Kurz gebloggt

Ist es wirklich so, dass die Bankgebühren immer nur steigen?

25. November 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Schön, dass sich zur Abwechslung mal alle Medien einig sind:

  • „Girokonto-Gebühren überdurchschnittlich stark gestiegen“, vermeldet die Süddeutsche Zeitung
  • „Girokonten werden überdurchschnitt teurer“, schreibt die FAZ
  • „Girokonten werden immer teurer“, weiß das Handelsblatt
  • Und selbst der des Banken-Bashings normalerweise unverdächtige Newsletter des Bundesverbands deutscher Banken stellt erschrocken fest: „Die Gebühren fürs Girokonto haben nach Angaben des Statistischen Bundesamtes von 2015 bis 2019 um 25% zugelegt.“

Nun sind die Headlines natürlich nicht falsch. Allerdings: Wer sich die Mühe macht, die  zugrundeliegende Destatis-Mitteilung bis zum bitteren Ende zu lesen, der findet dort eine Grafik, die den sogenannten „Index zur monatlichen Preisentwicklung Bank- oder Sparkassengebühr“ abbildet. Und zwar nicht nur für den Zeitraum von 2015 bis 2019. Sondern für den Zeitraum seit 2010. Nimmt man nun die Oktober-Werte seit jenem Jahr, dann lässt sich aus der Grafik die folgende Tabelle destillieren:

10 / 2010 138,2
10 / 2011 135,2
10 / 2012 119,6
10 / 2013 97,5
10 / 2014 98,2
10 / 2015 100,5
10 / 2016 107,9
10 / 2017 114,8
10 / 2018 120,8
10 / 2019 125,7
10 / 2020 133,7

Sprich: Die Gebühren oder zumindest der Gebühren-Index notiert heute nicht höher also vor zehn Jahren, sondern er notiert niedriger. Oder anders gesagt: Bis 2013/2014  ging es erst einmal kräftig runter. Und erst danach kräftig (aber: nicht ganz sooooo kräftig) wieder rauf.

Nun sind wir uns bei der Interpretation der Zahlen nicht zu 100% sicher. Wenn wir die Sache allerdings auf die Schnelle richtig verstanden haben, dann dürften die Kontogebühren im engeren Sinne tatsächlich gestiegen sein, und zwar auch im Vergleich zu 2010, nicht nur im Vergleich zu 2015. Aber: Um die Kontogebühren im engeren Sinne scheint es bei der Destatis-Erhebung gar nicht zu gehen. Stattdessen steht unter „Methodischer Hinweis“:

„Die ausgewiesene Preisentwicklung berücksichtigt verschiedene Kontoführungsgebühren wie Grundgebühren, Überweisungen, Daueraufträge, Barabhebungen, Kreditkarten, Kontoauszüge und Ähnliches. Darüber hinaus werden die Preise für den privaten Wertpapierhandel und das private Wertpapierdepot beobachtet.“

Für den zwischenzeitlichen Verfall des Index liefert das Destatis nun folgende Erklärung: „Nachdem die Preise von 2010 bis 2014 vor allem aufgrund weggefallener Bearbeitungsgebühren für Privatkredite um 27,9% kräftig gefallen waren, stiegen sie seit 2015 kontinuierlich an.“

Auf Basis von Halbwissen, blasser Erinnerung und Instant-Googeln würden wir hieraus nun folgendes Fazit ableiten:

  • Irgendwann um 2014 herum muss es ein BGH-Urteil gegeben haben, dass die besagten Bearbeitungsgebühren für unzulässig erklärt hat
  • Die Folgen waren so krass, dass selbst das jahreslange Drehen an diversen Gebührenschrauben den durch das Urteil hervorgerufenen Einbruch nicht vollständig hat wegmachen können
  • Irgendwie doof. Jedenfalls aus Sicht der Banken bzw. ihrer GuVs.

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