Exklusiv

Ostdeutsche Outlaw-Volksbank kapert westdeutsche Problem-Volksbank

8. September 2021

Von Christian Kirchner

Erstmals überhaupt seit der Wiedervereinigung wird laut Informationen von Finanz-Szene.de eine westdeutsche Genobank von einer ostdeutschen übernommen. Konkret handelt es sich auf thüringischer Seite um die VR Bad Salzungen Schmalkalden (Bilanzsumme: 1,2 Mrd. Euro) und auf hessischer um die Raiffeisenbank Borken Nordhessen (Bilanzsumme: 248 Mio. Euro). Das Interessante und vielleicht ja auch Pikante an dem Deal: Bei beiden Häusern handelt es sich um eher ungewöhnlich Genoinstiute.

Konkret:

  • Die VR Bad Salzungen Schmalkalden genießt in genossenschaftlichen Kreisen den Status eine Outlaws, zum Beispiel weil sie über ein wildes Kreditbuch verfügt (siehe hier), weil sie es für eine gute Idee hielt, den Ex-Fußballer Stefan Effenberg zum Bankangestellten zu machen (siehe hier), weil sich sich gern mal mit dem BVR fetzt (siehe hier) und weil sie selbstverständlich auch bei der Bafin längst aktenkundig ist (siehe hier). 
  • Die Raiffeisenbank Borken Nordhessen wiederum scheint uns (wenn wir uns dieses Urteil nach einem raschen Blick in die Bilanz erlauben) operativ nicht ganz besenrein zu sein. 2018 war das Ergebnis rot (-1,9 Mio. Euro), 2019 knapp positiv (+0,5 Mio. Euro), dafür aber fällt der Ausblick auf 2020 umso düsterer aus mit einem angekündigten Rückgang von Zins- wie Provisionsergebnis

Mit anderen Worten: Man kann sich die werten Damen und Herren beim BVR (bzw. beim genossenschaftlichen Prüfungsverband) gut vorstellen, wie erleichtert sie einerseits sind, dass eine Bank wie die Raiffeisenbank Borken Nordhessen endlich ihre Eigenständigkeit aufgibt – und wie erschrocken, dass sie sich ausgerechnet den Outlaws aus Schmalkalden bzw. Bad Salzungen an den Hals wirft.

Was es sonst noch zu wissen gibt?

  1. Die Generalversammlung der RB Borken Nordhessen hat dem Fusionsbeschluss am Freitag im Kern zugestimmt; in drei Wochen findet die entsprechende Abstimmung der VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden statt
  2. Auch wenn offiziell von einer „Fusion“ die Rede ist, lässt die VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden ihre Mitglieder im aktuellen Mitgliedermagazin (Seite 18) schon mal wissen, das sie es ist, die – wir zitieren – „im Westen des Landes einsteigt“
  3. Mit einer Bilanzsumme von knapp 1,5 Mrd. Euro läge das neue Institut in der BVR-Rangliste auf Platz 210

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