Analyse

Mittelmaß: Fünf Anmerkungen zum 2021er-Ergebnis der Helaba

3. März 2022

Von Christian Kirchner

Binnen gerade einmal zwei Tagen ließen sich am Finanzplatz Frankfurt die zwei Extreme von Kapitalmarktkommunikation beobachten: Die Commerzbank rückte am Dienstag auf ihrem “Capital Markets Day” mit der Prognose heraus, das Jahr 2024 laufe nun wahrscheinlich deutlich besser als erwartet, man rechne mit 300 Mio. Euro mehr beim operativen Gewinn. Die Helaba wiederum? Die sah sich am gestrigen Donnerstag im Zuge ihrer Bilanzvorlage für 2021 außerstande, eine konkrete Ergebnisprognose für dieses Jahr zu liefern. “Vor dem Hinter­grund des Ukraine-Krieges und der aktuell sehr hohen Un­sicher­heiten in Bezug auf mögliche Zweit- und Dritt­runden­effekte” sei die nicht drin, erklärte CEO Thomas Groß.

1.) Auf den ersten Blick sieht alles ganz gut aus

Die Helaba hat ihr Konzernergebnis von 223 Mio. Euro auf 569 Mio. Euro verzweieinhalbfacht und sowohl bei der Cost-Income-Ratio (66%, avisiert waren “unter 70%”) als auch bei der Eigenkapitalrendite (6,4% vor Steuern, avisiert waren 5-7%) den Zielkorridor erreicht. Stark entwickelte sich das Provisionsergebnis, dass um 11% auf 485 Mio. Euro anstieg (wobei hierfür, siehe unten, nicht das Firmenkundengeschäft verantwortlich war, sondern Töchter wie die Frankfurter Bankgesellschaft, die Helaba Invest und Frankfurter Sparkasse).


2.) Ohne Einmaleffekte sieht’s eher mäßig aus

Zunächst, simpel: Die Helaba hat ihr Ergebnis natürlich vor allem deshalb so eklatant verbessert, weil sich selbiges im Corona-Jahr 2020 eklatant verschlechtert hatte. Ein Rebound-Effekt.

Hinzu kommt nun aber noch Folgendes:

  • Im 2021er-Gewinn steckt zum einen ein TLTRO-Einmaleffekt in Höhe von 147 Mio. Euro (der quasi für den kompletten Anstieg des Zinsüberschusses von 13% verantwortlich ist)
  • Zudem führten Wertaufholungen (bei Finanzinstrumenten und Wertpapieren) zu einer Verbesserung des Fair-Value-Ergebnisses im Umfang von 179 Mio. Euro

Eingedenk der Tatsache, dass es sich bei den 6,4% EK-Rendite (wie gesagt) um einen Vorsteuerwert handelt, kann man sich vor diesem Hintergrund so ungefähr denken, wie wohl eine um Einmaleffekte bereinigte Eigenkapitalrendite nach Steuern ausgefallen wäre.


3.) Kann es sein, dass die Helaba ein Kostenproblem hat?

[Siehe zu diesem Abschnitt auch unsere nachträgliche Ergänzung weiter unten*]

Als der seinerzeitige Bafin-Präsident Hufeld 2019 klagte, die Kosten bei Deutschlands Banken seien “kein Jota” gesunken, kann er kaum die Helaba gemeint haben. Deren Kosten nämlich sind nur nicht gesunken – sondern: Sie steigen. 2021 im Vergleich zum Vorjahr um 3,1% – und auf Mehrjahres-Sicht sogar noch viel deutlicher.

Klar, es gibt Gründe für den Kostenanstieg. Regulatorik. IT-Investitionen. Wachstumsinitiativen. Umbauten. AfA (auch planmäßig) ... Allerdings zeigt die Grafik: Die Helaba kommt von einem Niveau irgendwo im Bereich von 1,2 Mrd. Euro (Geschäftsjahre 2014 bis 2016) und hat jetzt (2019 bis 2021) ein Niveau im Bereich von etwa 1,5 Mrd. Euro erreicht. Das ist ein Viertel mehr!

Es stellt sich allerdings die Frage: Kommt die Helaba von diesem Niveau nochmal runter? Und was, wenn nicht?


4.) Das Ergebnis kommt eher nicht aus dem Kerngeschäft

Was sind die wichtigsten Sparten der Helaba? Wir würden sagen: Erst kommt das Immobiliengeschäft. Und dann das Firmenkundengeschäft.

Gerade aus diesen beiden Bereichen kamen die operativen Verbesserungen aber gerade nicht. Sondern:

  • Das Ergebnis der Immobiliensparte sank um 11% auf 224 Mio. Euro – unter anderen, weil die Risikovorsorge von 4 Mio. auf 86 Mio. Euro schoss, was die Bank mit Veränderungen "im Bereich der Handelsimmobilien" erklärte. Das Neugeschäft ging bei kaum verändertem Bestand (36,5 Mrd. Euro) von 6,9 Mrd. auf 6,1 Mrd. Euro zurück.
  • Im Bereich "Corporates & Markets" (der das Firmenkundengeschäft beinhaltet) stieg das Ergebnis zwar auf den ersten Blick spektakulär von 5 Mio. auf 238 Mio. Euro – hierfür allerdings waren (siehe oben) in erster Linie TLTRO und Fair-Value-Effekte verantwortlich. Das Provisionsergebnis der Sparte stieg gerade mal um 3% auf 175 Mio. Euro
  • Die stärksten Indizien für operative Ertragsverbesserungen finden sich bei "Retail & Asset Management", wo der Provisionsüberschuss auf Zwei-Jahres-Sicht um 37% auf 273 Mio. Euro gestiegen ist. Die Präsentation hält hierzu freilich fest: "Beiträge zum Provisionsergebnis insbesondere von der Frankfurter Bankgesellschaft, der Helaba Invest, der Frankfurter Sparkasse sowie der LBS." Sprich: Der Zuwachs kommt aus den Töchtern

