Kurz gebloggt

ING Diba senkt Zinsen von 0,01% auf 0,001%

6. Dezember 2019

Von Christian Kirchner

Bei der ING Deutschland geht man ungewöhnliche Wege, um das Provisionsgeschäft mit Wertpapieren anzukurbeln: Zum 10. Dezember senkt die größte deutsche Onlinebank die Verzinsung ihres populären Extra-Kontos von ohnehin mikroskopischen 0,01% auf 0,001%. Das geht aus einer Mitteilung hervor, die die ING gestern spätabends an ihre Kunden verschickt hat. Das „Extra-Konto“ (von dem es schätzungsweise rund 8,2 Mio. hierzulande gibt) hatte einst mit hohen Zinsen den Aufstieg der ING Diba zu einer einlagenstarken Direktbank begründet – inzwischen kommt das Institut auf 139 Mrd. Euro Kundeneinlagen.

Die Ersparnis im Zinsaufwand dürfte gemessen am Geschäft sehr klein ausfallen. Unterstellt man, dass sämtliche Kundeneinlagen vollständig auf einem „Extra-Konto“ liegen, betrüge der dafür fällige Zinsaufwand bei 0,01 Prozent Zinsen pro Jahr 13,9 Mio. Euro – und er würde nun um gut 12 Mio. auf 1,39 Mio. Euro sinken. Tatsächlich aber liegen Teile der Kundeneinlagen in anderen Sparprodukten und auf Girokonten. Das heißt: Die tatsächliche Zinsersparnis aus Sicht der Bank liegt unter den 12 Mio Euro, mutmaßlich im mittleren einstelligen Millionenbereich. Zum Vergleich: Im Gesamtjahr 2018 erwirtschafteten die ING ein operatives Ergebnis von 1,3 Mrd. Euro.

Auch für Kunden fällt die Veränderung kaum ins Gewicht: Bei einer Einlage von 20.000 Euro beträgt die Zinsgutschrift bei 0,01% Zinsen 2 Euro – und künftig dann also 20 Cent pro Jahr.  Bereits im April 2018 zehntelte die ING den Zins des Extra-Kontos von 0,1 auf 0,01 Prozent.

Größer als der Zinseffekt dürfte indes die Marketing-Wirkung sein – denn die verpflichtende Kundeninformation an Millionen Kunden spickt die ING mit Empfehlungen, was man mit dem Geld Besseres anfangen könne, anstatt es minimalstverzinst herumliegen zu lassen: Zum Beispiel einen Sparplan zu eröffnen oder es zum Robo-Partner Scalable Capital zu tragen, wo es dann für Kunden noch einen Amazon-Gutschein über 75 Euro obendrauf gebe. „Ganz ehrlich“, so die ING in dem Schreiben,  „eine Geldanlage birgt mehr Risiken als Sparen – Sie lassen aber Ihr Geld nicht einfach auf dem Konto herumliegen, sondern nutzen Ihre Chance auf eine höhere Rendite.“

Die ING Deutschland ist nach wie vor stark abhängig von ihrem Zinsgeschäft, das für 80% der Erträge steht. Daher spürt auch sie den Ertragsdruck, der von den immer niedrigeren Zinsen ausgeht: Im abgelaufenen dritten Quartal ging der Zinsüberschuss gegenüber dem Vorjahresquartal  um 1% zurück, auch der Vorsteuergewinn sank leicht (Analyse hier).

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