Leserblog

Ihr Feedback zum Steuerhammer für Banken und Fintechs

22. Januar 2020

Von Christian Kirchner

Ganz sicher waren wir uns ja nicht, ob Sie unsere 19.000 (!) Zeichen zum Steuer-Hammer des Finanzministers und den Folgen für Banken, Fintechs und Anleger wirklich lesen würden. Aber: Sie haben’s gelesen. Und wie!

Indes: Viele von Ihnen haben den Artikel nicht nur gelesen – sondern uns spannendes Feedback gegeben mit etlichen fachlichen Hinweisen, die über unsere eigene Berichterstattung hinausgehen. Hier die aus unserer Sicht wichtigsten Beiträge (von deren Plausibilität wir uns überzeugt haben):

Leser L. schreibt mit Blick auf den Kreis der betroffenen Anleger: 

„Ein Hinweis zu dem Steuerhammer aus dem Newsletter: es sind gerade nur kleinere Anleger betroffen, da die Änderung nur im Einkommenssteuergesetz eingearbeitet ist. Als Kapitalgesellschaft / GmbH & Co. zur ‚Verwaltung eigenen Vermögens‘ kann ich die Verluste weiterhin voll ansetzen. Ich vermute, dass man mit der Regelung die Anleger vor Augen hatte, die vor Jahresschluss Wertpapiere verkauft haben, um Verluste zu realisieren und nach der Karenzzeit im neuen Jahr diese Wertpapiere wieder zurück gekauft haben.“

Leser G. schreibt, dass selbst eine Abschaffung des 10.000-Euro-Verrechnungs-Deckels vielen Anlegern nichts nützen würde:

„Einen Punkt würde ich wegen seiner Härte noch stärker herausstreichen: Aufgrund des neuen Verlusttopfes sind Absicherungen von Aktiendepots auch ohne Berücksichtigung der 10.000 Euro-Grenze nicht mehr wirtschaftlich. Das fußt darauf, dass sich Verluste aus Derivaten überhaupt nicht mehr mit anderen Gewinnen verrechnen lassen. Sollte also ein Gericht die Grenze kippen, bleibt doch über den neuen Verlusttopf eine wesentliche Behinderung für normale Anleger bestehen. […] Den Verlusttopf für Derivate anzufechten wird erheblich schwieriger, schließlich müssen wir auch mit dem Aktientopf leben, der ja auch nicht sachlich, sondern rein politisch/ideologisch begründet ist. Alles in allem ist das Gesetz eine Katastrophe, weil es de facto selbstbestimmtes Anlegen für Privatanleger in Deutschland unmöglich macht. Wirtschaftlich ist das auch das Aus für alle Direktbroker und das Zertifikategeschäft.“

Leser W. weist auf massive Konsequenzen des Gesetzes unter anderem für die Eurex hin: 

„Sie schreiben: ‚Ein sehr konservativer Anleger (oder auch: dessen Vermögensverwalter) sichert das Portfolio mit Optionsscheinen und Hebelprodukten ab‘. In der Praxis erfolgt das (insbesondere bei den großen Accounts) mit Puts der Eurex oder US-Terminbörsen, weil das günstiger ist. Optionsscheine sind eher Produkte für kleinere Retail-Accounts. Was hier noch hinzukommt: Wahrscheinlich kann man Eurex-Geschäfte mit Privaten ab 2021 nicht mehr anbieten.

Wenn man Verluste aus den Optionen nicht mehr mit anderen Gewinnen saldieren kann, ist dieses Geschäft praktisch tot. Gilt aber noch extremer für praktisch alle anderen Eurex-Strategien – Rollen von Futures, Bull Spread usw. -,  die von vermögenden Anlegern gerne gewählt werden („gedämpftes Aktienmarkt-Exposure“ heißt das dann etwa). Die Geschäftsmodelle und Abteilungen der Banken und Börsen kämen dadurch weiter unter Druck.

Noch krasser: Das ganze finanzmathematische Modell der Eurex (und der anderen Terminbörsen) für die Sicherheitsleistung der Investoren (das die Banken auf ihre Kunden anwenden müssen!) basiert auf der Verrechnung von Gewinnen und Verlusten. Das kann dann für Privatinvestoren nicht mehr angenommen werden. Die Banken wären gezwungen, Abgeltungssteuer für jeden potentiellen Gewinn ‚abzuziehen‘. Das ist im Detail sehr kompliziert, geht aber immer von einer reinen Netto-Sicht aus (also Saldierung alles Barwerte).

Hierauf ist niemand vorbereitet. Man müsste zunächst finanzmathematisch ein neues Prisma-Modell (so heißt das Eurex-Modell für die Initial Margin) erstellen, und dass bankseitig implementieren. Im restlichen Jahr 2020 ist das meines Erachtens fast nicht mehr möglich.“

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