Exklusiv

ING-Diba-Gewinn fällt wohl erstmals wieder unter 1 Mrd. €

25. Mai 2021

Von Christian Kirchner

Nicht einmal mehr die ING Deutschland – also die seit Jahren führende Retailbank hierzulande – kann sich dem Doppeldruck aus niedrigen Zinsen und hoher Wettbewerbsintensität entziehen. So droht der Gewinn im laufenden Geschäftsjahr erstmals seit 2015 wieder unter die Marke von 1 Mrd. Euro zu fallen, wie aus dem auf der Website einsehbaren Geschäftsbericht für 2020 hervorgeht. Wörtlich kündigt die frühere ING Diba ein „deutlich sinkendes Ergebnis vor Steuern im Vergleich zum Berichtsjahr 2020“ an. Zur Einordnung: Im abgelaufenen Jahr hatte die mit 9,5 Mio. Kunden größte deutsche Onlinebank ein Ergebnis von 1,042 Mrd. Euro erwirtschaftet.

Der pessimistische Ausblick erstaunt insofern, als ein wesentlicher Belastungseffekt aus dem Vorjahr diesmal wegfällt – nämlich die Abschreibung aus dem Wirecard-Großkredit in Höhe von schätzungsweise knapp 200 Mio. Euro. Auch ansonsten rechnet die hiesige ING in diesem Jahr mit „keinen wesentlichen Wertberichtigungen“. Noch ein weiterer Effekt, der sich eigentlich eher in einem steigenden und nicht in einem sinkenden Ergebnis niederschlagen sollte: Die Oranje-Bank betrachtet die Corona-Krise (die 2020 noch zu einem 23%-igen Anstieg der Risikovorsorge geführt hatte) als bilanziell abgehakt.

So heißt es im Prognosebericht: „Die ING-DiBa erwartet […] für das kommende Geschäftsjahr 2021 keine weiteren wesentlichen wirtschaftlichen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf ihr Kerngeschäft […] Die Risikokosten werden voraussichtlich im Geschäftsjahr 2021 unter denen des Vorjahres liegen.“

Was ist es dann, was das Ergebnis voraussichtlich sinken lässt?

Der mutmaßlich entscheidende Grund: Abgesehen von „moderat“ steigenden Verwaltungsaufwendungen rechnet die ING Diba in diesem Jahr auch mit einem „moderat“ sinkenden Zinsergebnis. Das klingt zunächst einmal alles andere als dramatisch. Allerdings: Da bei der hiesigen ING trotz mittlerweile merklich anziehender Provisionsergebnisse zuletzt immer noch fast vier Fünftel der kumulierten Überschüsse aus dem Zinsgeschäft kamen, hat auch ein „moderater“ Rückgang in diesem Bereich spürbare Konsequenzen fürs Ergebnis.

Das gilt auch insofern, als satte 78 Mrd. Euro des rund 124 Mrd. Euro großen Geschäftsvolumens auf die private Baufinanzierung entfallen. Und gerade in diesem Segment scheint das Zinsergebnis unter Druck zu geraten: „Höher verzinste Altverträge wurden durch neue Baufinanzierungen mit deutlich niedrigeren Zinssätzen abgelöst“, heißt es im Prognosebericht. Mit anderen Worten: Auch die ING Diba (deren Zinsüberschuss 2020 lediglich um 2% gefallen war) kann ihr Zinsergebnis nicht mehr gänzlich verteidigen.

Anders als das Sparkassen und Genobanken gerne tun, führt die größte deutsche Direktbank die Probleme indes nicht monokausal auf die EZB-Niedrigzinspolitik zurück. Stattdessen ist im Geschäftsbericht von einem „anhaltend zunehmenden Wettbewerb sowie einem weiterhin anspruchsvollen Marktumfeld“ die Rede. Darüber hinaus wird auch die neue Konkurrenz durch BigTechs und Finanz-Startups betont: „Aufbauend auf ihren bisherigen Erfolgen in den Segmenten Mobile Payment und Zahlungsverkehr [werden] FinTech-Unternehmen und global tätige Konzerne weiterhin Druck auf die Bankenbranche ausüben“, heißt es.

Die ING Diba hatte 2015 erstmals mehr als 1 Mrd. Euro vor Steuern verdient. Laut der mittlerweile leicht angepassten Zahlenwerke lagen die Ergebnisse von 2016 bis  2019 sogar zwischen 1,27 Mrd. und 1,35 Mrd. Euro. Auch kündigte die Bank in ihrem Geschäftsbericht für 2021 eine „deutlich“ steigende Cost-Income-Ratio an – wiewohl von einem für den deutschen Markt immer noch extrem starken Wert von zuletzt 50% ausgehend.

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