Kurz gebloggt

Jetzt erst Recht! Wie die DWS ihre Wirecard-Position aufbaute

26. Februar 2020

Von Christian Kirchner

Die Deutschland-Fonds der DWS halten an ihren großen Positionen in der Wirecard-Aktie fest. Das geht aus den jüngst veröffentlichten Fonds-Factsheets per 31. Januar 2020 hervor. Demnach halten die fünf DWS-Fonds für deutsche Standardwerte mit einem Volumen von zusammen knapp 13 Mrd. Euro Wirecard-Aktien für rund 1 Mrd. Euro. Die Gewichtungen betragen dabei zwischen 4,1 und 9,3 Prozent, in zwei Fonds sind sie zuletzt sogar leicht gestiegen. Hoch engagiert ist dabei weiterhin der rund 4,6 Mrd. Euro schwere DWS Deutschland von Fondsmanager Tim Albrecht, der auch die besagte Position von 9,3% eingegangen ist. Im Vergleichsindex CDax kommt Wirecard lediglich auf ein Gewicht von 0,9%, im Dax auf 1,1%.

Manager Gewichtung aktuell 31.1. lt. Factsheet Gewichtung 31.10.2019 Gewichtung 30.9.2019 Volumen Fonds in Mrd. Euro
DWS Deutschland Albrecht 9,3% 9,2% 2,7% 4,6
DWS Aktienstrategie  Dtld. Pack 6,1% 3,8% 3,7% 4
DWS Investa Ohme 8,7% 7,2% 2,7% 3,5
DWS Invest Germ. Eq. Albrecht 9% 9% 2,0% 0,4
DWS German Eq. Typ 0 Wendelken 4,1% 2,9% 2,3% 0,4
Summe 13
gerundet; Quelle: Factsheets/Jahresberichte/HJ-Berichte

Die neuesten Positionierungen lassen – in Abgleich auch mit den vor einigen Tagen veröffentlichten Jahresberichten zum 30. September – einige spannende Schlüsse zu.

  • Die DWS-Manager haben ihre massiven Positionen offenbar tatsächlich in den Kursturbulenzen im Oktober aufgebaut, als die „FT“ in ihrem bislang letzten großen Investigativartikel Wirecard Bilanztricks vorwarf (Details hier). Das ergibt sich aus einem Abgleich der Gewichtungen zum 30.9. 2019, die nunmehr ausführlich in Form von Jahresberichten vorliegen sowie den zehn größten Positionen per 31.10.2019, also einen Monat später. Die zehn größten Positionen müssen die Fonds monatlich offen legen. Demnach haben sich die Gewichtungen im Laufe des Oktobers etwa im DWS Deutschland-Fonds mehr als verdreifacht, nachdem der Fonds bereits mit einer deutlichen Übergewichtung gegenüber dem Vergleichsindex in den turbulenten Oktober gestartet war. Aus einem hohen Einsatz (und einer deutlichen Wirecard-Übergewichtung) wurde in allen Fonds ein extrem hoher Einsatz. Noch im Frühjahr 2019 hielten die Fonds ungefähr so viel wie auch der Index vorsieht.
  • Die hohen Einsätze haben sich für die DWS-Fonds zumindest zeitweilig ausgezahlt: Am 15. und 18. Oktober überschritt die DWS die Schwellen von 3 bzw. 5% an Wirecard. Am 15. Oktober schloss die Wirecard-Aktie bei 122 Euro, am 18. Oktober bei 113 Euro. Ende Januar kratzte die Wirecard-Aktie bereits wieder an der Marke von 140 Euro, notieren aber nun wieder bei 122 Euro. Damit ist die Kursentwicklung per Saldo von Dax und Wirecard seit Mitte Oktober ähnlich – Anstalten für Gewinnmitnahmen machten die DWS-Manager im Januar laut den Dokumenten nicht
  • Vieles spricht daher dafür, dass auch die DWS-Manager auf einen Befreiungsschlag durch den Sonderbericht von KPMG setzen. DWS-Manager Albrecht hatte bereits in der Vergangenheit bei Kursschwächen zeitweilig hohe Positionen aufgebaut in Wirecard und dann in einer anschließenden Erholung verkauft. Die aktuellen Positionen begründete es indes gegenüber Finanz-Szene.de im November mit „Branchenüberlegungen“, im Dax gäbe es nun mal kaum Tech-Werte, die das Haus für 2020 favorisiere. Die DWS ist in Gesellschaft acht weiterer Adressen mit signifikanten Long-Positionen in der Aktie (Übersicht hier) – allerdings haben auch die Leerverkäufer keine Eile, ihre Positionen zu reduzieren. Nach Berechnungen des Datendienstleisters S3 Partners sind aktuell weiterhin 24,5 Millionen Aktien verliehen und leer verkauft – das sind knapp 20 Prozent aller Wirecard-Aktien insgesamt. Offenbar wollen also weder Optimisten noch Pessimisten „nachgeben“ – was die Wahrscheinlichkeit einer explosiven Kursentwicklung (mit unbekannter Richtung) erhöht.

 

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