Analyse

Liegt die Dt. Bank tatsächlich „über Plan“? Der große Faktencheck

5. Oktober 2021

Von Christian Kirchner

Es ist ein Mantra. Das Mantra der Deutschen Bank. Das Mantra des Vorstandschefs Christian Sewing. Es lautet: Wir sind im Plan. Und wo wir nicht im Plan sind, da sind wir sogar drüber. Seit Monaten schon geht das so. In jedem Interview. In jeder Rede. Bei jedem öffentlichen Auftritt, gelegentlich assistiert von Vorstandskollegen.

„Trotz einer Pandemie, die uns alle unerwartet getroffen hat, haben wir alle unsere strategischen Ziele erreicht.“

(Sewing auf der Hauptversammlung am 27. Mai 2021)

„All four core businesses contributed and are either in line or ahead of their plans so far.“

(Sewing bei der Präsentation der Q2-Zahlen am 28. Juli 2021)

„So the summary is all businesses are executing on their strategies, as I say, running ahead of or in line with our planning.“

(CFO James von Moltke bei einer Veranstaltung am 23. September 2021)

„Die drei Bereiche, die wir als stabilere Geschäftsfelder bezeichnen, Privatkunden, Unternehmen und Vermögensverwaltung, haben sich wie geplant entwickelt, teilweise sogar deutlich besser.“

(Sewing im „Handelsblatt“-Interview am 8. September 2021)

„So that means the three stable business [Privatkunden, Unternehmen und Vermögensverwaltung, d. Red.] are either in line with plan next year, or even tracking above.“

(Sewing auf der Investorenkonferenz von J.P. Morgan am 24. September 2021)

Im Plan. Über Plan. In line. Above. Ahead. Seit die Deutsche Bank im Juli 2019 ihre neue Strategie vorgestellt hat, werden diese Formeln geradezu stoisch wiederholt. Als hätte es Methode.

Wobei: Es hat natürlich Methode, den  Kunden, Mitarbeitern, Analysten, Investoren und sonstigen Interessierten wieder und wieder die gleichen Botschaften einzumassieren. Wogegen per se natürlich auch nichts einzuwenden wäre, denn es ist Teil des Spiels, Optimismus und Tatkraft auszustrahlen. Wenn die Botschaften stimmen. Aber tun sie das? Oder anders gefragt:

  • Warum hängt die Deutsche Bank, wenn sie ihre Ziele beständig (über)erfüllt, dem europaweiten Banken-Branchenindex auf 12-Monats-Sicht dann um 33% hinterher?
  • Warum empfehlen nur zwei von 21 Analysten die Aktie zum Kauf?
  • Warum glaubt nicht ein einziger Analyst, dass die Bank ihr zentrales Renditeziel von 8% aufs Eigenkapital auch wirklich wird erreichen können?

Kann es sein, dass die Deutsche Bank wesentliche Ziele dann eben doch zu verfehlen droht? Auch wenn in den Doppeltürmen betont wird, das 1.) mit dem Begriff „Plan“ bisweilen auch interne Pläne gemeint seien, 2.) diverse Ziele aus dem Juli 2019 im Zuge von Updates bereits angepasst worden seien und 3.) in nur wenigen Fällen auch konkrete Zwischenziele genannt worden seien (während sonst das Zieljahr 2022 gilt). Man bemüht dazu gerne das Bild, dass entscheidend sei, dass ein Zug pünktlich einrolle und die Friktionen und Streckenänderungen unterwegs dann doch nicht von Bedeutung seien.

Wir haben uns jedenfalls einfach mal 19 Ziele aus der großen Strategiepräsentation vom 8. Juli 2019 bzw. aus der begleitenden Rede Christian Sewings herausdestilliert und einem Faktencheck unterzogen. (Der guten Ordnung halber: es ließen sich noch deutlich mehr Ziele ausmachen; wir haben aber ergebnisoffen diese 19 als relevant aus den damaligen Reden und Dokumenten ausgemacht).

