Analyse

Nach der Cerberus-Attacke: Das sind die 6 Probleme des Coba-Chefs

12. Juni 2020

Von Christian Kirchner

Es gibt Vorschläge. Und es gibt Kritik. Was allerdings der Commerzbank-Großaktionär Cerberus dieser Tage in seinem Brief an den Aufsichtsrat zur Lage des Instituts geschrieben hat – das fällt dann doch eher in die Kategorie „Vernichtung“.

Mal ein paar Auszüge:

  • Vorstand und Aufsichtsrat hätten versäumt, „jedwede wesentliche operative, technologische oder strategische Initiative umzusetzen“, die Cerberus in über 70 Meetings eingebracht habe
  • Die Commerzbank sei in einer „prekären“ Lage, Vorstand und Aufsichtsrat würden sich weigern, den „Ernst der Lage zu erkennen“ und hätten „über Jahre eklatant versagt, angemessene Gegenmaßnahmen zu treffen“
  • In Sachen der (im Herbst 2019 vorgestellten) neuen Strategie sei „fraglich, ob die Commerzbank überhaupt dazu in der Lage ist, selbst diesen völlig unzureichenden Plan umzusetzen“

Angefügt sind in dem Finanz-Szene.de vorliegenden Brief (über den „Bloomberg als erstes berichtet hatte) noch einige Tabellen, in denen noch einmal ausgebreitet wird …

  • dass die Commerzbank über jeden erdenklichen Zeitraum an der Börse hinter ihren Wettbewerbern liege
  • dass keines der im Jahr 2016 vom Vorstand festgelegten und vom Aufsichtsrat genehmigten Ziele erreicht worden sei
  • und dass die Commerzbank hierauf letztlich mit einer Senkung der Ziele bis 2023 reagiert habe.

Nun mag man von der Form und Ton des Protests halten, was man will: In der Tat mehren sich die Zeichen, dass die Strategie des Commerzbank letzten Endes eine Strategie des „Aussitzens“ ist – und dass dieser Strategie an ihre Grenzen stößt. Der Aktienkurs liegt trotz allgemeiner Erholung immer noch 38% unter dem Februar-Hoch. Und Analysten haben neben 2020 nun auch das 2021 abgeschrieben und erwarten jeweils rote Zahlen (siehe hier). Kurzum: Dass sich das Coba-Management weiterhin durchwurschteln darf, ist eher unwahrscheinlich.

Wo genau liegen die Probleme des Instituts und ihres Vorstandschefs Martin Zielke? Hier die sechs drängenden Themen:

  • Die Personaleinsparungen im Zuge der im letzten September verkündeten neuen Strategie laufend schleppend. Brutto wollte die Coba 4.300 und netto 2.300 Vollzeitstellen abbauen. Der Zwischenstand? Die ersten Vorruhestandsangebote sind auf dem Tisch, und im September – also ein volles Jahr nach Bekanntgabe – will man dann auch mal mit dem Betriebsrat über die Kürzungen reden. Nun sind solchen Maßnahmen stets regulatorische Grenzen gesetzt, aber gibt es einen weiteren simpleren Grund, warum die Commerzbank sich Zeit lässt: Mit jedem Monat, der vergeht, wird für mehr Mitarbeiter eine Vorruhestands-Regelung interessant oder sinkt die Mitarbeiterzahl durch Abgänge und Verrentungen automatisch (und damit günstiger).
  • Der Plan, die polnische mBank zu verkaufen, scheiterte grandios. Die Probleme, die dem Scheitern zugrundeliegen, hatten wir frühzeitig analysiert. Auf diesen Problemen bleibt die Coba jetzt erst einmal weiter sitzen.
  • Vor der Corona-Krise war die Coba eine Bank mit schwacher Rentabilität und einer schlechten Aufwands-Ertrags-Relation. Nun haben wir es mit einem Institut zu tun, dem Analysten für dieses Jahr obendrein ein Risikoergebnis von minus 1,5 Mrd. Euro nach minus 0,6 Mrd. Euro prophezeien. Anders gesagt: Der Commerzbank fehlt schlicht die grundsätzliche Ertragskraft, um die sich abzeichnenden Ausfälle absorbieren zu können. Darauf braucht das Institut eine Antwort.
  • Glaubt man, was glaubhaft berichtet wird,  dann haben der Commerzbank in den letzten Tagen, Wochen und Monaten u.a. reingeredet: Bain, McKinsey, BCG, jetzt Cerberus und natürlich diverse Inhouse-Consultants. Viel hilft viel? Zumindest ist hiervon nichts zu erkennen.
  • In der Privatkundensparte ist nicht zu erkennen, dass die lange Zeit zum Dogma erhobene Neukundenakquise irgendwann auch mal in deutlich steigende Erträge und Gewinne münden würde. Und die Firmenkundensparte wird laut Analystenprognose in diesem Jahr rote Zahlen schreiben und 2021 nur eine schwarze Null.
  • Selbst auf dem Höhepunkt des Konjunkturzyklus fand sich für die Commerzbank kein Fusionspartner. Warum sollte das dann jetzt und in den nächsten Monaten anders sein? Die Commerzbank muss sich also selbst aus ihrer Lage befreien – doch siehe oben: Dass sie dazu in der Lage ist, daran bestehen erhebliche Zweifel.

Man nehme „die Kritik in unsere Planungen auf“, hat die Commerzbank laut „Reuters“ als Reaktion auf die Cerberus-Attacke verlauten lassen. Argumentativ baut das Institut der Verschärfung des Sparkurses und weiteren Umbauten schon einmal vor: Das Kundenverhalten ändere sich schneller als man erwartet habe, erklärte Zielke etwa am Donnerstag auf einer Konferenz von Goldman Sachs. „Das erlaubt auch uns, uns schneller zu bewegen.“. Details will die Bank im Zuge der Präsentation der nächsten Quartalszahlen – das wäre übrigens am 5. August – liefern. Also erst in zwei Monaten.

So viel Zeit hat Cerberus allerdings nicht mehr nach drei Horror-Jahren als Großaktionär mit über 50% Kursverlust. „Wir erwarten, dass Sie bis spätestens zum Geschäftsschluss am 12. Juni 2020 auf dieses Schreiben antworten, damit wir auf einer soliden Basis gemeinsam eine bessere Zukunft für die Commerzbank schaffen können.“

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