Die Grafik (#6)

Historischer Coup: Volksbanken überholen erstmals die Sparkassen

22. März 2022

Von Heinz-Roger Dohms

Bankgeschichtlich betrachtet ist es fast so etwas wie eine historische Wegmarke: Laut Recherchen und Berechnungen von Finanz-Szene.de haben die deutschen Genobanken im abgelaufenen Geschäftsjahr erstmals seit mindestens 1998 (ältere Daten liegen uns keine vor) mehr Gewinn erzielt als die Sparkassen. Das aggregierte 2021er-Vorsteuerergebnis sämtlicher Volksbanken, Raiffeisenbanken und sonstigen genossenschaftliche Instituten summierte sich demnach auf 7,7 Mrd. Euro – was (mögliche Rundungseffekte außen vorgelassen) geringfügig mehr ist als jene 7,6 Mrd. Euro, die sich auf Basis der letzte Woche vom DSGV veröffentlichten Sparkassen-Zahlen errechnen lassen (alles jeweils vor Vorsorgereserven, also vor 340f und 340g).

Langfristig betrachtet ist dieser Wendepunkt geradezu spektakulär. Schließlich lag das Ergebnisniveau der Sparkassen in den späten 90er- und frühen Nullerjahr noch bei dem Zweifachen und teilweise sogar 2,5-Fachen der Genobanken. Die genauen Gründe, warum sich die Kräfteverhältnisse dermaßen verschoben haben, müsste man wahrscheinlich mal eingehend analysieren.

Allerdings liegt der Verdacht nahe, dass die bekannten Probleme der Sparkassen (diffuse Governance, zu hohe Vergütungen für die Vorstände, mysteriöse Sonderbelastungen) die Entwicklung zumindest begünstigt haben dürften. Für alle, die heute Früh noch 10-20 Sekunden zusätzliche Zeit mitgebracht haben: Wir haben versucht, den säkularen Shift möglichst simpel, aber hoffentlich dennoch eindrücklich für Sie aufzubereiten. Hier die entsprechende, sogar latent smartphone-kompatible Grafik (und, nein: 2011 ist kein Datenfehler bei den Sparkassen – sondern da dürfte sich die großvolumige Auflösung von 340f-Reserven widerspiegeln):

 

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Share

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing