Exklusiv

Hypo-Vereinsbank zahlt 3,3 Mrd. Euro Dividende an die Unicredit

26. März 2020

Von Christian Kirchner

Obwohl die Hypo-Vereinsbank im abgelaufenden Geschäftsjahr lediglich ein Ergebnis nach Steuern von 810 Mio. Euro erwirtschaftet hat, will sie ihrer italienischen Mutter Unicredit einen Dividende in Höhe von 3,3 Mrd. Euro überweisen. Diese Entdeckung hat Finanz-Szene.de im 2019er-Abschluss der HVB Group gemacht. Die Münchner Großbank hatte das Zahlenwerk dieser Tage auf seine Website gestellt.

Um die Ausschüttung stemmen zu können, entnimmt die Hypo-Vereinsbank aus Gewinnrücklagen 2,5 Mrd. Euro. Dabei nimmt sie auch in Kauf, dass das (freilich sehr üppige) Eigenkapital merklich abschmilzt: Kam die HVB Group Ende 2018 noch auf eine Kernkapitalquote von 19,9%, so wird für Ende 2020 eine Bandbreite von 15-17% angestrebt. Auf Anfrage gab ein Sprecher gestern keine Hinweise darauf, dass sich durch die Corona-Krise an den Plänen etwas ändere.

Keine Frage: Angesichts der stark überdurchschnittlichen Kapitalisierung im Branchenvergleich hätte sich die Hypo-Vereinsbank das unter normalen Umständen (sprich: vor Corna …) locker leisten können. Und vielleicht kann sie es sogar immer noch. Und festzuhalten bleibt auch: Das Geld verbleibt im Unicredit-Konzern, also gewissermaßen im eigenen Haus. Und doch mutet der Schritt im Lichte der Corona-Panik bemerkenswert an. Denn er macht zwar die Unicredit wetterfester, die HVB aber auch ein bisschen weniger wetterfest.

Was zu den HVB-Zahlen sonst noch zu sagen ist? Eine Menge! Auf geht’s in die Analyse:

Auf den ersten Blick sieht der Abschluss gut aus. Denn der Überschuss von 810 Mio. Euro bedeutet ein Plus von 68%. Und auch vor Steuern geht’s knackig nach oben, nämlich um 46% auf 1,491 Mrd. Euro. Hier die GuV:

in Mio. Euro 2018 2019 Veränderung
Zinsüberschuss 2484 2388 -4%
Provisionsüberschuss 973 973 0%
Handelsergebnis 693 579 -16%
sonstige Aufw./Erträge 845 742 -12%
Personalaufwand 1468 1453 -1%
Sachaufwand 1364 1220 -11%
Kosten gesamt 3015 3156 5%
Abschreibungen 183 483 164%
Zuf. (+) /Auflsg. (-) Rückst. 919 -313 n.a.
Restrukturierungsaufwendung. 14 363 n.a.
Kreditrisikovorsorge 16 115 619%
Ergebnis vor Steuern/Abschr. 1024 1491 46%
Ergebnis nach Steuern 483 810 68%
Überschuss 483 810 68%

Quelle: HVB Group Jahresbericht 2019

Was indes verrät der zweite Blick?

Konkret…

  • Am 3. Dezember hatte Unicredit-Chef Jean Pierre Mustier sein neues Strategieprogramm „Team 23“ vorgestellt, dem konzernweit rund 8.000 Stellen und bei der HVB 1.300 der zuletzt rund 12.200 Stellen zum Opfer fallen sollen (siehe hier). Die Aufwendungen dafür haben die Münchnerr sogleich in den 2019er Abschluss gebucht. Kostenpunkt? „Im Rahmen der Umsetzung des Vierjahres-Strategieplans Team 23 ergaben sich im Berichtsjahr Restrukturierungs-Aufwendungen in Höhe von per Saldo 363 Mio Euro“, heißt es im Jahresbericht. Da traf es sich gut, dass man zuvor gebildete Rückstellungen für das alte Programm „Transform 2019“ erfolgswirksam auflösen konnte. Insgesamt fielen die Auflösungen mit 313 Mio. Euro netto saftig aus, da zugleich auch ein Vergleich mit US-Behörden wegen Finanzsanktionen niedriger ausfiel als die entsprechenden Rückstellungen.
  • Vor diesem Hintergrund fällt dann auch nicht mehr so sehr ins Gewicht, dass die HVB im Sommer eine außerplanmäßigen Abschreibung in Höhe von 315 Mio € auf den Windpark BARD Offshore 1 hatte vornehmen müssen.
  • Insgesamt kletterte das Ergebnis durch Einmal- und Sondereffekte zwar trotzdem um rund eine halbe Mrd. Euro, …
  • … was aber nichts daran ändert, dass es im Kerngeschäft nicht wirklich lief. Denn etwas vereinfacht betrachtet verlor die HVB trotz Ausweitung des Kreditgeschäfts (Konsum- und Immobilienkredite: je plus 4%) rund 100 Mio. Euro beim Zinsergebnis. Weitere 100 Mio. Euro fehlten im Handelsergebnis. Die Verwaltungs-Aufwendungen lagen derweil rund 150 Mio. Euro höher. Macht in der Summe 350 Mio. Euro weniger als im Vorjahr im Kerngeschäft ohne die „One-Offs“. Das fällt allerdings kaum auf, da die irre hohe Differenz zwischen der Bildung (2018) und Auflösung (2019) von Rückstellungen von 1,2 Mrd. Euro alles andere kaschiert.

Was halten die Zahlen sonst noch parat? Relevant für Deutschland ist der Bereich „Commercial Banking“, also das deutschen Privat- und Firmenkundengeschäft. Über dessen Performance hatte Finanz-Szene.de bereits Anfang Februar bei der Präsentation der Unicredit-Jahreszahlen berichtet. 

Der Jahresbericht und vor allem die Kommentierung erlaubt nun über die Segment-Berichterstattung hinaus allerdings einen näheren Blick in die Sparte. Hier die Übersicht:

Segmentergebnis Commercial Banking

2018 2019 Veränderung
Zinsüberschuss 1468 1466 0
Provisionsüberschuss 761 722 -5
Handelsergebnis 69 63 -9
sonstige Aufw./Erträge 11 4 -64
Personalaufwand 604 603 0
Sachaufwand 1057 1012 -4
Abschreibungen 12 14 17
Kreditrisikovorsorge 197 112 -43
Finanzanlageergebnis 10 14 40
operatives Ergebnis 635 628 -1
Risikovorsorge 197 112 -43
op. Erg.nach Risiko 438 516 18
Ergebnis vor Steuern 120 523 336
Ergebnis nach Steuern 56 334 496
Überschuss  56 204 264

Quelle: Hypovereinsbank Jahresbericht

Und hier wird es dann doch arg morastig, denn: Ein (nach 2018 erneut) rückläufiger Provisionsüberschuss  in einem brillanten Börsenjahr (Dax 2019: +25%) mit steigenden Vermögenswerten – wie ist das denn zu erklären? „Der Rückgang des Provisionsüberschusses“, heißt es im Jahresbericht, fuße ausschließlich auf „Methodenänderungen in der Rechnungslegung und Einmaleffekten in 2018“. Mmmhhh.

Einmaleffekte? Nun – erstaunlich, dass der Provisionsüberschuss im Jahr davor, also 2017, nochmals höher bei 797 Mio. Euro lag. Damals schob man das Ganze noch ohne Einmaleffekte auf das „bessere Wertpapiergeschäfts und Repricingmaßnahmen im Kontogebührenbereich“. Ähnlich ist das beim Handelsergebnis, das sank. Der Grund? Einmaleffekte, “ Valuation Adjustments“; genauer:  „Credit Value Adjustments“ und „Funding Value Adjustments“.

Wirklich alles nur Einmaleffekte? Oder hat’s dann doch ein wenig ins Geschäft hineingeregnet?

Immerhin: Im Ausblick regiert der Optimismus. Im Commercial Banking? „… erwarten wir einen deutlichen Anstieg des Jahresüberschusses“. Überhaupt: „Insgesamt gehen wir für das Geschäftsjahr 2020 davon aus, dass die Geschäftsbereiche ein gutes Ergebnis nach Steuern erzielen, das deutlich über dem Ergebnis des Vorjahrs liegt“.

Was allerdings auch damit zusamme hängen könnte, dass das Wort „Corona“ nur ein einziges Mal auftaucht auf den 294 Seiten. „Wie stark die negativen Folgen auf die weltwirtschaftliche Entwicklung durch das Coronavirus ausfallen, ist aktuell schwer abschätzbar“, heißt es im Ausblick.

Das dürfte sich, seitdem dieser Satz formuliert wurde, geändert haben.

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