Exklusiv

Deutsche ING startet Vertrieb von Versicherungen

22. September 2020

Von Christian Kirchner

Die ING Deutschland (ehemals: ING) Diba steigt in den Vertrieb von Versicherungen ein – oder steht jedenfalls kurz davor. So war auf der Homepage der größten hiesigen Direktbank gestern zeitweise eine Unterseite freigeschaltet, über die Kunden demnächst Haftpflicht-, Hausrat- und Gebäudeversicherungen abschließen sollen. Nachdem Finanz-Szene.de das Ganze publik gemacht hatte, verschwand die Unterseite allerdings wieder. Weitere Recherchen von Finanz-Szene.de förderten dann eine weitere Seite (apps.ing.de) zu Tage, auf der die ING das Angebot für bestehende Kunden mit Login bereits „scharf“ geschaltet hat bis unmittelbar vor dem tatsächlichen Abschluss.

Bei dem Versicherungsangebot handelt es sich auch um einen konkreten Anwendungsfall, in dem – sofern die Kunden zustimmen – die Kundendaten ausgewertet werden. „Stimmen Sie zu, dass wir Ihre aus der Kundenbeziehung mit der ING-DiBa AG stammenden personenbezogenen Daten nutzen, um Ihnen ein unverbindliches Versicherungsangebot zu machen?“, heißt es in einem Abschlussdialog auf der ING-Site. Wer zustimmt, erlaubt der Bank neben persönlichen Informationen auch „Erkenntnisse bzgl. beantragter bzw. genutzter Bank-Produkte (inklusive Salden, Kreditrahmen, ggf. vorhandene Kreditrisiko-Scores)“ sowie „Transaktionsdaten“ auszuwerten. Jovial heißt es dazu: „Weil wir Sie kennen, können wir Ihnen Versicherungslösungen anbieten wie niemand sonst. Als Ihre Bank machen wir Ihnen ein Angebot, das nur für Sie passt. Schauen Sie mal, ob Sie das möchten.“

Nach Finanz-Szene.de-Informationen (und wie auch eine Sprecherin auf Nachfrage bestätigte) läuft bereits eine nicht-öffentliche Testphase für rund 2000 „Beta-Tester“. Das heißt, dass sich das Angebot noch ändern und auch der konkrete Zeitpunkt der Einführung noch offen ist. Allerdings lässt sich anhand der veröffentlichten Seiten das Angebot bereits genau umreißen: Die Policen stammen ausschließlich von der Axa. Laut Pflichtangaben fungiert die ING daher als „als gebundener Versicherungsvertreter der AXA Versicherung AG“.

Die exklusive Zusammenarbeit hatten die niederländische ING-Mutter und der französische Großversicherer bereits vor gut zwei Jahren verkündet. Die Kooperation war der Grund, warum die ING in Deutschland die Kooperation mit dem Insurtech Clark nach gerade einmal einem Jahr wieder beendete. Mit der Einführung von konkreten Produkten ließ sich die ING dann allerdings sehr lange Zeit. Lediglich Axa-Restschuld-Policen für hauseigene Kredite (seit Juli 2020) und Baufinanzierungen (seit 2019) nahm die ING in ihr Angebot auf – im Prinzip eher Nischenprodukte. Man werde „nach und nach bedarfsgerechte Versicherungslösungen“ liefern, hieß es noch im Februar auf Finanz-Szene.de Anfrage.

Die ING intensiviert in Deutschland seit Jahresbeginn ihre Bemühungen, sich unabhängiger vom Zinsgeschäft zu machen, der für vier Fünftel des Gewinns sorgt. Dazu führte sie alleine in diesem Jahr eine Kontoführungsgebühr für Kunden ohne regelmäßigen Geldeingang ein (siehe hier), sie testet gerade die Einführung einer „echten“ Kreditkarte (siehe hier), sie werkelt an einem Cashback-Programm (siehe hier) sowie im Hintergrund an der Einführung einer Anlageberatung.

Nun kommen also Versicherungen hinzu, allerdings ausschließlich für die eigenen Kunden, wie es in einem (inzwischen am Dienstag nachmittag wieder verschwundenen) „FAQ“auf der ING-Website heißt. Wann der genaue Marktstart erfolgt, ist unklar. In der Bankenbranche dürfte den Erfolg (oder Misserfolg) des Vertriebs von Versicherungs-Massenprodukten bei der ING mit ihren 9,5 Millionen Kunden mit Spannung beobachtet werden. Die große Frage: Steht „Bancassurance“ im digitalen Zeitalter vor einem Revival, nachdem sich entsprechende Cross-Selling-Potenziale in den letzten 20 Jahren nur selten materialisieren ließen?

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