Kurz gebloggt

League Tables: Hat die Deutsche Bank im Q3 wirklich soooo gut abgeschnitten?

Hat die Deutsche Bank über den Sommer im hiesigen Investmentbanking wirklich soooo gut abgeschnitten?

Okay, komische Frage. Denn eigentlich wäre es ja unser Job, Ihnen Antworten zu geben und keine Fragen zu stellen, liebe Leserinnen und Leser. Allerdings – im konkreten Fall sind wir etwas unsicher. Darum die Frageform …

Also, der Reihe nach und unter Vorbehalt: Der Datendienstleister Refinitiv hat gestern uns und anderen Medien die vorläufigen Neun-Monats-Zahlen zum deutschen Investmentbanking geschickt. Der allgemeine mediale Tenor ist nun heute Früh, die Deutsche Bank habe hervorragend abgeschnitten – eine Lesart, die wir, ehrlich gesagt, nur bedingt nachvollziehen können. Denn: Im Vergleich zum Vorjahr lesen sich die Zahlen zwar sehr ordentlich. Gemessen am ersten Halbjahr aber nicht wirklich.

Was nun indes noch hinzukommt: Die 6M-Zahlen (die wir als Vergleichsmaßstab heranziehen wollten) liegen uns nicht im Original vor. Insofern ohne Gewähr:

  1. Für uns liest es sich so, als hätte die Deutsche Bank im hiesigen M&A-Geschäft über den Sommer nur überschaubar von 38 Mrd. auf 44 Mrd. Euro aufgestockt. Das würde auch erklären, warum sie in der Refinitiv-Rangliste von Platz 4 auf Platz 6 abgerutscht zu sein scheint
  2. Wir glauben zu erkennen, dass die Deutsche Bank im ECM-Geschäft bis zur Datenerhebung von Refinitiv (noch ist das Q3 ja nicht vorbei, die Lufthansa-Kapitalerhöhung beispielsweise scheint noch unberücksichtigt…) keine einzige Transaktion begleitet hat und darum unverändert bei 1,8 Mrd. Euro Volumen und zehn Deals steht. Nun hat zwar die Konkurrenz (der Sommer ist nun mal der Sommer) auch nicht so wahnsinnig viel Geschäft gemacht – ein bisschen aber schon. Folge, immer vorausgesetzt, wir lesen die Zahlen richtig: Die Deutsche Bank ist im Ranking von Platz drei auf Platz vier zurückgefallen, der Abstand zur Spitze (=Goldman Sachs) hat sich merklich vergrößert
  3. Immerhin im Anleihenmarkt scheint die Deutsche Bank im Sommer ein bisschen Geschäft gemacht zu haben. Bei 29 Mrd. Euro ist sie da inzwischen angekommen, 6 Mrd. Euro mehr als ausweislich der (übrigens ebenfalls vorläufigen) 6M-Zahlen gemäß Sekundärquelle. Spitzenposition zwar nicht ausgebaut, aber wenigstens verteidigt.
To top