Voilà:

(Für die eiligen Leser vorweg schon mal eine tabellarische Zusammenfassung, in der wir die fünf von der Bank so definierten finanziellen Primär/Fundamentalziele 2022 fettgedruckt haben; die 14 übrigens seien „keine Primärziele“ oder inzwischen gar gestrichen worden, betont das Institut …)

Was? Ziel (idR bis 2022) Ziel erreicht? Urteil
Kernkapital-Quote > 12,5% jederzeit, ab 2020 steigend Ja +
Zahl der Mitarbeiter Senkung auf 74.000 Offen, aber fraglich (Stand: 84.000)
Eigenkapital-Rendite 8% in 2022 Offen, aber fraglich (Analystenkons.: 5,2%)
Leverage Ratio 5,00% Gesenkt auf 4,5%
Absolute Kosten <17 Mrd. Euro Gestrichen
Relative Kosten Cost-Income-Ratio < 70% Offen, aber fraglich (Analystenkons. ’22: 75%) 0
Gehalts-Kosten Minus 2,6 Mrd. Euro vs. 2018 Offen, aber fraglich (Stand: -0,6 Mrd. Euro)
Erträge 24,8 Mrd. Euro gesenkt (12/20), dann erhöht auf 25 Mrd. (09/21) (+)
Ertrags-Quellen Investment Bank ≤30% Verfehlt (2020: 48%; Analysten-Konsens 2022: 38%)
Gewinn-Quellen „Balanced and Stable Bank“ Verfehlt, Konsens 2021: 81% aus d. Investment Bank
Gewinnziel Corporate Bank 2 Mrd. Euro Mehr als fraglich. Konsens 2022: 1,1 Mrd. Euro
Gewinnziel Investment Bank 2 Mrd. Euro Übertroffen. Konsens 2022: 3,0 Mrd. Euro +
Gewinnziel Private Bank 2 Mrd. Euro Fraglich. Konsens 2022: 1,4 Mrd. Euro
Gewinnziel Asset Managem. 700 Mio. Euro Realistisch. Konsens 2022: 788 Mio. Euro +
Bad Bank RWA <35 Mrd Euro; Leverage Exposure: <9 Mrd. Euro RWA erfüllt, Ziel Leverage Exposure gestrichen
Eigenkapital-Rendite; einzelne Sparten PB: >12%; CB: >15%: IB >6%; AM: >20% Unwahrscheinlich in Priv. Bank und Corp. Bank
Funding-Ziele LCR 130%, NSFR 120% Erfüllt +
NPLs: Unter historischem Durchschnitt < 30 BP/Kreditvolumen langfristig Erfüllt, 2021: < 15 BP +
Kapital-Rückzahlung 5 Mrd. Euro ab 2022 Fraglich, aber von Bank bestätigt (+)

Und hier jetzt die 19 Ziele im Detail …

1.) Kernkapital-Quote: 13% Ende 2019, >12,5% jederzeit, ab 2020 steigend

  • Ziel: „Our plans are conservative and we will manage our existing resources to keep our CET1 ratio at at least 12.5% at all times. At the end of 2019, we expect our CET1 ratio to be around 13% (…) We expect our CET1 capital ratio to trough in 2020 (…) From 2020 onwards, we expect to increase capital as net income generation should more than offset investment growth and the impact of regulatory headwinds.“ (Quelle ist die hier herunterladbare Sewing-Rede aus dem Juli 2019. Wenn im weiteren Verlauf Zitate in kursiver Schrift gehalten sind, dann stammen die Zitate immer aus dieser Rede)
  • Erreicht? Erfüllt. Im Tief lag die Kernkapitalquote (CET1) Anfang 2020 bei 12,8%, danach stieg sie an und betrug zuletzt 13,2%.

2.) Mitarbeiterzahl: Absenken auf 74.000 bis 2022

  • Ziel: „Reduce workforce to approximately 74,000 by 2022“ (Quelle ist die hier herunterladbare Strategiepräsentation. Wenn im weiteren Verlauf Seitenzahlen genannt werden, dann beziehen sich diese immer auf die Präsentation; hier ist es die Seite 12)
  • Erreicht? Bei Verkündung der Strategie hatte die Deutsche Bank rund 92.000 Vollzeit-Äquivalente, das Reduktionsziel war mithin rund 18.000 Stellen. Zum Ende des 2. Quartals 2021 lag die Zahl der Beschäftigten bei 83.797. Im letzten Drittel der Transformation angekommen, hat die Bank also noch nicht einmal die Hälfte der geplanten Stellenreduktion erreicht. Das begründete in Bank in der Vergangenheit mit Internalisierungen von Jobs sowie der Rolle von Corona.

3.) Eigenkapital-Rendite: 8% (2022)

  • Ziel: „In 2022, we believe further positive contribution from the core bank will more than offset the drag from the capital release unit, leading to a group ROTE of 8%.“
  • Erreicht? Wird sich zeigen. Die aber nicht gerade für Pessimismus bekannten Analysten trauen der Bank hier für 2022 im Durchschnitt 5,2% zu, der größte Optimist erwartet 6,2%. Ob die Deutsche Bank das wesentliche der 2019 kommunizierte Ziele erreicht, muss zumindest als fraglich gelten.

4.) Leverage Ratio: 4,5% (2020); 5,0% (2022)  

  • Ziel: „Material improvement in leverage ratio planned“ (S. 30)
  • Erreicht? 4,7% im Gesamtjahr 2020, womit das Zwischenziel erfüllt wurde, obwohl die Bank es im Frühjahr 2020 schon einmal in Frage gestellt hatte. Das 5%-Ziel hat die Deutsche Bank dann allerdings im vergangenen Herbst auf 4,5% gesenkt, unter anderem, weil der Verschuldungsgrad in der internen Bad Bank offenbar nicht wie geplant gesenkt werden kann. Dem passen sich auch die Analysten an, deren Konsens nunmehr geschätzt bei 4,5% für 2021 und bei 4,6% für 2022 liegt.

5.) Absolute Kosten: <17 Mrd. Euro (2022)

  • Ziel: „Reduce adjusted costs to € 17bn in 2022“ (S. 12)
  • Erreicht? Die Deutsche Bank hat ihr absolutes Kostenziel Ende Juli dieses Jahres gekippt zugunsten des nur noch relativen Kostenziels von 70% Cost-Income-Ratio. Ob es 2021 erneut – wie 2019 und 2020 – geklappt hätte, die Etappenziele zu erreichen, ist fraglich. Die Bank hatte für 2021 eigentlich bereinigte Kosten von 18,5 Mrd. Euro angekündigt; der Analystenkonsens liegt bei 19,1 Mrd. Euro, und für 2022 stehen ihre Schätzungen nunmehr bei 17,7 Mrd. Euro. Das ist aber hypothetisch – es gibt das Ziel nicht länger, nach Worten ihres CFOs Moltke aber sehr wohl noch die Kostendisziplin.

6.) Relative Kosten: 70% Cost-Income-Ratio (2022)

  • Ziel: „Target a Cost Income Ratio of 70% in 2022“ (S. 22)
  • Erreicht? Die Konsens-Schätzung für 2021 steht aktuell bei 83%, die für 2022 bei 75%.

7.) Gehaltskosten: Bis 2022 um 2,6 Mrd. Euro runter (vs. 2018)

  • Ziel: „Cost Savings Compensations 2,6 Mrd. vs. pro forma 2018“  (Grafik S. 25) und somit Löwenanteil der Einsparungen
  • Erreicht? Die Gesamtaufwendungen für Compensation & Benefits lagen 2018 (pro forma) bei 11,1 Mrd. Euro, 2020 dann bei 10,5 Mrd. Euro, die bisherige Reduktion betrug somit 0,6 Mrd. Euro. Da fehlt noch einiges.

8.) Erträge: 24,8 Mrd. Euro in der Kernbank (2022)

  • Ziel: „Our core bank generated revenues of €22.8 billion in 2018, and we expect to grow from this level about around €2 billion over the next four years or a little less than 10% in aggregate.“
  • Erreicht? Die Deutsche Bank hat ihre Ertragsziele bereits mehrfach nach unten geschraubt. Im Dezember 2020 stand die Prognose gesenkt bei 24,4 Mrd. Euro für 2022, Ende September dieses Jahres wurde sie aber auf 25 Mrd. erhöht, der Analystenkonsens liegt bei 24,0 Mrd. Euro, aber hier bekommt die Bank den „Benefit of doubt“.

9.) Ertrags-Mix: Stabiler und planbarer

  • Ziel: „Refocus: More stable and predictable revenues“ (S. 14);  „In our new setup, we expect the investment bank to contribute 30% to the core revenues.“
  • Erreicht? Im Gesamtjahr 2020 trug das Investmentbanking 48% zum Umsatz der Kernbank bei, im ersten Halbjahr 41%, im laufenden Jahr werden es laut Analystenkonsens 38% sein.

10.) Gewinn-Mix: Ausgeglichener und stabiler

  • Ziel: „Significant adjustments in our business model towards a much more balanced and stable bank“, div. andere Quotes
  • Erreicht? 2020 kamen 99% des Gewinns vor Steuern in der Kernbank aus dem Investmentbanking, im ersten Halbjahr waren es 74%, im Gesamtjahr 2021 werden es laut Analystenkonsens 81% (der gruppenweiten Gewinne) sein.

11.) Corporate Bank: 2 Mrd. Euro Gewinn (2022)

  • Ziel: „Our corporate bank, as I said, will be at the centre of Deutsche Bank (…) We intend to deliver cost decreases of around 2% annually also in that business (…) By executing our strategy, we aim to grow the corporate bank to roughly a €6 billion business, with €2 billion in pre-tax earnings by 2022. That’s absolutely achievable (…)  If you were to put a conservative valuation on this, the corporate bank alone would be worth more than the entire bank today.“
  • Erreicht? Die Prognose für das Umsatzwachstum der Corporate Bank wurde Ende 2020 von durchschnittlich 3% auf 1% p.a. gesenkt. Tatsächlich sind die Erträge der Sparte aber bislang sogar um 4% gesunken. Die bereinigten Kosten sind seit 2018 nicht um 2% pro Jahr gesunken, wie geplant, sondern lediglich um 0,7%. Die Einheit, die insgesamt 2 Mrd. Euro Gewinn vor Steuern beisteuern soll, dürfte 2021 nur 0,9 Mrd. und 2022 nur 1,1 Mrd. Euro Gewinn vor Steuern beitragen, so die aktuelle Konsensschätzung der Analysten. Allerdings heißt es im Umfeld der Bank, die absoluten Gewinnziele habe man zugunsten konkreter Renditeziele (siehe weiter unten) angepasst.

12.) Private Bank: 2 Mrd. Euro Gewinn (2022)

  • Ziel: By 2022, we are aiming for our private bank to have close to ten billion in revenues, delivering well in excess of €2 billion in pre-tax profit.“
  • Erreicht? Die Konsensprognose für den Umsatz der Private Bank im kommenden Jahr liegt nun bei 8,3 Mrd. Euro, die des Gewinns bei 1,4 Mrd. Euro.

13.) Investment Bank: „Shrink in size“; 2 Mrd. Euro Gewinn (2022)

  • Ziel:„Our investment bank will shrink in size, but gain in competitiveness and resilience. (…) The days of spectacular ambition in this division are behind us (…) By 2022, our target is to have an investment bank with revenues of around €7.5 billion, and a pre-tax result of close to €2 billion. Going forward, we expect to deliver cost decreases of 4% annually.“
  • Erreicht? Die tatsächliche Umsatz- und Gewinnentwicklung läuft der Prognose extrem voraus, schon in diesem Jahr dürfte die Sparte laut Analysten 3,5 Mrd. Euro verdienen und 2022 immer noch 3,0 Mrd. Euro; die Umsätze dürften 2022 bei 9,2 Mrd. statt wie einst angekündigt 7,5 Mrd. Euro liegen. Die Sparte hat bislang auch ihre Kostenziele erreicht – insgesamt betrug der Rückgang der bereinigten Kosten von 2018 (pro forma) bis 2020 schon 9%.

14.) Asset Management: 700 Mio. Euro (2022)

  • Ziel: „By 2022, we expect asset management to be a business with around 2.5 billion in revenues, with a pre-tax result of more than €700 million.“
  • Erreicht? Die Sparte ist auf bestem Wege, das Ziel zu erreichen – die Sparte verdiente 2020 vor Steuern bereits 544 Mio. Euro, für 2021 (746 Mio. Euro) und 2022 (788 Mio. Euro) liegt der Analystenkonsens über dem Ziel für 2022; auch das Umsatzziel dürfte erreicht werden.

15.) Bad Bank: Runterfahren, Verluste begrenzen

  • Ziel: Laut Strategiepräsentation (S. 28) setzte sich die Deutsche Bank hier für 2022 folgende Ziele: 1 Mrd. Euro Verlust/Kosten; 35 Mrd. Euro risikogewichtete Aktiva; 9 Mrd. Euro Leverage Exposure
  • Erreicht? Bei den risikogewichteten Aktiva ist die interne Bad Bank auf Kurs, auch mit den Zwischenzielen für die Jahre 2020 und 2021 (Konsens 2022: 29 Mrd. vs. 35 angekündigt). Die Ziele für das Leverage Exposure (Verschuldung) wurden 2020 gekippt für die Bad Bank, es lag zuletzt bei 71 Mrd. Euro (verglichen mit 10 Mrd. Euro, die es bis Jahresende sein sollten) und dürfte laut Analystenkonsens auch 2022 noch bei 37 Mrd. Euro liegen. Die Bad Bank dürfte in diesem Jahr nochmal 1,6 Mrd. Euro Verlust machen, die Analysten glauben aber, dass sie das Ziel für 2022 (1 Mrd. Verlust) erreichen wird.

16.) Renditeziele der Sparten: Zwischen >6% und >20%

  • Ziel: siehe Strategiepräsentation (S. 34)
  • Erreicht?
Renditeziel 2022 (Soll) * Ist 2020 Ist H1/21
Private Bank >12% -1,5% 2,6%
Corporate Bank >15% 3,3% 2,3%
Investment Bank >6% 9,7% 10,1%
Asset Management >20% 21,4% 30,0%

* im Juli 2019, später angepasst auf den „Deep Dives“ 2019 und 2020

Schätzungen für die Nachsteuerrenditen der Sparten für 2022 gibt es nicht, allerdings lässt sich aus dem Vergleich der Schätzungen des operativen Gewinns für die jeweiligen Sparten mit der Strategie-Prognose …

in Mrd. Euro Gewinnziel 2022 Konsensschätzung
Private Bank 2,0 1,4
Corporate Bank 2,0 1,1
Investment Bank 2,0 3,0
Asset Management 0,7 0,8

… ableiten, dass die Ziele für die Corporate Bank und Private Bank illusorisch sind, die Investment Bank sie vermutlich drastisch übertreffen wird und die Asset Management-Sparte leicht darüber liegen dürfte. Nochmals der guten Ordnung halber: Die absoluten Gewinnziele hat die Bank nie wiederholt zugunsten der RoTE-Betrachtungen der Sparte.


17.) Langfristige Funding-Ziele: LCR rd. 130%; NSFR rd. 120%

  • Ziel: siehe Strategiepräsentation (S. 32)
  • Erreicht? Die Liquidity coverage ratio (LCR) zum 30. Juni 2021 betrug 143 % oder 67 Mrd. € über der regulatorischen Mindestanforderung, die Net stable funding ratio (NSFR) lag bei 121% oder 104 Mrd. € über der regulatorischen Mindestanforderung – beide Ziele wurden somit vorzeitig voll erfüllt.

18.) NPLs: Unterm historischen Durchschnitt

  • Ziel: „Credit Loss Provisions increase but remain well below historic average […] 2020 and beyond: 30 BP of loans“ (S. 45)
  • Erreicht? Die Prognose für 2021 lautet aktuell < 15 Basispunkte, ohne Einschlag einer Rezession ist die Bank auf gutem Weg, das Ziel deutlich überzuerfüllen

19.) Kapital-Rückflüsse: 5 Mrd. Euro ab 2022

  • Ziel: 5 Mrd. Euro für Rückkäufe und Dividenden ab 2022 (S. 17)
  • Erreicht? Wie viel Kapital die Deutsche Bank für Ausschüttungen ab 2022 zu Verfügung hat, ist naturgemäß noch offen. Im ersten Halbjahr 2021 hat sie bereits 575 Mio. Euro für Dividenden vom Gewinn zurückgestellt. Zieht man den (wie oben erwähnt: im Kern optimistischen) Analystenkonsens heran, bleiben 2022 insgesamt 2,6 Mrd. Euro an Überschuss übrig. Analysten gehen aber aktuell davon aus, dass 2022 lediglich 0,7 Mrd. Euro tatsächlich als Dividenden ausgeschüttet werden. Dass die Deutsche Bank (etwa die durch Gründung der internen „Bad Bank“) massiv ausschüttungsfähiges Kapital gebildet hätte, das sie auch mit dem Segen der Aufseher für Dividenden und Aktienrückkäufe verwenden kann, ist dem Analystenkonsens nicht zu entnehmen – zumal die Kernkapitalquote 2022 nur 0,7 Prozentpunkte unter dem ausgegebenen Minimalziel von 12,5% landen dürfte. Vor gut einer Woche erklärte Christian Sewing auf der JP-Morgan-Konferenz, wie genau man gedenke, die 5 Mrd. Euro an die Aktionäre zurückzuzahlen, sei noch Gegenstand von Diskussionen und müsste mit den Stakeholdern geklärt werden. Er bestätigte aber die feste Absicht, die fünf Milliarden zurück zu zahlen. Insgesamt ein Streitfall.

Fazit:

Von den 19 identifizierbaren Zielen, die die Deutsche Bank im Sommer 2019 ausgegeben hat, hat sie bis heute sechs erfüllt bzw. übererfüllt oder ist auf gutem Wege, sie bis 2022 zu erreichen. Es handelt sich um

  • die Kapitalquote
  • die Erträge
  • die Gewinnbeiträge des Asset Managements und der Investmentbank (wobei das Ziel, sich unabhängiger vom Investmentbanking zu machen, komplett gescheitert ist)
  • die Non-Performing-Loans sowie
  • die Funding-Ziele.

Neun Ziele wurden dagegen entweder bereits gestrichen oder gesenkt – oder die Bank ist (so sehen wir das jedenfalls) auf dem Wege, sie zu verfehlen. Und bei den vier übrigen? Ist das Bild noch unklar.

Konzentriert man sich allein auf die von der Bank so definierten finanziellen Primärziele – also Kosten, Cost-Income-Ratio, Kapitalquote, Eigenkapital-Rendite und Leverage Ratio –, dann sieht es so aus:

  • Ein ganz zentrales wurde gestrichen, und zwar das der absoluten Kosten
  • das Ziel der Leverage Ratio wurde abgeschwächt
  • … und bei zwei weiteren ist das Erreichen des Ziel aus unserer Sicht (und aus der Sicht praktisch aller Analysten) zumindest fraglich, nämlich bei der Cost-Income-Ratio und der Eigenkapital-Rendite.

Belehrt die Bank die Skeptiker (uns eingeschlossen) eines Besseren? Es ist ihr unbenommen. Und es wäre ein Grund zur Freude.

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