LBBW macht Kasse und verkauft 19%igen HSBC-Trinkaus-Anteil

26. Mai 2020

Von Christian Kirchner

Nach etlichen vergeblichen Anläufen verkauft die LBBW ihren 18,7%-Anteil an der Düsseldorfer Privatbank HSBC Trinkaus & Burkhardt nun doch an deren britischen Mutterkonzern HSBC. Dies wurde am Montagabend per Mitteilung bekannt. Die HSBC hält damit nun mehr als 99% an dem Traditionsinstitut. Über die Kaufsumme wurde nichts bekannt. Allerdings dürfte naheliegen, dass der Preis für die Anteile irgendwo im unteren bis mittleren dreistelligen Millionenbereich zu suchen ist. Im Umfeld der Transaktion wurde betont, dass der Deal nichts mit der Corona-Krise zu tun habe – die LBBW ihre Anteil also nicht etwa gerade jetzt verkauft habe, um mit einem zusätzlichen Cash-Polster in den allseits erwarteten wirtschaftlichen Abschwung zu gehen.

Die lange Vorgeschichte der Transaktion ist was für Banken-Historiker: 1980 stieg zunächst die (später von HSBC übernommene) britische Midland-Bank, 1991 dann die LBBW-Vorläuferin Landeskreditbank Baden-Württemberg bei Trinkaus & Burkhardt ein. Seit den frühen Nullerjahren liefen dann immer wieder mal Gespräche, den Anteilsbesitz neu zu ordnen. Mal wollte die LBBW auf eine Sperrminorität aufstocken, mal stand ein kompletter Rückzug von HSBC im Raum, dann wieder hieß es etwa kurz nach der Finanzkrise, der LBBW-Anteil stehe zur Disposition. Nach und nach verschwand die Bezeichnung „HSBC Trinkaus & Burkhardt“ aus der Kommunikation zugunsten von „HSBC Deutschland“. Und manch einer vergaß, dass die LBBW an dem Institut überhaupt noch beteiligt war.

Mit dem Verkauf der Anteile soll nun auch die Börsennotiz der HSBC Trinkaus & Burkhardt AG enden. HSBC plant einen „Squeeze Out“ der verbliebenen Aktionäre, die nur 0,7% der Anteile auf sich vereinen. Der Schlusskurs lag gestern bei 41,80 Euro, woraus sich ein Börsenwert von 1,42 Mrd. Euro errechnet. Daraus wiederum lässt sich ein rechnerischer Wert von rund 260 Mio. Euro für das LBBW-Paket ableiten. Der tatsächliche Kaufpreis kann indes auch darüber oder darunter gelegen haben, als grober Anhaltspunkt kann der Paketwert dennoch dienen. Beide Seiten vereinbarten Stillschweigen über den tatsächlichen Preis.

HSBC Trinkaus zahlte zwischen 2006 und 2018 Jahr für Jahr je 2,50 Euro Dividende je Aktie – auch während der Finanzkrise. Dieses Geld nahm man seitens der LBBW immer gerne mit – was ein Grund dafür sein mag, dass hinsichtlich eines Verkaufs keine Eile bestand. Auch für das abgelaufene Jahr 2019 schlug Trinkaus seinen Aktionären immerhin 2 Euro Dividende je Aktie vor – basierend auf einem Überschuss vor Steuern von rund 145  Mio. Euro nach 171 Mio. Euro im Vorjahr bei einer Bilanzsumme von 26,6 Mrd. Euro. Allerdings musste Trinkaus diesen Vorschlag wie alle anderen deutschen Banken auf Geheiß der Finanzaufsicht streichen, um sich für mögliche Ausfälle aufgrund der Corona-Pandemie zu rüsten.

Offen bleibt, welche Konsequenzen die angespannte Lage der künftig 100%igen Mutter HSBC für die Düsseldorfer Privatbank hat. Laut einem Bericht der „FT“ von heute (siehe hier, Paywall) erwägt die britische Großbank noch drastischere Kürzungen über die bekannten 35.000 Stellenstreichungen hinaus. Zudem sind weitere Einschnitte im Gespräch – darunter der Verkauf des US-Geschäfts. Alleine im laufenden Jahr rechne HSBC mit rund 11 Mrd. US-Dollar an faulen Krediten aufgrund von Pandemie und Rezession, so die „FT“.

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