Exklusiv

Outlaw-Volksbank: Ermittlungen gegen Geldauflage eingestellt

27. September 2021

Von Christian Kirchner

Die von uns gern als „Outlaw-Bank“* titulierte VR Bank Bad Salzungen Schmalkalden hat einen wichtigen Punktsieg errungen: Laut exklusiven Informationen von Finanz-Szene.de soll das Untreue-Verfahren gegen Vorstandschef Stefan Siebert gegen eine Zahlung von 240.000 Euro eingestellt werden. Das zuständige Gericht hat dem Deal bereits zugestimmt, nun müssen nur noch die Beschuldigten akzeptieren – was als sicher gilt, da die Lösung von den Verteidigern initiiert worden war. Aus dem Umfeld der Staatsanwaltschaft Mühlhausen und der VR Bank Bad Salzungen Schmalkalden wurden die Informationen am Morgen bestätigt.

Die Chancen Sieberts, trotz erheblicher Bedenken der Bafin im Amt bleiben zu können, sind damit deutlich gestiegen. Die Finanzaufseher hatten 2019 ein Abberufungs-Verfahren gegen den Vorstandschef eingeleitet, den Vollzug aber dem Vernehmen nach vom Ergebnis der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen abhängig gemacht. Wäre es zu einer Anklage ergeben, wäre Siebert von der Bafin vermutlich abgesetzt worden. Ob die Einstellung gegen Zahlung einer Geldauflage für eine Abberufung ebenfalls ausreicht, ist Interpretationssache. Denn der Beschuldigte gilt als nicht vorbestraft. Und: Die Einstellung trifft keine präzise Aussage darüber, welches Maß an Tatverdacht vorlag oder wie wahrscheinlich eine Verurteilung gewesen wäre. Von der Bafin war am Morgen keine Stellungnahme zu erhalten.

Von besonderem Interesse ist der Fall auch für den genossenschaftlichen Bankensektor. Beim BVR in Berlin wäre man dem Vernehmen nach nicht unfroh, wenn die Bafin für eine Absetzung Sieberts sorgen würde – dann bräuchte der Verband nicht selber tätig zu werden. Im Frühjahr hatte der BVR unter Verweis auf einen möglicherweise drohenden Sicherungsfall eine Sonderprüfung bei der Bank gerichtlich durchsetzen lassen. Ein untrügliches Indiz dafür, dass sich die Schmalkaldener mit ihrem eigenen Verband fundamental verkracht haben. Durch die Einstellung des Verfahrens könnte die Hängepartie rund um den umstrittenen Vorstandschef nun allerdings weitergehen. Zu allem Überfluss plant die VR Bad Salzungen Schmalkalden auch noch eine faktische Übernahme der Raiffeisenbank Borken Nordhessen (siehe unsere Berichterstattung  Anfang September und heute Morgen ). Sprich: Wenn der BVR in der „Outlaw-Bank“ tatsächlich eine Gefahr für den Sektor sieht, dann steigen nunmehr die Einsätze.

Pikanterie am Rande: Die Kosten, die Vorstandschef Siebert aus den seit drei Jahren laufenden Ermittlungen entstanden sind, sollen von der Bank übernommen werden, wie die Mitgliederversammlung am Wochenende entschied – auch das ein ungewöhnlicher Vorgang.

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*Ein von uns konsultiertes Online-Lexikon bezeichnet einen Outlaw 1.) als „Verfemten“ oder 2.) als jemanden, „der sich nicht an die bestehende Rechtsordnung hält“. Wir machen uns selbstverständlich nur die ersten der beiden Übersetzungen zu eigen. 

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