Kurz gebloggt

Ist die DZ Bank im Kerngeschäft so gut wie es scheint?

2. März 2021

Von Heinz-Roger Dohms

Vor lauter Greensill haben wir die virtuelle Bilanz-PK der DZ Bank gestern Vormittag nur so halb verfolgt. Was wir immerhin mitbekommen haben: 1.) Der Vorsteuergewinn, von den es im Sommer noch geheißen hatte, die Tendenz gehe Richtung 800-900 Mio. Euro, liegt erstaunlicherweise nun doch bei 1,46 Mrd. Euro; 2.) Einer der beiden DZ-Bank-Chefs (laut unserem halben zuhörenden Ohr handelte es sich um Herrn Riese) begründete das damit, dass die Risikovorsorge deutlich niedriger ausgefallen und das Kapitalmarktgeschäft deutlich besser ausgefallen seien als zwischenzeitlich befürchtet; und 3.) Die Ertragszahlen der eigentlichen DZ Bank (also ohne die ganzen Satelliten wie Union, R+V, Schwäbisch-Hall usw.) sehen verblüffend gut aus. Wo kommt das denn her? Ein Parforce-Ritt durch die Zahlen:

Schwäbisch-Hall: 81 Mio. Euro Ergebnis (minus 57% zum Vorjahr)

Die Bausparkasse bleibt, belastet von den niedrigen Zinsen, das Sorgenkind des Konzerns. Geradezu abgestürzt ist das Ergebnis vor Steuern, auf 81 Mio. Euro – 2019 waren es noch 189 Mio. Euro. Und Cornelius Riese, Co-Chef der DZ Bank, machte wenig Hoffnung, dass sich daran in naher Zukunft etwas ändern wird: Ergebnisse um die 100 Mio. Euro dürften in dieser Sparte die „neue Normalität“ sein, sagte er. Immerhin konnte er vermelden, dass das Neugeschäft auf 19,1 Mrd. Euro gestiegen ist, nach 16,7 Mrd. Euro im Jahr zuvor – ein Wachstum, das über dem Marktdurchschnitt liegt.

R+V: 277 Mio. Euro (-74%)

Es war der genossenschaftliche Versicherer, der 2019 mit einem Ergebnis vor Steuern von 1.063 Mio. Euro große Teile zum damaligen Rekordgewinn des DZ-Bank-Konzerns beigetragen hatte –  dank eines tollen Ergebnisses bei den Kapitalanlagen. 2020 lief es umgekehrt: Das Ergebnis aus Kapitalanlagen brach ein, um zwei Drittel, und riss das Gesamtergebnis des Versicherers mit nach unten. Hinzu kamen erhöhte Schäden, insbesondere in der Rückversicherung infolge der Covid-19-Pandemie.

Teambank: 154 Mio Euro (+1%)

Solide bleibt der Ergebnisbeitrag des Konsumentenkredit-Spezialisten. Ob sich das halten lässt, ist aber fraglich, ist doch das Neukundengeschäft – wie jüngst berichtet – wegen Corona stark zurückgegangen. Dessen Volumen sank von 3,5 Mrd. Euro (2019) auf 2,8 Mrd. Euro. Die Forderungen gegenüber Kunden betragen stabil 9 Mrd. Euro. Die Zahl der Kunden ist um immerhin 18.000 gestiegen.

Union Investment: 649 Mio. Euro (+/-0)

Die hauseigene Fondsgesellschaft bleibt (wie vorige Woche schon kurz vermeldet) eine Cashcow. Dass die Nettozuflüsse im Geschäft mit Privatkunden auf 8,8 Mrd. Euro anstiegen, im Geschäft mit institutionellen Investoren aber mit 6,3 Mrd. Euro deutlich hinter dem Vorjahr zurückblieben – dafür hatte Riese eine Erklärung parat: Zu den institutionellen Kunden der DZ Banken zählten viele Unternehmen, sagte er, und diese hätten vor dem Hintergrund der Pandemie ihre Wertpapierbestände teilweise zurückgefahren, um mehr Liquidität vorhalten zu können.

