Kurz gebloggt

Prahlen statt Zahlen: Die Erfolge der deutschen BNP Paribas

18. Februar 2021

Von Christian Kirchner

(dieser Artikel wurde ergänzt am Donnerstag, 18. Februar, 8.55 Uhr)

Als der Newsletter ihres Vertrauens vor zwei Jahren die Deutschland-Zahlen der BNP Paribas enthüllte (darunter den operativen Gewinn, der in den Jahren 2015 bis 2018 bei 423 Mio. Euro, 380 Mio. Euro, 320 Mio. Euro und 413 Mio. Euro gelegen hatte) – da rieb man sich in der hiesigen BNP-Dependance verwundert Augen: Hä? Die Zahlen sind öffentlich? Waren sie tatsächlich. Sie standen in einer Tabelle, die wir in irgendsoeiner „Director’s Cut“-Version des BNP-Geschäftsberichts gefunden hatten. Indes: Irgendwie ist der „Director’s Cut“ inzwischen aus der BNP-Paribas-Kennzahlothek verschwunden (oder zumindest haben wir ihn dort nie wieder gefunden).

Korrektur bzw. Ergänzung (18. Februar, 8.55 Uhr): Der wunderbare „Bloomberg“-Kollege Steve Arons, nämlich den „Director’s Cut“ zumindest mal für 2019. Da lag das Vorsteuerergebnis bei 399 Mio. Euro, siehe Seite 600 dieses PDFs hier).

Wobei, fairerweise – ein bisschen was hat BNP-Paribas-Deutschland-CEO Lutz Diederichs bei der gestrigen Jahres-PK dann doch verraten. Die wichtigsten Punkte:

  • Diederichs zählt sein Institut gemessen am Vorsteuergewinn zu den fünf gewinnstärksten Banken hierzulande. Auch wenn noch nicht allzu viele 2020er-Ergebnisse vorliegen (und letzten Endes auch manches eine Definitionsfrage ist), so kann man diese Guidance eigentlich nur wie folgt verstehen: >500 Mio. Euro

Auch hier eine Ergänzung: Arons hat Diederichs so verstanden, dass der von einem 22%-igen Plus gegenber der – von ihm nicht genannten – 2019er-Zahl gesprochen habe. Dann wären wir, wenn die 399 Mio. Euro der Ausgangswert waren, von dem auch Diederichs ausgeht, nicht bei >500 Mio. Euro, sondern bei 487 Mio. Euro.

  • Bezogen auf die Eigenkapitalrendite schob (die über alle deutschen Banken hinweg in den letzten Jahren im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich lag) schob Diederichs nach, man sei „ein Mehrfaches profitabler als der Schnitt deutscher Banken
  • Die Cost Income Ratio der deutschen BNP bezifferte Diederichs mit „unter 60%“. Zum Vergleich: Die ING Diba lag 2020 bei 50%, die Hypo Vereinsbank bei 70%.
  • Die Erträge hätten bei 2,09 Mrd. Euro gelegen – womit das vor vier Jahren für 2020 gesetzte Ertragsziel erreich worden ist. Verglichen mit 2016 (1,46 Mrd. Euro) hat die deutsche BNP ihre Einnahmen um gut ein Drittel gesteigert. Zudem erwirtschafte man mehr über Provisionsüberschüsse denn über Zinsüberschüsse
  • Nähere Angaben zu den Geschäftsbereichen (siehe hierzu auch unser Stück „Das hier sind die 14 Einheiten der BNP Paribas in Deutschland“ aus 2019) machte Diederichs keine
  • Dafür berichtete der Manager aber von einem „hervorragenden Geschäft“ bei der hauseigenen Retail- und Brokerage-Einheit Consors. Die profitierte vom allgemeinen Trading-Booom und habe ihre Kundenzahl inklusive der ebenfalls zu Gruppe gehörenden DAB 1,5 Millionen auf 1,8 Millionen gesteigert

Bei der Consorsbank gehe es nun darum, den Fokus auf „wohlhabende, internet-affine Kunden“ zu legen. Im Corporate- und Investmentbanking sei der „Ausbau des Beratungsangebot für den gehobenen Mittelstand“ sowie ein „Fokus öffentlicher Sektor“ vorgesehen.

Zum Private-Banking-Geschäft, in dem sich die BNP Paribas vor zwei, drei Jahren auch mal recht forsch positionieren wollte, fielen in der Pressekonferenz nur Allgemeinplätze („Wachstumsperspektiven nutzen in der Gruppe in einer Nach-Covid-19 Zeit“). Auch in den ausgereichten Unterlagen fanden sich keine genauen Hinweise hierauf.

So (verblüffend) groß ist die BNP Paribas mittlerweile in Deutschland

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