Exklusiv

Lampe verkauft Standorte an Oetker – und malt schwarz für 2020

7. September 2020

Von Christian Kirchner

Das Bankhaus Lampe hat über einen millionenschweren Immobilien-Deal mit dem Mutterkonzern Oetker sein 2019er-Ergebnis nach oben getrieben, zeigen Recherchen von Finanz-Szene.de. Konkret geht es unter anderem um Standorte in Bielefeld und Frankfurt, die zusammen mit anderen selbst genutzten Gebäuden an Oetker verkauft und dann zurückgemietet wurden. Alles in allem steht die Transaktion für rund die Hälfte des ausgewiesenen Konzerngewinns in Höhe von 13,9 Mio. Euro.  De facto dürften die einmaligen Erträge zu dauerhaft höheren Mietkosten führen — was die GuV der operativ ohnehin tendenziell defizitären Privatbank über die nächsten Jahre weiter belasten wird. Wie berichtet, soll das Bankhaus Lampe an die Frankfurter Privatbank Hauck & Aufhäuser (bzw. den dahinter stehenden chinesischen Investor Fosun) verkauft werden.

Finanz-Szene.de war durch eine Formulierung im Geschäftsbericht auf den Deal gestoßen. Dort heißt es: „Im Berichtsjahr ist die Lampe Immobilien GmbH & Co. KG aufgrund der Veräußerung aus dem Konsolidierungskreis ausgeschieden.“ Bei dieser GmbH handelt es sich um eine Einheit, die die konzerneigenen Lampe-Immobilien besaß und verwaltete. Dem Handelsregister zufolge ist bei der Gesellschaft ab Herbst 2019 eine „Dr. Crato GmbH“ Gesellschafter. Dabei wiederum handelt es sich um eine Firma aus der Oetker-Gruppe. Eine Lampe-Sprecherin bestätigte auf Nachfrage, dass „die Bankhaus Lampe KG sämtliche Kommanditanteile an der Lampe Immobilien GmbH & Co. KG an die Dr. August Oetker KG veräußert“ habe und sich „die Niederlassungen (des) Bankhaus Lampes weiterhin in den Räumlichkeiten an den Standorten Bielefeld, Hamburg, Münster und Frankfurt“ befinden.

Wie sich aus dem Abschluss ergibt, betrug der verbuchte Veräußerungserlös 6,2 Mio. Euro. Dieser floss in die „sonstigen betrieblichen Erträge“, die sich insgesamt zu 29 Mio. Euro aufaddierten und damit – nicht zum ersten Mal bei Lampe – das Jahresergebnis retteten.

Hier ein kleiner Rückblick:

  • Für 2016 präsentierte Lampe einen Gewinn von 55 Mio. Euro. Zwar erklärte die Bank damals, dass das Ergebnis durch den Verkauf der Anteile am Fondsanbieter Universal Investment „begünstigt“ worden sei, verzichtete aber auf eine Präzisierung. Die Veröffentlichung des Geschäftsbericht 2016 legte nahe, warum: Der Universal-Deal hatte zu einem Ergebniseffekt von satten 137,4 Mio. Euro geführt, wie Finanz-Szene.de damals aufdeckte.
  • Für 2017 wies Lampe dann einen Konzernbilanzgewinn von 15 Mio. Euro aus – eine erneute Analyse des Zahlenwerks durch Finanz-Szene.de förderte zutage, dass das um Einmaleffekte wie dem Risikoergebnis, Verkäufe etc. bereinigte operative Ergebnis je nach Rechnung zwischen minus 13 Mio. und minus 28 Mio. Euro gelegen haben dürfte
  • Für 2018 dann stand ein Überschuss von 15 Mio. Euro zu Buche, bei der Präsentation dieser Zahlen gab Lampe dann aber erstmals unumwunden zu, dass nur Sondereffekte wie zum Beispiel die Veräußerung von Beteiligungen in der jüngeren Vergangenheit zu einem positiven Geschäftsergebnis geführt hätten – und erklärte sich selbst kurzerhand zum Sanierungsfall (siehe hier, Handelsblatt/Paywall).

Für 2019 rühmte die Bank sich selbst einer „großen Kostendisziplin“, dank derer es gelungen sei, „trotz des schwierigen Marktumfelds einen knapp behaupteten Konzerngewinn von 13,9 Mio. Euro (Vorjahr: 14,9 Mio. Euro)“ zu erwirtschaften. Auf die rund 29 Mio. Euro „sonstigen betrieblichen Erträge“ – neben dem Immobiliendeal waren hier unter anderem Auflösungen von Rückstellungen über 12 Mio. Euro wesentlicher Gewinntreiber – ging Lampe in der entsprechenden Mitteilung nicht ein.

Betrachtet man die Entwicklung diverser Kennziffern über die letzten Jahre, wird deutlich, warum Oetker allem Anschein nach keine andere Möglichkeit mehr sah als die Banktochter abzustoßen.

Was stets stimmte, was der Konzerngewinn:

 

Addiert man aber schlicht die Erträge im Kerngeschäft der Bank — also den Zins- und Provisionsüberschuss — und zieht davon die Verwaltungsaufwendungen ab, zeigt sich, wie es um die tatsächliche operative Leistungsfähigkeit der Bank bestellt ist:

Aufgefangen wurde die hohen Kosten stets durch das „sonstige betriebliche Ergebnis“, dass sich in den Jahren 2017 bis 2019 auf 75 Mio. Euro addierte – bei einem kumulierten Überschuss von 44 Mio. Euro.

in Mio. Euro 2017 2018 2019 2017-2019
Überschuss 15 14 15 44
sonstige betriebliche Erträge 25 38 29 92
sonstiges Ergebnis 14 34 27 75

Der im Geschäftsbericht 2019 getätigte Ausblick aufs laufende Jahr kann angesichts der nahenden Übernahme durch Hauck & Aufhäuser als eine Art Vermächtnis gelten:  „Vor dem Hintergrund der Corona-Krise geht die Bankhaus Lampe Gruppe davon aus, dass die Ziele für den Provisionsüberschuss und das Handelsergebnis nicht mehr erreicht werden könne. Wie groß die Ergebniskorrekturen sein werden, lässt sich derzeit nicht abschätzen. Die Bankhaus Lampe geht davon aus, dass in 2020 kein positiver Konzernjahresüberschuss mehr erzielt werden kann“; heißt es in dem am 20. März verfassten Abschluss.

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