Milliarden-Fusion: In NRW entsteht die größte deutsche Kirchenbank

23. September 2021

Von Christian Kirchner

Nächste Großfusion im genossenschaftlichen Bankensektor: Die „DKM Darlehenskasse Münster“ und die „Bank für Kirche und Caritas“ in Paderborn wollen sich 2022 zusammenschließen – und damit zur größten deutschen Kirchenbank werden. Die „DKM Darlehenskasse Münster“ kommt momentan auf eine Bilanzsumme von 4,8 Mrd. Euro (Rang 36 in der Liste der Genobanken), bei der „Bank für Kirche und Caritas“ sind es sogar 5,8 Mrd. Euro (Rang 25). Zusammen brächten die katholischen Institute also eine Bilanzsumme von 10,6 Mrd. Euro auf die Waage und würden die bislang größte Kirchenbank hierzulande, nämlich die Evangelische Bank aus Kassel (8,4 Mrd. Euro) überholen. Unter sämtlichen Genobanken wäre das Fusionsinstitut übrigens gemessen an der Bilanzsumme die Nummer acht.

Dass die beiden Institute trotz ihrer beachtlichen Größe kaum bekannt sind, ist ihrem beschränkten Kundenkreis geschuldet: Beide agieren lediglich als Banken für Kirchengemeinden, kirchlich-karitative Einrichtungen sowie für deren hauptamtliche Mitarbeiter – das allerdings operativ durchaus erfolgreich, wie ein grober Blick auf die wesentlichen Eckdaten zeigt:

in Tsd. Euro Bank für Kirche und Caritas DKM Darlehenskasse Münster
Zinsüberschuss 65.620 60.016
Provisions-Überschuss 5.955 6.044
Sonstige betriebliche Erträge 1.312
Personalaufwand 10.705 11.567
Andere Verwaltungs-Aufwendungen 10.607 9.740
Sonstige Aufwendungen 1.172
Bewertungs-Korrekturen -11.060 -6.619
Überschuss der normalen Geschäftstätigkeit 39.343 36.155
Steueraufwand 12.780 14.739
Zuführungen Fonds für allg. Bankrisiken 24.000 15.000
Bilanzgewinn 2.563 6.416

Quelle: Geschäftsberichte

Letzte Hürde auf dem Weg zur größten Kirchenbank: die Mitglieder

Beide Institute sind voll dividendenfähig, für 2020 wurde eine Ausschüttung von je 10% auf die Geschäftsguthaben beschlossen. Weitere Parallelen:

  • Beide Häuser arbeiten gemessen an ihren Bilanzsummen mit extrem niedrigem Personaleinsatz, die „Bank für Kirche und Caritas“ hatte per Ende 2020 (mit einer Filiale ) lediglich 148 Mitarbeiter, die „DKM Darlehenskasse Münster“ (bei nur einer physischen Geschäftsstelle) 130 Mitarbeiter. Üblich sind bei Genobanken dieser Größenordnung  rund drei- bis viermal so viele Mitarbeiter.
  • Das Provisionsgeschäft spielt mit einem Anteil von unter 10% am Rohertrag keine wesentliche Rolle
  • Beide Banken haben einen massiven Einlagenüberhang: Die „DKM Darlehenskasse Münster“ verfügt über rund 3,6 Mrd. Euro, hat aber nur 1,6 Mrd. Euro an Kundenkrediten ausgereicht; bei der „Bank für Kirche und Caritas“ stehen gar 4,8 Mrd. Euro an Einlagen 1,7 Mrd. Euro an Krediten gegenüber.
  • Beide Häuser begegnen dem Einlagenüberhang samt wachsender Einlagen mit simplem Kreditersatzgeschäft, investieren das Geld also in Wertpapiere. Die „Bank für Kirche und Caritas“ hält gut 3,4 Mrd. in Eigenanlagen wie Anleihen, Fonds und Genussscheine, die DKM Darlehenskasse 2,9 Mrd. Euro. Das Geschäft ist naheliegenderweise stark von der Zins- und Kapitalmarktentwicklung abhängig, lief also zuletzt sehr gut – aber wie lange noch?

Was genau sich die Banken von der Fusion versprechen, blieb in der Mitteilung eher nebulös, die DKM sprach davon, „unser bisheriges Bankgeschäft noch einfacher und effizienter gestalten“ und Kunden „neue Geschäftsfelder und Dienstleistungen anzubieten“. Die endgültige Entscheidung über die Fusion sollen die Mitgliederversammlungen im kommenden Jahr treffen.

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