Kurz gebloggt

Oh nein!!! Volksbanken legen imposantes Kreditwachstum hin

17. März 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Hätten die deutschen Volks- und Raiffeisenbanken ihre 2019er-Zahlen schon vor einem Monat veröffentlicht – wir wären (in all unserer Naivität) vermutlich tief beeindruckt gewesen. Trotz Dauerzinstief haben die Genossen im vergangenen Jahr erneut einen Zinsüberschuss von 16,3 Mrd. Euro erwirtschaftet. Um das Ganze mal ins Verhältnis zu setzen: Dies entsprach ziemlich exakt dem Niveau des Vorjahres (16,4 Mrd. Euro); und sogar exakt dem Niveau von 2012, also dem Jahr, in dem die Eurozone in die Niedrigzins-Ära abzudriften begann.

Das muss man erst mal schaffen: Sieben Jahre Zinskrise quasi unbeschadet überstehen, jedenfalls gemessen am (absoluten und nominalen) Zinsergebnis.

Das Dumme ist nur: Wir befinden uns nicht mehr im Februar 2020. Sondern im März 2020, also am Beginn einer womöglich ganz neuen Krisenära – der Corona-Krisenära. Die Folge: Was vor einem Monat noch imposant gewirkt hätte, klingt plötzlich verdächtig. Denn wie sagte es einer der gestern von uns zu den Folgen der Corona-Krise befragten Experten doch gleich: „Die nächste Krise wird gerade jene [Banken] treffen, die in den vergangenen Jahren auf der Jagd nach den letzten profitablen Nischen im deutschen Markt ihr Kreditbuch massiv ausgebaut haben.“

Nun wollen wir gleich klarstellen, dass 1.) dieses Zitat ein allgemeines war, und 2.) wir nicht die geringste Ahnung haben, was genau sich in den Kreditbüchern der deutschen Genossenschaftsbanken befindet. Ein allerdings darf seit gestern als amtlich gelten: Unsere Volks- und Raiffeisenbanken gehen mit Kreditbüchern in die Krise, die zum Bersten gefüllt sind (was auch die wesentliche Erklärung dafür sein dürfte, dass der Zinsüberschuss ein weiteres Jahr stabil geblieben ist: Volumeneffekte):

  • Kredite an Privatkunden: +5,1% auf 305 Mrd. Euro
  • Krediten an Firmenkunden: +6,8% auf 290 Mrd. Euro
  • Forderungen an Nichtbanken insgesamt: +6% auf 626 Mrd. Euro
  • Durchschnittliches jährliches Wachstum des Kreditbestands zwischen 2014 und 2019: +5,4%

Die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Volks- und Raiffeisenbanken ließen sich für den Moment nur sehr schwer beziffern, sagte BVR-Chefin Marija Kolak gestern bei der Vorstellung der Zahlen – und verwies auf den Bafin-Stresstest für kleine und mittlere Banken im vergangenen Jahr: „Diesen Stresstest haben die Genossenschaftsbanken gut bestanden.“

Das freilich war eine theoretische Übung. Der reale Stresstest hat gerade erst begonnen.

Hier die wichtigsten Zahlen aus der BVR-Bilanz auf einen Blick:

in Mrd. Euro 2019 2018
Zins-Überschuss 16,3 16,4
Provisions-Überschuss 5,5 5,2
Allg. Verwaltungs-Aufwendungen 14,8 14,5
Teil-Betriebsergebnis 6,9 7
Betriebsergebnis vor Bewertung 7,3 7,4
Bewertungsergebnis 0,5 -0,9
Jahresüberschuss vor Steuern 7,6 6,3
Steuern 2,3 2,1
Fonds für allg. Bank-Dienstleistungen 3 2,4
Jahresüberschuss nach Steuern 2,2 1,9

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