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Mailand stößt weitere Umbauten bei der Hypo-Vereinsbank an

Umgebaut wird bei der Hypo-Vereinsbank ja eigentlich immer. Wobei man sich nicht nur als externer Beobachter, sondern selbst als Mitarbeiter – hören wir zumindest von Mitarbeitern – manchmal fragt: Welche Maßnahmen sind eigentlich noch Teil eines großen Programms („Team23“, „Unicredit Unlocked I“, „Unicredit Unlocked II“). Welche sind neu? Und was wird wohl als nächstes kommen?

Jedenfalls: Dass bei der Hypo-Vereinsbank weiterhin einiges in Bewegung ist, das deutete sich schon Ende September an, als etwas unvermittelt der Abgang des vor zwei Jahren erst zum Vorstand bestellten Christian Reusch verkündet wurde. Connaisseuren fiel hierbei auf, dass es beim Amtsantritt noch geheißen hatte, Reusch werde „das Investmentbanking in Deutschland“ verantworten – während jetzt konsequent vom Vorstand für „Client Solutions“ die Rede war.

Nun steht die eine Jobbezeichnung nicht zwingend im Widerspruch zur anderen. Denn: Dass man bei der HVB im Investmentbanking fast nur noch einen Produktlieferanten für die Corporate Bank sieht, so viel war ja bekannt. Gleichwohl: Dass das Wort „Investmentbanking“ nicht mal mehr in den Mund genommen wurde, das erstaunt dann doch. Und passt ganz gut zu jenen neuen Umbauten, über die wir heute berichten wollen.

Nach unseren Informationen legt die HVB-Mutter Unicredit nämlich derzeit recht großzügig Abteilungen im Investmentbanking zusammen – während sich hierzulande die Verlagerung weiterer Händler-Jobs nach Italien abzeichnet und sogar noch deutlich mehr Stellen auf der Kippe stehen könnten.

Ein Überblick:

1.) Das tut sich momentan auf Ebene der Unicredit

Wie aus einer Finanz-Szene vorliegenden Mail der HVB-Chefin Marion Höllinger an die Münchener Belegschaft hervorgeht, legt die Unicredit diverse Abteilungen rund um ihr Investmentbanking zusammen. Konkret:

  • Aus der Abteilung „Advisory & Capital Markets“ und der Abteilung „Specialised Lending“ wird die neue Einheit „Advisory & Financing Solutions“.
  • Die beiden Unterabteilungen „Transaction Banking“ und „Trade and Working Capital“ verschmelzen auf die Einheit „Group Trade and Correspondent Banking “ …
  • … Ebendiese Einheit war früher im Jahr entstanden, als die Unicredit die Abteilung „Transactions & Payments“ aufgespalten hatte. Die andere Einheit, die damals entstand, nennt sich „Group Payment Solutions“
  • Eine weitere Abteilung mit dem Namen „Client Risk Management“ bleibt von den Umbauten vorerst verschont.

Was diese Maßnahmen konkret für München bedeuten, bleibt diffus. In der Höllinger-Mail heißt es lediglich, man sei „ein Unternehmen, das sich im Umbruch befindet und stets nach Verbesserungen strebt“. Weitere Informationen würden „zu gegebener Zeit unter Berücksichtigung aller erforderlichen Genehmigungsverfahren“ folgen.

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2.) In München zittern die Aktienderivate-Händler

Schon vor zwei Jahren hatte „Bloomberg“ berichtet, dass die Unicredit die meisten der bis dahin in London ansässigen Händler zu einem Umzug nach Mailand bewegen wolle – kurz darauf wurde ruchbar, dass daneben auch Jobs von München gen Lombardei wandern sollen. Nach Informationen von Finanz-Szene steht aktuell nun eine weitere kleine Welle von Verlagerungen an. Dabei soll es konkret um ein etwa zehnköpfiges, momentan noch von München aus arbeitendes Team von Aktienderivate-Händlern gehen.

Wie aus Finanzkreisen verlautet, geht es der Unicredit momentan ganz grundsätzlich darum, das Handelsgeschäft deutlicher stärker als bislang in der Mailänder Zentrale zu konzentrieren. Von „Trading Engines Centralization“ und „Trading Simplification“ ist die Rede. Eine finale Entscheidung, wie weit es die Unicredit mit der Zentralisierung treiben will, könnte in den nächsten Wochen fallen.

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3.) Die HVB stellt auf „Murex only“ um – war da nicht was?

Auch mit Blick auf die IT schwebt der Unicredit eine deutlich einfachere Struktur im Handelsgeschäft der deutschen Tochter vor. Wie Finanz-Szene erfahren hat, soll im Front-Office nur mehr ein System des Anbieters Murex zum Einsatz kommen – und nicht mehr diverse Lösungen wie bislang noch. Bis die heutigen Systeme sämtlich abgeklemmt werden können, dürften allerdings noch mindestens 1-2 Jahre ins Land gehen, ist zu hören.

Das Manöver könnte durchaus komplex werden. Als die Helaba im vergangenen Jahr ihr Handelssystem auf eine neue Murex-Version umstellen wollte, verweigerte die EZB kurz vor dem Start die Genehmigung. Begründung: Die Modellberechnungen für die Risikobewertung seien im neuen System zu weit von den Resultaten im alten System abgewichen.

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4.) Bleibt es bei den Händlern – oder fließt noch mehr Jobs aus München ab?

Laut Finanz-Szene-Informationen war bei einer HVB-Betriebsversammlung zuletzt die Rede davon, dass auch weitere hiesige Support-Funktionen nach Mailand verlagert werden könnten. Schätzungen laufen darauf hinaus, dass es nochmals um eine niedrige dreistellige Zahl von Stellen gehen könnte.

In Mailand und München will man zu diesen wie auch zu den übrigen Informationen keine Stellung nehmen.

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