Analyse

Sechs Beobachtungen zu den Q1-Zahlen der Commerzbank

13. Mai 2021

Von Christian Kirchner

Es sind Nachrichten, wie man sie aus dem Commerzbank-Turm schon lange nicht mehr gehört hat: 538 Mio. Euro operatives Ergebnis hat die Coba in Q1 hingelegt (nach Restrukturierung und Steuern waren’s 133 Mio. Euro). Zudem hebt der Vorstand den Ausblick an, die Aktie schoss um 7,2% auf ein neues Jahreshoch und packte im Feiertagshandel noch mal 1% drauf.

Was ist da los? Sechs Beobachtungen.

1. Die Reifen fliegen nicht vom fahrenden Auto. Immerhin.

Dass die Commerzbank im ersten Quartal sowohl in der Firmen- (-1%)  als auch in der Privatkundensparte (+1%) die Erträge gegenüber dem Vorjahresquartal verteidigt hat, ist eine beachtliche Leistung. Immerhin fielen in diese Zeit die Verkündung eines historischen Jobabbaus, der krankheitsbedingte Abschied des Aufsichtsratschefs und ein Eklat, der zu weiteren Abgängen im Kontrollgremium führte – was wiederum eine Verschiebung der Hauptversammlung erforderlich machte.

Dass die Bank trotzdem in dieser Periode operativ funktioniert hat, spricht für sie. Und es spricht für die Belegschaft.

2. Die Hälfte des Gewinns soll von der EZB kommen …

Um 126 Mio. Euro hat das TLTRO-Programm der EZB den Q1-Gewinn angehoben; laut Conference-Call wird im Restjahr noch einmal eine ähnliche Summe hinzukommen. Also rund 250 Mio. Euro (davon rund 40 Mio. Euro im Q2). „Zinszuschuss“ nennt die Commerzbank das Ganze  recht drollig in ihrer Mitteilung. Man könnte es auch schlicht eine direkte (und in der Form erwünschte) Gewinnspritze. Oder anders gesagt: Rund die Hälfte des Gewinns, den die Analysten für dieses Jahr erwarten, kommt von der EZB.

3. … und die Einnahmen aus Negativzinsen dürften weiter steigen

Wie weit ist die Commerzbank bei der Durchsetzung von Negativzinsen? Von den 150 Mrd. Euro, die Privatkunden bei der Coba deponiert haben, sind bislang 10 Mrd. Euro mit Negativzinsen bepreist – ein Plus von 3 Mrd. binnen drei Monaten. Weitere 29 Mrd. Euro entfallen auf Einlagen jenseits der 100.000-Euro-Grenze. Das heißt: Hier dürfte die Commerzbank durch individuelle Ansprache in den kommenden Monaten weitere Negativzinsen durchsetzen oder die Kunden dazu bewegen, die Einlagen anderweitig zu verwenden. Und: Wenn der Freibetrag ab Juli auf nur noch 50.000 Euro sinkt, dürfte die Coba sogar noch weitere Einlagen ins Visier nehmen.

4. Das starke Ergebnis ist nicht zuletzt Einmaleffekten geschuldet

Der Q1-Gewinn lag um 211 Mio. Euro über den Erwartungen. Zerlegt man die Summe in ihre Bestandteile, so entfällt, grob überschlagen …

  • nichts auf die Erträge
  • gut 10% auf die Kosten
  • und knapp 90% bzw. 186 Mio. Euro auf das Bewertungsergebnis (darunter z.B. Erträge aus Absicherungsgeschäften)

Wir haben es also mit einem Effekt zu tun, der wenig über die künftige Ertragskraft der Commerzbank aussagt. Anders gesagt: Wir haben es mit Einmaleffekten zu tun.

Die Analysten der Deutschen Bank sprechen daher nachvollziehbar von einer Gewinnüberraschung von „niedriger Qualität“.

5. Die Aktie haussiert – aber nicht so stark wie andere Bankaktien

Nach dem 7,2%-igen Plus (am Feiertag kam noch einmal 1% obendrauf …) steht die Aktie jetzt bei 6,26 Euro – der höchste Kurs seit einem Jahr.

Dabei profitiert die Commerzbank auch von der Hausse europäischer Bankaktien allgemein. Dahinter steht folgendes Kalkül: Kommt es zu einem Post-Corona-Booms, könnte die Inflation zulegen – was den Zinsverfall stoppen oder gar eine moderate Gegenbewegung einleiten könnte. Und höhere Zinsen? Sind normalerweise gut für die Banken.

Gleichwohl hinkt die Commerzbank trotz des jüngsten Kurssprungs der Peergroup immer noch hinterher. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 19% zu Buche. Der Euro Stoxx Banks und die Deutsche Bank haben mehr als 30% zugelegt.

6. Die größte Überraschung: Die Erträge  bleiben stabil

Was Analysten und Investoren beeindruckt hat, ist der verbesserte Ausblick: Ging die Commerzbank im Februar noch von leicht sinkenden Erträgen im Gesamtjahr aus, so traut sie sich nun leicht steigende Erträge zu.

Tatsächlich ist die Ertragsperspektive von essentieller Bedeutung. Denn die jüngst verkündete „Strategie 2024“ ist ja auf die drastische Senkung der Kosten ausgerichtet – was die Gefahr birgt, dass die Einnahmen ähnlich stark sinken.

Fürs laufende Geschäftsjahr scheint diese Gefahr indes gebannt. Das macht Mut für die nähere Zukunft.

Hier nochmals die Q-Zahlen im Überblick:

in Mio. € Q1 / 2021 Q1 / 2020 Erwartung vs. Q1/20 vs. Erwartung
Erträge 2.308 2.026 2.319 14 0
Zins-Überschuss 1.254 1.321 1.251 -5 0
Provisions-Überschuss 951 877 880 8 -8
Bewertungsergebnis 360 -304 174 109
Kosten -1.469 -1.503 -1.492 -2 -2
Bankenabgabe -336 -301 -316 12 -6
Risikoergebnis -149 -326 -183 54 19
operativer Gewinn 538 -277 327 65
Gewinn Privatkunden 250 150 185 67 35
Gewinn Firmenkunden 98 -114 28 250
Nettogewinn 133 -295 -131
Eigenkapital-Rendite % 1,5 -4,9 -1,3 + 6,4 Ppte + 2,8 Ppte.
CET1 % 13,4 13,2 12,9 + 0,2 Ppte + 0,5 Ppte.

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