Sewing schickt Deutsche Bank auf Drei-Monats-Hoch

26. Mai 2020

Von Christian Kirchner

Überaus optimistische Bemerkungen von Deutsche-Bank-Vorstandschef Christian Sewing auf einer Konferenz für Investoren in New York haben der Aktien der Deutschen Bank gestern zu einem Kursplus von 9% verholfen. Sie schlossen den Tag bei 7,50 Euro, das ist der höchste Kurs seit Ende März. Sewing sprach im Rahmen der „Deutsche Bank Global Financials Conference“ in New York.

Konkret erklärte Sewing, dass Investmentbanking habe auch im April und Mai von einem „starken Momentum der Geschäfte“ profitiert. Hintergrund: Bereits im ersten Quartal hatte das Investmentbanking mit 622 Mio. Euro den höchsten Gewinn vor Steuern aller Sparten abgeliefert. Die Deutsche Bank kann den Rückenwind in diesem Geschäft gut gebrauchen, um steigende Risikovorsorgen im Zuge der sich abzeichnenden globalen Rezession auszugleichen. Zudem bekräftige Sewing noch einmal das Ziel, konzernweit bis zum Jahr 2022 eine Eigenkapitalrendite von 8% zu erwirtschaften.

Auch zur Firmenkundensparte gab es News: Hier kündigte Sewing an, im Laufe des Jahres 25 Mrd. Euro an Einlagen mit Negativzinsen zu belegen. Die Summe wirkt überschaubar angesichts von rund 259 Mrd. Einlagen in diesem Segment. Allerdings hatte die Bank erst im Laufe des vierten Quartals damit begonnen, überhaupt Negativzinsen in der Breite in dieser Sparte einzuführen.

Gelingt ihr dies mit dem aktuell geltenden negativen Einlagenzins der EZB von 0,5%, entspräche das überschlägig zusätzlichen Zinserträgen von 125 Mio. Euro pro Jahr. Die Erträge aus Negativzinsen in der Investmentbank und Privatkundensparte, in der ebenfalls Negativzinsen ausgerollt werden für große Vermögen und neue Kunden (siehe auch unsere Berichterstattung hier), kämen noch hinzu.

Zum Vergleich: 2019 hatte die Deutsche Bank selbst nach eigenen Angaben 327 Mio. Euro an Negativzinsen auf Überschussliquidität an die EZB abführen müssen. Diese Summe dürfte aber im laufenden Jahr vor allem aufgrund der im Herbst 2019 eingeführten Staffelzinses (siehe auch unsere Analyse dazu hier) deutlich niedriger ausfallen – womit nicht auszuschließen ist, dass für die Banken auf den Negativzinsen (ohne Berücksichtigung anderer Zinseffekte) ein „Geschäft“ würde. Die Deutsche Bank hatte im Zuge ihres Investorentags im Dezember Negativzinsen explizit als Strategie genannt, um dem Verfall der Zinsüberschüsse entgegenzuwirken. Parallel dazu will das Institut das Volumen der Kredite erhöhen.

Ein Vergleich der Kursentwicklung von Deutscher Bank und Commerzbank illustriert, welchem Institut die Investoren aktuell eher zutrauen, die Rezession zu überwinden und zu Kapitalrückzahlungen überzugehen: Seit dem allgemeinen Kurstief Mitte März haben sich Aktien der Commerzbank um lediglich 11% erholt – der gestrige Anstieg um 6% ist darin bereits enthalten. Für Aktien der Deutsche Bank ging es hingegen mit 44% rund viermal so dynamisch wieder nach oben.

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