ING-Chef Ralph Hamers wird laut „FT“ neuer CEO der UBS

19. Februar 2020

Von Heinz-Roger Dohms und Christian Kirchner

Es ist die europäische Banken-Personalie des Jahres: ING-Groep-CEO Ralph Hamers soll neuer Vorstandschef der UBS und damit Nachfolger Sergio Ermottis werden. In der Nacht auf Donnerstag bestätigte die UBS einen entsprechenden Vorabbericht der „FT“. Hamers tritt seinen Job zum 1. November 2019 an, stößt aber bereits im September zu den Schweizern. Nach Darstellung der „FT“ soll UBS-Chairman Axel Weber schon vor Monaten Kontakt zu dem Niederländer aufgenommen haben. Aus einem internen und externen Suchverfahren sei Hamers dann als Gewinner hervorgegangen.

Für Hamers wäre der Wechsel auf den ersten Blick ein Schritt zur Seite: In Sachen Bilanzsumme (je rund 900 Mrd. Euro) und Börsenwert (je rund 40 Mrd. Euro) spielen UBS wie ING in einer Liga. Das gilt gleichwohl nicht für die Vergütung – auch wenn wir nicht spekulieren wollen, ob das bei Hamers Entscheidung eine Rolle gespielt hat. 2018 kam der ING-Chef auf ein Grundgehalt von 1,75 Mio. Euro – und die strengen niederländischen Aufseher limitieren mögliche Bonuszahlungen auf 20% des Fixgehalts. Die Gesamtvergütung von UBS-Chef Ermotti hingegen lag 2018 dank diverser Boni-Regelungen bei 14,1 Mio. Franken – umgerechnet 13,3 Mio. Euro. Im Frühjahr desselben Jahres war aufgrund eines öffentlichen Aufschreis der Plan der ING gescheitert, die Vergütung von Hamers in Richtung 3 Mio. Euro anzuheben – was noch immer unterhalb des Schnitts anderer Bank-CEOs in Europa gelegen hätte.

Der 54-jährige Hamers bringt von der ING – in der er seit 1991 arbeitet – eine solide Bilanz mit: 2013 trat er sein Amt als Vorstandsvorsitzender bei einem Institut an, das seinerzeit noch immer nicht alle Staatshilfen zurückgezahlt hatte und auf Geheiß von EU-Kommission und Regierung zerlegt wurde: Teile des internationalen Geschäfts, der Versicherungen sowie des hauseigenen Asset Managements wurden verkauft oder an die Börse gebracht. Den verbliebenen Rest des Instituts trimmte Hamers auf Rendite: Seit seinem Antritt sank zwar die Bilanzsumme um rund 10%, der Nettogewinn indes stieg von einst 3,2 (2013) auf zuletzt 4,7 Mrd. Euro (2019). Die Bank ist wieder dividendenfähig (aktuelle Dividendenrendite: 6,6%), und die Cost-Income-Ratio liegt seit 2015 bei höchstens 56%.

Derartige Kostendisziplin dürfte gerade bei der UBS gefragt sein. Die Bank ist zwar vor allem dank ihres Vermögensverwaltungs-Geschäfts ebenfalls profitabel (Nettogewinn 2019: 3,9 Mrd. Euro), reißt aber seit Jahren ihre Kostenziele. Erst vor drei Wochen kippte die Bank ihr eigentlich für nächstes Jahr ausgegebenes Ziel einer Cost-Income-Ratio von 72% – nun sollen es 75 bis 78% werden. Auch die Renditeziele nahm die UBS zurück – es gibt also genug zu tun für Hamers.

Die noch offene (aber womöglich auch aus Frankfurter Sicht interessante) Frage: Wer wird denn Hamers‘ Nachfolger?

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