Exklusiv

HVB-Investmentbanker rutschen in die tiefroten Zahlen

18. August 2020

Von Christian Kirchner

Die Investmentbanking-Sparte der Unicredit-Tochter HVB hat im ersten Halbjahr einen heftigen Verlust von 152 Mio. Euro erlitten. Das geht aus dem Sechsmonatsbericht der HVB Group hervor, der bereits vor einigen Tagen veröffentlicht wurde, öffentlich aber unbemerkt blieb. Das negative Ergebnis überrascht insofern, als das Investmentbanking bei vielen anderen Instituten ein Krisenprofiteur ist. So zogen die globalen Umsätze der größten Investmentbanken von Januar bis Juni um knapp 10% an. Bei der Deutschen Bank zum Beispiel erwirtschaftete die entsprechende Sparte im ersten Halbjahr eine knappe Mrd. Euro.

Bei der HVB Group sind die Verhältnisse indes umgekehrt: Das im Segment „Commercial Banking“ zusammengefasste Geschäft mit den deutschen Privat- und Firmenkunden (um das es in der Finanz-Szene.de-Berichterstattung üblicherweise geht, siehe etwa hier und hier) war trotz Corona-Krise weiterhin profitabel. Der Geschäftsbereich „Corporate & Investment Banking“ (CIB), in dem die Unicredit ihre wesentlichen Investmentbanking-Aktivitäten in einer Maxtrix-Struktur bündelt, kam hingegen auf das genannte Minus von 152 Mio. Euro. Zum Vergleich: Im Vorjahreszeitraum waren es 164 Mio. Euro Gewinn. Laut Angaben im neuesten Vergütungsbericht der HVB Group kommt die Investmentbanking-Sparte auf 1920 Vollzeitkräfte – ohne Zentralstellen und Kontrollfunktionen. 220 Vollzeitstellen entfällt auf so genannte „Risk Taker“, die letztes Jahr im Schnitt  460.000 Euro Vergütung erzielten.

Doch woher kommt das plötzliche Loch in der Bilanz? Dazu bleibt die Bank im Halbjahresbericht vage. Zwei Punkte fallen rein numerisch auf: Zum einen das im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 91% (!) auf 29 Mio. Euro quasi pulverisierte Handelsergebnis.  „Der Rückgang ist (…) vor allem auf die Marktturbulenzen im Umfeld der Corona-Pandemie und damit auftretende Bewertungsabschläge zurückzuführen. Zusätzlich trugen Valuation Adjustments, dazu zählen im Wesentlichen Credit Value Adjustments und Funding Value Adjustments, erheblich belastend zum Handelsergebnis bei“, heißt es hierzu.

Annähernd eine Viertelmilliarde (!) – genauer: 243 Mio. Euro und somit eine Verfünffachung – fiel im ersten Halbjahr für die Risikovorsorge an. Der Segmentberichterstattung der italienischen Unicredit lässt sich noch entnehmen, dass dezidiert der deutsche Bereich Financing/Advisory im Q2 ein Verlust von 73 Mio. Euro erwirtschaftet hat. Details über die Zahlen hinaus fehlen indes auch dort.

Auch auf Nachfrage wollte sich die Bank nicht näher äußern. Grundsätzlich hat die Gruppe bereits sehr früh entschieden – und dies auch in Q1 klar kommuniziert –, dass sie umfangreich Risikopolster schaffen wird und auch bei der Risikovorsorge in allen Ländern und Bereichen entsprechend konservativ vorgeht“, so ein HVB-Sprecher. Einzelne Posten und Hintergründe könne man nicht weiter kommentieren. 

Immerhin: Für das zweite Halbjahr rechnet die HVB Group laut Halbjahresbericht mit einem Turnaround. „Insbesondere für den Geschäftsbereich CIB prognostizieren wir eine deutliche Ergebnisverbesserung durch die Erholung des Handelsergebnisses“, heißt es in der Prognose des Halbjahresberichts.

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