Exklusiv

Neuer Favorit im Poker um die KfW-Spitze: Stefan Wintels

11. Mai 2021

Von Heinz-Roger Dohms

Im Poker um die Nachfolge Günther Bräunigs als KfW-Chef bahnt sich eine Überraschung an. Als Favorit für den Posten schäle sich der langjährige Citigroup-Deutschland-Chef Stefan Wintels heraus, bestätigten mehrere Insider gemeinsame Informationen von „Süddeutscher Zeitung“ und „Finanz-Szene.de“. Bräunigs Vertrags als Vorsitzender der Staatsbank läuft eigentlich Ende Juni aus. Zuletzt war spekuliert worden, falls sich die schwarz-rote Koalition auf keine Nachfolge verständige, könnte Bräunig doch noch bis zur Bundestagswahl im Amt oder der Posten sogar eine Zeitlang vakant bleiben. Stattdessen gehen Insider nun davon aus, dass bei der nächsten Verwaltungsrats-Sitzung am 23. Juni eine Entscheidung fällt.

Als natürliche Kandidatin für die Bräunig-Nachfolge galt eigentlich die im KfW-Vorstand für die Inlandsförderung zuständige Ingrid Hengster – zumal, nachdem Finanzstaatssekretär Jörg Kukies im Februar klargestellt hatte, er hege aktuell keine Ambitionen auf den Posten. Während Kukies der SPD angehört und als enger Vertrauter von Finanzminister und SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz gilt, soll Hengster ursprünglich die Favoritin der Union gewesen sein. Der parteilose Wintels könne in diesem Kontext auch als eine Art Kompromisskandidat gesehen werden, heißt es hinter den Kulissen.

Tatsächlich ist der Name Wintels auf den ersten Blick eine Überraschung. Seit 2001 arbeitet der heute 54-Jährige für die Citigroup, man kennt ihn vor allem als klassischen Investmentbanker, also als Spezialist für das Geschäft mit Fusionen, Übernahmen und Börsengängen. 2013 wurde Wintels Deutschland-Chef, bevor ihn die US-Großbank vor einem Jahr zum Leiter des weltweiten Geschäfts mit „Financial Institutions“ machte. Eine Vita, die nicht zwangsläufig vermuten lässt, dass als nächster Karriereschritt der KfW-Vorsitz wartet.

Gleichwohl sind die politischen Verbindungen Wintels ausgeprägter, als es auf den ersten Blick scheint. Finanzminister Scholz zum Beispiel kennt er aus dessen Zeit als Hamburger Bürgermeister. Damals beriet die Citigroup die Hansestadt bei der Privatisierung der damaligen HSH Nordbank. Auch Landesbanken hat er beraten, große Sparkassen ebenso. Was das Gehalt betrifft, müsste Wintels als KfW-Chef sicherlich Abstriche im Vergleich zu seinem aktuellen Salär machen. Zur Einordnung: Amtsinhaber Bräunig kam zuletzt auf eine Vergütung von 813.000 Euro plus 291.000 Euro Pensionszuführung.

Die KfW gehört zu 80 Prozent dem Bund, die übrigen Anteile den Ländern. Als Vorsitzende des Verwaltungsrats wechseln sich Finanzminister Scholz und Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) turnusweise ab. Anders als früher wird der Chefposten bei der KfW heute zwar nicht mehr rein“politisch“ besetzt (zumal die Staatsbank inzwischen von der Bafin überwacht wird und damit auch in personeller Hinsicht anderen Regeln unterliegt als früher). Dennoch spielt der Parteienproporz weiterhin eine Rolle.

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