistischste Analyst war nur von 339 Mio. Euro ausgegangen

Während die Commerzbank bei Kosten wie Erträgen die Erwartungen fast punktgenau traf, fiel das Risikoergebnis mit minus 22 Mio. Euro deutlich besser aus als gedacht (minus 86 Mio. Euro). Allein hieraus ergab sich schon rund die Hälfte der positiven Gewinnüberraschung. Woher die andere Hälfte kommt? Erschloss sich uns am Morgen beim ersten Lesen des Zahlenwerks ehrlicherweise nicht – vielleicht bringt die Analystenkonferenz später ja Aufklärung. Was sich hingegen definitiv sagen lässt: Die Teilergebnisse für das Privatkundengeschäft (operativer Gewinn: 299 Mio. Euro) und für das Firmenkundengeschäft (operativer Gewinn: 221 Mio. Euro) fielen recht ordentlich aus – oder sagen wir: Auch sie lagen oberhalb der Erwartungen.

Weil die Coba für das Gesamtjahr nur mehr mit Risikokosten von “weniger als 700 Mio. Euro” kalkuliert (bei der Präsentation der Q2-Zahlen hatte die Prognose “weniger als 1 Mrd. Euro” betragen), scheint für das Gesamtjahr ein Nettogewinn in Reichweite. Bislang war der Vorstand für 2021 davon ausgegangen, lediglich vor Steuern, nicht aber nach Steuern schwarze Zahlen zu schreiben. Auch soll die Kernkapitalquote nun zum Jahresende bei 13,5% liegen nach bisheriger Prognose von 13,0%. Die Höhe der Kapitalquote ist ein wichtiges Indiz, ob die Bank nach Abschluss des Umbaus wieder dividendenfähig wird.

Die Zahlen sind ein Beleg, dass die “Kitchen-Sinking”-Strategie des neuen CEOs Manfred Knof zumindest in optischer Hinsicht aufgeht. Gleich nach Amtsantritt im Januar hatte er satte 1,7 Mrd. Euro – statt wie bis zu diesem Zeitpunkt prognostiziert 1,3 Mrd, bis 1,5 Mrd. Euro – in die Risikovorsorge des Vorjahres buchen lassen. Begründung damals: Man wolle mögliche Risiken des “zweiten Shutdowns” vorgreifen. Tatsächlich betrug das Risikoergebnis 2020 dann minus 1.748 Mio. Euro. Zudem schrieb die Bank 1,5 Mrd. Euro an Goodwill ab. Damit wurde die Grundlage gelegt, nun eher positiv überraschen zu können. Wie gesagt: zumindest optisch.

Ein Update lieferte die Commerzbank zum Thema Stellenabbau, demnach sei mit 5.200 Stellen bereits mehr als die Hälfte des geplanten Abbaus von 10.000 Stellen vollzogen oder fest vereinbart. Unter dem Strich operierte die Commerzbank – allerdings auch bedingt durch das extrem niedrige Risikoergebnis – mit einer Eigenkapitalrendite von 5,8%. Das Langfristziel für 2024 liegt bei 7%.

Die Zahlen im Überblick:

in Mio. Euro
in Mio. € Q3/2020 Q3/2021 Erwartung vs. Vorjahr vs. Erwartung
Erträge 2.033 2.006 1.995 – 1% + 1%
Zinsüberschuss 1.226 1.122 1.128 -8% – 1%
Provisionsüberschuss 812 889 857 + 9% + 4%
Kosten 1.521 1.485 1.490 – 2% 0
Risikoergebnis -272 -22 -86
operativer Gewinn 168 472 364 + 181% + 30%
Gewinn Privatkunden 83 299 176 + 260% + 70%
Gewinn Firmenk. 74 221 172 + 199% + 28%
Nettogewinn -60 403 253
Eigenkapitalrendite -1,5 5,8 2,9 + 7,8 Ppte. + 2,9 Ppte.
CET1 13,5 13,5 13,4 0  + 0,1 Ppte.

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