Kurz gebloggt

Deutsche Bank und Commerzbank verlieren >10%. Hier die Gründe

9. März 2020

Von Christian Kirchner

Die Kursverluste deutscher Banken- und Finanzwerte haben am Montag dramatische Ausmaße erreicht – und einmal mehr gingen die Verluste von Deutscher Bank, Commerzbank und Co. nochmals über die ohnehin herben Abschläge der Märkte generell hinaus. Die wichtigsten Ereignisse im Kurzüberblick:

  • Bis 10 Uhr gab die Aktie der Deutschen Bank 11% auf 5,96 Euro, die der Commerzbank ebenfalls 11% auf 3,82 Euro – ein neues Rekordtief – nach. Zum Vergleich: Der Deutsche Aktienindex Dax verlor bis 10 Uhr „nur“ 6,5%. Das ist auch die Größenordnung, in der Wirecard (-6,5%), die Aareal Bank (-6,3%) sowie die PBB (-7,5%) verloren.
  • Die wesentlichen Gründe für diese dramatische Entwicklung: Mit dem Kollaps der US-Zinsen gestern früh (die Rendite langlaufender 30jähriger US-Staatsanleihen fiel um fulminante 0,5 Prozentpunkte von 1,2 auf 0,7%) sowie dem Einbruch der Ölpreise (-30% über das Wochenende) steht die Gefahr eines deflationären Schocks im Raum. Auch die Inflationserwartungen gaben nochmals nach. Die EZB steht damit unter großem Handlungsdruck – vielen Marktteilnehmern fehlt aber die Phantasie, mit welchen Mitteln sie die Abwärts-Dynamik überhaupt stoppen kann.
  • Parallel dazu sinken zwar die Renditen der als sicher wahrgenommenen Staatsanleihen aus den USA und auch Deutschlands (Rendite 10jähriger Bundesanleihen nunmehr -0,83% …) – allerdings zeigen die Renditen von Unternehmensanleihen schlechter Bonität sowie jene in den Euro-Peripheriestaaten (und hier vor allem in Italien) nach oben (Übersicht hier). Das heißt, ein „altes“ Problem ist zurück: Ein massiver Anstieg der Rendite-Differenzen zwischen als sicheren und unsicher wahrgenommenen Anleihen. Daraus leitet sich auch die Sorge ab, dass es bei Banken zu Zahlungsausfällen bei Krediten und im Bestand gehaltenen Anleihen kommen könnte.
  • Vereinfacht: Es hagelt von allen Seiten in die Gewinn- und Verlustrechnung der Banken: 1.) Es drohen steigende Kreditausfälle .2.) Es kommt noch mehr Druck aufv die Zinsmarge durch noch tiefere negative Zinsen. 3.) Die Assetbasis, auf die man von Kunden Provisionen kassiert, schmilzt mit den Verlusten an den Börsen zusammen. Und 4.) dürfte die Kreditnachfrage und die Lust auf provisionsträchtiges Geschäft womöglich über Monate massiv von der pessimistischen Stimmung beeinflusst werden.

Was der Crash für Banken, Sparkassen und Fintechs bedeutet, lesen Sie am Dienstagfrüh ab 5 Uhr in unseren großen Analysen.

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