Exklusiv

Meldung von neuem 7%-Aktionär bei Deutscher Bank ist falsch

13. Oktober 2020

Von Christian Kirchner und Heinz-Roger Dohms

Es war die wichtigste Banken-Meldung dieses Dienstags: „US-Investor Capital Group verdoppelt Anteil an Deutscher Bank“ – vermeldete um 11.39 Uhr eine große Nachrichtenagentur; „Die US-Fondsgesellschaft [Capital Group] hat ihre Anteile an der Deutschen Bank fast verdoppelt, auf insgesamt über sieben Prozent“ – berichtete ungefähr zur selben Zeit eine deutsche Wirtschaftszeitung; und auch die Deutschen Bank selber zeigte sich glücklich: „Wir begrüßen es, dass Capital Group seine gesamten Anteile an der Deutschen Bank aufgestockt hat“ – so wurde ein Sprecher des Instituts zitiert. Und: „Wir sehen das als einen klaren Vertrauensbeweis in unsere strategische Transformation.“ Am Nachmittag notierte die Deutsche-Bank-Aktie zeitweise 1% im Plus, während der Dax rund 1% im Minus lag.

Das Problem nur: Die Meldung von der angeblichen Verdopplung des Capital-Group-Anteils war falsch, wie ein Deutsche-Bank-Sprecher am späten Abend gegenüber Finanz-Szene.de bestätigte:

„Based on further information received from our shareholder – The Capital Group – we wish to clarify: while the Capital Group has increased its shareholding in Deutsche Bank AG, the investment has not crossed the five percent threshold overall. The Euro Pacific Growth Fund shareholding is attributed to the Capital Group shareholding. […] We are happy that Capital Group has increased their overall shareholding in DB. We see this as a clear vote of confidence in our strategic transformation and its implementation.”

Wir selber waren – ehrlich gesagt – auch nur deshalb misstrauisch geworden, weil uns aufgefallen war, dass z.B. in der „Financial Times“ den ganzen Tag kein Wort zu dem vermeintlichen Coup zu lesen war. Nicht mehr mit letzter Sicherheit zu klären war am Abend, wie es denn überhaupt zu dem kommunikativen Missverständnis hatte kommen können. Plausibel allerdings erscheint der folgende Ablauf:

  • Das Vertrackte ist, dass die Capital Group bereits seit Ende Januar bei der Deutschen Bank engagiert ist und die damalige Stimmrechtsmeldung auch als „Capital Group“ abgab (siehe hier). Laut letzter Meldung hielt sie insgesamt 3,7% der Deutsche-Bank-Aktien.
  • Unsere Vermutung geht dahin, dass der von der Capital Group verwaltete und 21 Mrd. Euro schwere „Euro Pacific Growth Fund“ seinen Anteil (ex Capital Group) jetzt auf über 3% der Deutsche-Bank-Aktien gehievt hat und deshalb womöglich meinte, das Ganze sei meldepflichtig – obwohl es möglicherweise gar nicht meldepflichtig war, weil lediglich die Anteile des „Euro Pacific Growth Fund“ und aller anderen Vehikel der Capital Group in Addition meldepflichtig sind, nicht aber einzelne Fonds.
  • Jedenfalls: Gestern früh erging die Stimmrechtsmeldung (siehe hier), der „Euro Pacific Growth Fund“ (und eben nicht die Capital Group) halte nun 3,6%.
  • Die Stellungnahme der Deutschen Bank von gestern Abend deuten wir nun so, dass die Capital Group und der „Euro Pacific Growth Fund“ zwar tatsächlich aufgestockt haben, aber zusammen trotz des gestrigen Aktienerwerbes der „Euro Pacific Growth Fund“ nicht bei über 5% angekommen sind – also die nächste meldepflichtige Hürde gar nicht genommen wurde.
  • Irgendwo (möglicherweise sogar auch bei der Deutschen Bank selber) scheint es gestern Vormittag somit zu dem Missverständnis gekommen sein, dass, wenn der „Euro Pacific Growth Fund“ jetzt bei 3,6% liege, man die bereits gehaltenen 3,7% der Capital Group hinzuaddieren müsse – womit es zusammen dann vermeintlich über 7% gewesen wären.

Wie gesagt: So deuten wir die Dinge. Zu 100% wissen tun wir’s nicht. Sollte die Deutung falsch sein, werden wir Sie am Donnerstagmorgen informieren. Wenn Sie in der Sache nichts mehr von uns hören sollten, dann können Sie davon ausgehen, dass sich die Dinge auch so zugetragen haben, wie soeben gemutmaßt.

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