Exklusiv

Hypo-Vereinsbank stellt Zukunft ihrer Leasing-Tochter infrage

2. Juni 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Die Hypo-Vereinsbank stellt ihre traditionsreiche Hamburger Tochter „Unicredit Leasing GmbH“ in deren jetziger Form infrage. Das hat Finanz-Szene.de aus Branchenkreisen erfahren. Mit den Informationen konfrontiert, teilte das Münchner Geldinstitut gestern Nachmittag mit: „Anstelle eines hauseigenen Angebots der Produkte Leasing und Mietkauf […] sollen diese Produkte künftig in Zusammenarbeit mit einem externen Kooperationspartner angeboten werden.“ Eine finale Entscheidung über das künftige Setup sei aber noch nicht gefallen. Ein weiteres Kernprodukt der Leasing-Tochter, nämlich die Investitions-Finanzierung, soll künftig direkt von der Hypo-Vereinsbank kommen.

Die Unicredit Leasing wurde 1963 als „Hanseatische Industriemaschinenvermietung GmbH“ gegründet. Mit rund 14.000 Kunden und einem Neugeschäfts-Volumen von 1,23 Mrd. Euro zählt sie zu den größten bankeneigenen Leasing-Gesellschaften hierzulande. Speziell im norddeutschen Firmenkundengeschäft (also im Gebiet der einstigen „Vereins- und Westbank“, die 2005 endgültig in der HVB aufging) gilt die Gesellschaft als tief verwurzelt. Ausweislich ihres jüngsten öffentlich einsehbaren Abschlusses blieb die Unicredit Leasing zuletzt aber hinter ihren eigenen Zielen zurück. So ist in dem Dokument wörtlich von „neugeschäftsseitig unbefriedigenden Jahren 2016 bis 2018“ die Rede. Für 2019 liegen noch keine öffentlichen Zahlen vor.

Warum die Hypo-Vereinsbank das Neugeschäft bei Leasing und Mietkauf auslagern will, darüber herrscht in der Branche großes Rätselraten. Denn auch wenn die Leasing-Tochter ihren eigenen Ansprüchen zuletzt nicht gerecht wurde – mit einem Wachstum des Neugeschäfts um 11% legte die Unicredit Leasing 2018 trotzdem stärker zu als der Leasingmarkt insgesamt. Hinzu kommt: Eigentlich stehen die Leasing-Töchter von Banken und Sparkassen im Ruf, stabile und risikoarme Cashflows zu generieren. Das sollte sie gerade in unruhigen Zeiten eigentlich zu willkommenen Assets machen.

Zur Wahrheit gehört freilich auch: Leasing ist ein kapitalintensives Geschäft – und Eigenkapital ist ein begehrtes Gut innerhalb des Unicredit-Gesamtkonzerns. Das zeigte sich zuletzt erst wieder, als die Hypo-Vereinsbank rekordverdächtige 3,3 Mrd. Euro an ihre Mailänder Mutter ausschüttete, wie Finanz-Szene.de Ende März exklusiv berichtete. Die Hamburger Leasing-Tochter jedenfalls, zeigt der 2019er-Abschluss der HVB, kam zuletzt auf ein Eigenkapital von immerhin 452 Mio. Euro. Und dann hält der Geschäftsbericht noch eine interessante Information bereit: So nahm die Hypo-Vereinbank vor einigen Monaten eine Abschreibung in Höhe von 104 Mio. Euro auf den Beteiligungswert der Tochter vor.

Mit dem operativen Geschäftsverlauf der Unicredit Leasing sei man gleichwohl zufrieden, heißt es im Umfeld der HVB. Zudem wird betont, die geplanten Maßnahmen hätten nichts mit der Corona-Krise zu tun – vielmehr sei der Grundsatzbeschluss zur Auslagerung von Leasing und Mietkauf bereits vergangenes Jahr im Zuge des neuen Strategieprogramms „Team 23“ gefallen. Was genau die Entscheidung für die Leasing-Tochter, deren elf Standorte und die zuletzt rund 250 Mitarbeiter bedeutet – das blieb gestern unklar. Zur Frage, von welchem Anbieter die HVB künftig ihre Leasing-Produkte bezieht, hieß es: „Wir befinden uns bereits in sehr aussichtsreichen Gesprächen mit leistungsfähigen Partnern.“

Fest steht derweil, dass sich aus Kundensicht möglichst wenig ändern soll: „Leasing, Mietkauf und Investitions-Finanzierungen sind und bleiben ein wichtiger Teil des Produktangebots der Hypo-Vereinsbank an ihre Unternehmenskunden“, so die HVB in ihrer offiziellen Mitteilung auf unsere Anfrage. Auch am Bestandsgeschäft – so deuten wir es jedenfalls – wird nicht gerüttelt: „Selbstverständlich werden wir weiterhin allen bereits mit unseren Kunden getroffenen Vereinbarungen in vollem Umfang gerecht werden, sodass für unsere Kunden keinerlei Handlungsbedarf besteht.“

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Share

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing