HSBC degradiert Deutschland-Tochter – und hat’s dabei eilig

30. September 2021

Von Christian Kirchner

Das Deutschland-Geschäft der britischen Großbank HSBC wird künftig nur noch als Niederlassung der neuen kontinentaleuropäischen Zentrale in Paris firmieren. Dies gab das Geldhaus gestern unter Verweis auf eine im März angestoßene „Machbarkeitsstudie“ bekannt. Der Schritt soll bis 2023 umgesetzt werden.

Hintergrund: Die Briten bündeln – anders als etwa Goldman Sachs oder die UBS, die für Frankfurt optierten – ihr Europa-Geschäft in Frankreich. Daher galt der rechtliche Status des Deutschland-Geschäfts (also der früheren Trinkaus & Burkhardt) in Düsseldorf schon seit Monaten als fraglich. Überraschender als die Entscheidung selbst ist deswegen der Zeitpunkt. Denn nachdem die Verhandlungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern über die Konkretisierung des Abbaus von 600 Vollzeitstellen im Juni gescheitert waren (siehe unsere damalige Exklusivmeldung), wurde zunächst eine gerichtliche Einigungsstelle eingeschaltet – ein in der Geschichte des Traditionsinstituts beispielloser Vorgang.

Ein Ergebnis dieses Verfahrens liegt noch nicht, und dennoch setzen die Briten das hierzulande befürchtete Szenario schon jetzt in die Tat um. Wobei die Herabstufung zur Niederlassung keineswegs zwingend war. Die HSBC Deutschland kommt bzw. kam ja immer noch auf eine respektable Größe (Bilanzsumme 2020: 29,5 Mrd. Euro) und war nach hiesigen Maßstäben (2020: knapp 8% Eigenkapitalrendite) auch einigermaßen profitabel. Den Status als eigenständige Bank (freilich unter dem Dach der Pariser Holding) hätte man den Düsseldorfern mit ein bisschen gutem Willen schon noch lassen können …

Stattdessen drohen nun weitere Schrumpfung und perspektivisch womöglich weiterer Jobabbau – etwa durch Abwanderung von Tätigkeiten ins polnische Krakau und andere günstigere Standorte. Insgesamt tragen die Schritte der letzten anderthalb Jahre (Vollübernahme, siehe hier … Squeeze-Out, siehe hier … Managementwechsel, siehe hier … Stellenabbau, siehe hier …) und die sich verschlechternde Stimmung (siehe hier) eine simple Handschrift, zu der die Herabstufung zur Niederlassung bestens passt:

London regiert in Düsseldorf durch.

Eklat bei der HSBC Deutschland. Keine Einigung über Jobabbau

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