Exklusiv

Irres Angebot: Hypo-Vereinsbank zückt die Neukunden-Bazooka

5. April 2020

Von Christian Kirchner

Die Hypo-Vereinsbank erhöht in der Schlacht um Neukunden massiv die Einsätze. Seit dem vergangenen Mittwoch und somit dem Beginn des Quartals bietet die Unicredit-Tochter ihr Premium-Kontomodell „Pluskonto“ für neue Kunden fünf Jahre umsonst an und offeriert zusätzlich Prämiengutscheine über 100 Euro. Das „Pluskonto“ umfasst neben allen üblichen Kontodienstleistungen auch eine Giro- und Mastercard. Zudem packt die HVB für fünf Jahre die Mitgliedschaft für hauseigene Kundenbindungs-Programm „Valyou“ in Gold obendrauf, das weitere Gratifikationen wie 0,1% Guthabenszins und Rabatte auf Transaktionen und Depotführung bringt.

Die Aktion ist in gleich mehrerer Hinsicht bemerkenswert:

  • Erstens sind die Gratifikationen von Neukunden bei Banken in der Regel auf längstens ein Jahr befristet, da das Ziel der Banken ist, die Kunden in bezahlpflichtige Kontomodelle zu locken oder in diese zu überführen – bei der Hypo-Vereinsbank indes entfällt die Gebührenpflicht von 9,90 Euro pro Monat gleich mal für fünf Jahre. Inklusive der 100-Euro-Prämie summiert sich der Gegenwert des Angebots somit auf knapp 700 Euro.
  • Zweitens reicht die HVB an Neukunden den „Gold“-Status ihres Kundenbindungs-Programms ebenfalls für fünf Jahre an Neukunden aus. Zahlende Bestandskunden müssen sich denselben Status über diverse Produkte wie Kredite und Depotführung erst einmal „verdienen“.
  • Und drittens: Das Verblüffendste an der Offerte ist, dass sie ausgerechnet von der Hypo-Vereinsbank kommt. Die nämlich hatte – verglichen etwa mit der Commerzbank, der Postbank oder der ING Diba – in den vergangenen Jahren im Kampf um neue Privatkunden einen eher defensiven Eindruck gemacht. Folge: Wie Finanz-Szene.de letztes Jahr aufdeckte, hat die HVB seit 2013 (jedenfalls Statistiken ihrer Mutter Unicredit zufolge rund ein Fünftel ihrer Kunden verloren). Überhaupt kamen die Münchner jüngsten Zahlen zufolge zuletzt im Retail-Bereich auf nur mehr 1,2 Mio. Kunden, verdient mit denen ausweislich der vergangenen Geschäftsjahre indes gutes Geld.

Sreenshot

Während andere Banken sparen, holt die HVB die Bazooka raus (Quelle: Website-Screenshot)

Und ausgerechnet jetzt – in der Corona-Krise – dreht die Hypo-Vereinsbank auf,  während die ansonsten meist sehr aggressiven Konkurrenten ihr Angebote deutlich zurückfahren. So hat die ING ihre Prämie von 50 Euro für Girokonto-Neukunden per Ende Q1 ersatzlos gestrichen. Ebenfalls entfallen ist die temporär höhere Verzinsung für Neukunden ihres populären „Extra-Kontos“. Auch Extra-Konto-Neukunden erhalten nun statt 0,25% nur die üblichen 0,001%. Ein ING-Sprecher erklärte, beide Aktionen seien „planmäßig Ende Q1 ausgelaufen“, beides habe nichts mit der Corona-Krise zu tun.

Auch bei den Neukunden-Angeboten anderer Institute sind die „Wildwest“-Zeiten offenbar um und werden die Gratifikationen massiv zusammengestrichen:

  • Die Postbank offerierte noch im ersten Quartal 200 Euro Prämie in Form von Gutscheinen für die Eröffnung eines Girokontos des Standardmodells „Giro Plus“ sowie 50 Euro Werbeprämie. Und nun? „Pausiert“ die Aktion, wie sich speziellen Marketing-Seiten im Internet entnehmen lässt. Stattdessen gibt es für Neukunden über die Postbank-Seite lediglich unter bestimmten Bedingungen eine Gebührenbefreiung für acht Monate bis Ende 2020.
  • Die Commerzbank bietet nur noch 50 Euro Prämie für die Eröffnung eines Girokontos nach 100 Euro im ersten Quartal. In der Vergangenheit hatten die Frankfurter in der Spitze sogar 200 Euro offeriert.
  • Die Comdirect bot gestaffelt und je nach Aktivität noch im Laufe des ersten Quartals bis zu 125 Euro Prämie für die Eröffnung eines neuen Girokontos an. Inzwischen ist die einzige Neukunden-Gratifikation auf ihrer Internetseite eine 2-Prozent-Cashback-Aktion für die Nutzung der Visa-Karte.
  • Die DKB lockt neue Kunden zwar noch mit einem kostenlosen Girokonto, zahlt aber direkt keine Neukundenprämie
  • 100 Euro Bonus gibt es für die Eröffnung eines kostenlosen Girokontos nur noch bei Nischenanbietern mit reinem Online-Angebot wie der Norisbank sowie 1822direct. 

Ein Zusammenhang mit der Corona-Krise ist zwar nicht belegt. Stattdessen heißt es von einigen Instituten im Hintergrund, es gebe auch in normalen Zeiten wechselnde Aktionen von Quartal zu Quartal. Dass – abgesehen von der HVB – indes praktisch alle größeren Anbieter urplötzlich bei den Prämien sparen, ist dann aber doch auffällig. Zumal es angesichts der sich anbahnenden Krise ja auch schlüssig wäre, genau jetzt die Marketingkosten herunterzufahren – schließlich kann man auf diese Weise sparen, ohne zugleich die aktuellen Erträge zu belasten.

Die Kundenakquise-Kosten liegen laut Industrieinsidern bei klassischen Girokonto-Neukunden im Bereich zwischen 300 und 600 Euro je Kunde inklusive aller Onboarding- Kosten. Hakan Özal vom Affiliate-Spezialisten und Finanz-Szene.de-Partner financeAds hatte die Kosten jüngst in unserer Rubrik  „Partner-Blog“ mit rund 500 Euro beziffert.

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