5.) Vielleicht sehen wir die Dinge ein wenig zu kritisch

Natürlich: Ein Gewinn ist ein Gewinn ist ein Gewinn. Und ein Ergebnis von 569 Mio. Euro ist für eine Landesbank im Jahr 2021 so schlecht ganz sicher nicht. Hinzu kommt: Die Helaba ist ein Konglomerat (Firmenkredite, Verbundgeschäft, Kapitalmarktgeschäft, Frankfurter Sparkasse, Asset Management, gewerbliche Immobilienfinanzierungen), das es in den zurückliegenden 10-12 Jahren geschafft hat, mit eher konservativem Geschäftsmodell sein Geld auch über ein bis zwei Zyklen hinweg zu verdienen.

Ganz so ostentativ zufrieden, wie sich Vorstandschef Thomas Groß gestern präsentierte, braucht er aber ganz nicht zu sein. Zu tun gibt es offenkundig noch genug. Möglicherweise irgendwann auch auf der Kapitalseite. Die Kernkapitalquote nämlich sank trotz steigender um 40 Basispunkte auf (fraglos immer noch komfortable) 14,3%. Begründung: ein "regulierungsbedingter" (Basel III) Anstieg der risikogewichteten Aktiva.


Die wichtigsten Zahlen in der Übersicht:

in Mio. Euro 2020 2021 Delta
Zinsüberschuss 1.172 1.326 + 13%
Risikovorsorge -305 -207 + 32%
Provisionsüberschuss 435 485 + 11%
Ergebnis aus gehaltenen Immobilien 215 218 + 1%
Fair-Value-Ergebnis 4 183 >100%
Beteiligungsergebnis 4 22 >100%
Sonstiges Ergebnis 166 57 -66%
Verwaltungsaufwand (inkl. Abschreibg.) -1.468 -1.515 + 3%
Konzernergebnis vor Steuern 223 569 > 100%
Bilanzsumme in Mrd. Euro 219,3 212,3 - 3%
Cost-Income-Ratio 73,5 66,1 - 7,4 Ppte.
Eigenkapitalrendite 2,6 6,4 + 3,8 Ppte.
CET1-Quote 14,7 14,3 - 0,4 Ppte.


Ergänzung

*Wir hatten die Helaba am Nachmittag ihrer Bilanz-PK diverse Fragen zu ihrer Kostenposition gestellt. Aus Kapazitätsgründen war es der Helaba leider nur möglich, die Fragen nach Erscheinen des Artikels zu beantworten. Wir wollen die entsprechenden Erläuterungen daher an dieser Stelle hier nachträglich ergänzen: 

Frage Finanz-Szene: Sind die 1.515 Mrd. Euro in 2021 mit den Werten aus 2017 (1.312 Mrd. €) und 2016 (1.232 Mrd. €) eins zu eins vergleichbar? Falls nein, können Sie uns die Gründe erläutern und eine grobe Indikation geben, wie der Vergleich ausfiele, wenn man die Werte bereinigen würde? 

Antworte Helaba: Seit 2018 werden die planmäßigen Abschreibungen auf Investment Properties aufgrund einen geänderten Ausweismethodik im Verwaltungsaufwand ausgewiesen. 2017 sind diese Abschreibungen noch im sonstigen betrieblichen Ergebnis ausgewiesen worden. (dies bedeutet im Vergleich zu 2017 einen Anstieg um 47 Mio. € im Verwaltungsaufwand) Ansonsten sind diese Werte vergleichbar.

Frage Finanz-Szene: Falls die Werte vergleichbar sind: Was erklärt den Unterschied?

Antwort Helaba: Der Anstieg um -203 Mio. € (Vergleich 2021 mit 2017) resultiert im Wesentlichen aus ...

  • ... dem Anstieg aus Personalaufwendungen von -63 Mio. € insbesondere wegen strategiekonformen Personalaufbau
  • davon -25 Mio. € aus dem Helaba-Einzelinstitut: vor allem auch zurückzuführen auf zusätzliche personellen Aufwendungen der WIBank aufgrund der Ausweitung der Geschäftstätigkeiten
  • und -38 Mio. € aus den Konzerntochtergesellschaften, als Beispiel sei hier auf die erfolgreiche Akquisitionen der Frankfurter Bankgesellschaft verwiesen (u.a. IMAP)
  • ... dem Anstieg der IT-Aufwendungen von -47 Mio. €
  • ... den höheren Beiträgen für Bankenabgabe -35 Mio. €
  • sowie den -47 Mio. € durch die Aufnahme der planmäßigen Abschreibungen auf Investment Properties in den Verwaltungsaufwand (siehe oben)

Seit 2018 konnte der Anstieg der Verwaltungskosten im Einzelinstitut insbesondere durch die einsetzende Wirkung des Programms Scope eingebremst und flach gehalten werden. Gestiegen sind dagegen die Verwaltungskosten bei den Tochterunternehmen, die bewusstes Investment und Ausdruck der gezielten Wachstumsinitiativen sind.

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