Minus 16%! Zinsschock zehrt am Q1-Ergebnis der Hypo-Vereinsbank

7. Mai 2021

Von Christian Kirchner

Der Hypo-Vereinsbank erodiert das Zinsgeschäft. Im ersten Quartal verzeichneten die Münchner in ihrem Privat- und Firmenkundengeschäft einen Rückgang des Zinsüberschusses um 16% (!) auf nur mehr 352 Mio. Euro. Dennoch konnte die HVB nach der „schwarzen Null“ im 2020er-Auftaktquartal diesmal einen bescheidenden Gewinn von 107 Mio. Euro vor Steuern bzw. 68 Mio. nach Steuern ausweisen. Ein Grund: Das Institut bildete anders als vor einem Jahr diesmal keine zusätzliche Risikovorsorge – bzw. entnahm der Vorsorge sogar 10 Mio. Euro, wie aus dem Q1-Bericht der italienischen Mutter Unicredit hervorgeht (Disclaimer: Alle hier genannten Zahlen beziehen sich auf die „Commercial Banking Germany“ genannten Unicredit-Einheit. Diese ist nicht deckungsgleich mit „der Hypo-Vereinsbank“, umfasst aber das hiesige Privat- und Firmenkundengeschäft).

Eine denkbare Erklärung für die Entwicklung beim Zinsgeschäft: Zwar klettern die Kundeneinlagen – nicht aber das Kreditvolumen und die risikogewichteten Aktiva insgesamt. Gegenüber dem Vorjahresquartal stiegen die Depositen im hiesigen Privat- und Firmenkundenbereich nochmals um 10,7 Mrd. Euro auf nunmehr 102,2 Mrd. Euro. Das ausstehende Kreditvolumen blieb derweil mit 88,7 Mrd. Euro (Vorjahr: 88,4 Mrd. Euro) nahezu unverändert, die risikogewichteten Aktiva sanken sogar von 36,9 auf 35,3 Mrd. Euro.

Auffällig am Zahlenwerk ist auch der (seit längerem erste nennenswerte) Rückgang der Vollzeitstellen um 176 verglichen mit dem per 31. Dezember. Ende 2019 hatte der damalige Unicredit-Chef Jean Pierre Mustier sein neues Strategieprogramm „Team 23“ vorgestellt, dem konzernweit rund 8.000 Stellen und bei der HVB 1.300 Stellen zum Opfer fallen sollten. Den entsprechenden Aufwand hatte die HVB bereits Ende 2019 in die Bilanz gebucht – weshalb man eigentlich annehmen sollte, dass die Kosten mittlerweile sinken. Das allerdings taten sie von Januar bis März nicht. Das wurde gestern in der Präsentation zu den Quartalszahlen damit begründet, dass die Senkung der Personalkosten von höheren IT-Aufwendungen aufgezehrt worden sei.

in Mio. € Q1/2020 Q4/2020 Q1/2021 zum Vorjahresquartal
Erträge gesamt 622 602 602 – 3%
davon Zinsüberschuss 420 362 352 – 16%
davon Prov-Überschuss 196 166 205 + 5%
davon andere 6 55 46 + 667%
Kosten 424 415 425 0
davon Personal 242 241 239 – 1%
davon andere Kosten 177 173 182 + 3%
Operativer Gewinn 197 169 177 – 10%
Risikovorsorge -153 -84 10
Gewinn vor Steuern 8 94 107 1238
Nettogewinn 16 16 68 325
Cost-Income-Ratio 68% 71% 70% + 2 Ppte.
Vollzeitstellen 9.030 9.002 8.826 -2
EK-Rendite in % 1,2 1,1 6,5 +5,3 Ppte.

Gruppenweit lieferte das „Commercial Banking Germany“ gemessen an der Eigenkapitalrendite das schlechteste Spartenergebnis sämtlicher Unicredit-Sparten ab gemessen an der internen Eigenkapitalrendite. Diese lag bei bei 6,5%, hingegen im Commercial Banking in Italien bei 16,3%, in Österreich bei 14,5%, in Osteuropa (CEE) bei 11,3% und in der Investmentbanking-Sparte (die ebenfalls in München angesiedelt ist) bei 16,8%.

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