DZ Hyp: 582 Mio. Euro (-15%)

Der Finanzierer von Gewerbeimmobilien konnte zwar das Zinsergebnis um 8,8% steigern und die Verwaltungsaufwendungen um 8,5% senken. Trotzdem ging der Ertrag zurück. Dies lag unter anderem an der Risikovorsorge, die von praktisch inexistent auf 47 Mio. Euro erhöht wurde. Insgesamt bleibt die Sparte aber mit ihrem Ergebnis eines der Schwergewichte innerhalb der Bankgruppe. Und was auch auffällt – das ist, wie deutlich die DZ Hyp die beiden börsennotierten Rivalen Aareal und Deutsche Pfandbriefbank distanziert.

DVB Bank: minus 285 Mio. Euro (-164%)

Der dauerkriselnde Transportfinanzierer verursacht auch in der Abwicklung (siehe unsere Berichterstattung vom 11. Dezember) erbarmungslos Verluste (nach minus 108 Mio. Euro 2019). Erlaubt man sich mal den Spaß, die Miesen von 285 Mio. Euro gegen den Abbau bei den Kundenkrediten zu rechnen (die um 3,5 Mrd. Euro auf 3,9 Mrd. Euro sanken), kommt man auf 81 Mio. Euro Verlust, die die DZ Bank pro 1 Mrd. Euro abgebauten Volumens in Kauf nimmt… Ja, ja, wir wissen, dass diese Rechnung so eigentlich nicht zulässig ist, weil in das Ergebnis natürlich viel, viel mehr Effekte hineinspielen als nur der Rückbau – trotzdem.

VR Smart Finanz: Minus 45 Mio. Euro (-350%)

Die frühere VR Leasing leidet (so unsere Deutung) weiter unter ihren Altlasten – bzw. darunter, dass die „Transformation zum digitalen Gewerbekundenfinanzierer“, die sie verkündet hat, eben Zeit braucht. Was 2020 erschwerend hinzukam: Aus Angst, in der Corona-Krise in unkalkulierbare Risiken zu laufen, hatte die VR Smart Finanz ihr Vorzeige-Produkt (irgendsoein „Flex“-Kredit, bei dem es sich praktisch um einen Blanko-Kredit bis zu einer Höhe von 100.000 Euro handelt) im Frühjahr vorübergehend aus dem Markt genommen. Zwar betonte Uwe Fröhlich, der andere Co-Chef der DZ Bank, dass der stattdessen rasch aufgelegte KfW-Kredit (siehe unser Stück „Geheimprojekt: DZ Bank baut Sofort-Kredit für KfW-Hilfen“ vom 27. März) ein voller Erfolg gewesen sei – in Zahlen: 42.000 Anfragen und rund 835 Mio. Euro genehmigtes Darlehensvolumen. Nur muss, wer das Risiko an die Staatsbank auslagert, natürlich auch mit weniger Erträgen auskommen … und so sank das Ergebnis von minus 10 Mio. Euro (2019) weiter in die Tiefe.

DZ Privatbank: 38 Mio. Euro (+6%)

Die Private-Banking-Sparte bleibt innerhalb der Bankgruppe ein Nischenakteur mit seeeehr überschaubarer Ertragskraft. Der Provisionsüberschuss, das Handelsergebnis, ja selbst der Zinsüberschuss legte zu – allerdings stiegen auch die Kosten. Immerhin nahm das verwaltete Vermögen 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 6% zu, das verwaltete Fondsvolumen um 16%.

DZ Bank AG – also die Geschäfts- und Verbundbank: 244 Mio. Euro (-17%)

Wie gesagt, uns fehlte gestern die Zeit, uns die Ergebnisse vernünftig anzugucken oder bei der Bilanz-PK vernünftig nachzufragen. Hinzu kommt: Es schwingt (jedenfalls bei uns hier) latent der Verdacht mit, die DZ Bank könnte, wenn sie die Zahlen ihrer Geschäfts- und Verbundbank berechnet, vielleicht ein paar Kosten zu viel in die sogenannte „Holding-Funktion“ auslagern, auf dass man diese Kosten dann in der Verbundbank nicht sieht …

Aber was soll’s. Was jedenfalls erst einmal gut aussieht, das ist das hier:

  • Zinsüberschuss: +8% auf 832 Mio. Euro
  • Provisionsüberschuss: +14% auf 441 Mio. Euro
  • Handelsergebnis: +12% auf 448 Mio. Euro

Da konnte die Geschäfts- und Verbundbank sogar die auf 337 Mio. Euro (Vorjahr: 77 Mio. Euro) heraufgesetzte Risikovorsorge verschmerzen.

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