Exklusiv

So sehen die Abbaupläne der HSBC Deutschland im Detail aus

2. Dezember 2021

Von Christian Kirchner

Die HSBC Deutschland treibt den geplanten Stellenabbau voran, schließt dabei betriebsbedingte Kündigungen nicht explizit aus – und bereitet die Belegschaft darüber hinaus auf mögliche weitere Jobstreichungen unter dem Projektnamen “Titan” vor. Das sind die wichtigsten Ergebnisse eines gestern abgehaltenen digitalen “Townhall Meetings”, dessen Atmosphäre von Teilnehmern als “frostig” beschrieben wurde.

Die aktuellen Maßnahmen sind Teil des bekannten Plans, bis Ende kommenden Jahres rund 580 Stellen verglichen mit dem Stand von Ende 2019 abzubauen. Intern firmiert das entsprechende Programm unter dem Namen “Germany Transformation”. Wie gestern verlautete, sind knapp zwei Drittel des Abbaus über Abfindungen und Fluktuation mittlerweile umgesetzt. Bis Ende 2022 fehlen nun noch 210 Streichungen. Um dieses Ziel zu erreichen, haben sich Vorstand und Betriebsrat inzwischen auf einen Sozialplan nebst Interessensausgleich geeinigt. Trotzdem wollte das Management betriebsbedingte Kündigungen bei dem Meeting gestern explizit nicht ausschließen – sie sind allerdings auf 10% der Streichungen “gedeckelt”.

Ende 2022 sollen es noch 2.260 Stellen sein – und dann?

Was auf der Stimmung lastet: In Teilen der Belegschaft gilt es als wahrscheinlich, dass es bei dem Abbau der besagten 580 Jobs (womit die HSBC Deutschland per Ende 2022 übrigens auf nur noch 2.260 Vollzeitstellen käme) in den kommenden Jahren womöglich nicht bleiben wird. Hintergrund ist die im September kommunizierte Rückstufung des Standorts Düsseldorf zu einer schlichten Niederlassung der neue Europa-Zentrale in Paris, die noch nicht in der laufenden Transformation berücksichtigt wurde.

Zu den konkreten Folgen für die Mitarbeiter der “deutschen” HSBC hat sich das Management öffentlich bislang noch nicht geäußert. Laut Finanz-Szene-Informationen läuft allerdings intern ein entsprechendes Programm mit dem Namen “Titan”. Zwar wird im Umfeld der Bank betont, es sei nicht sicher, ob das Projekt weitere Stellenstreichungen erfordere. Auch bei dem gestrigen Townhall war nicht explizit von einem weiteren Stellenabbau die Rede.

Innerhalb der HSBC Deutschland geht man jedoch fest davon aus, dass die Evaluierung nicht ohne weitere Folgen für die Belegschaft bleiben wird. Eine Sprecherin wollte sich hierzu nicht äußern. Zu den konkretisierten Streichungen im Zuge der bekannten Restrukturierung hieß es: “Wie im vergangenen Jahr kommuniziert, fallen bei uns in Deutschland im Zeitraum von Ende 2019 bis Ende 2022 rund 600 Vollzeitstellen weg. Das liegt vor allem daran, dass wir als 100-Prozent-Tochter der HSBC Gruppe deren Infrastruktur ganz anders nutzen können als früher”. Nach “guten und konstruktiven Gesprächen mit den Betriebsräten” gehe es nun in die Umsetzung des noch anstehenden Stellenabbaus.

Bis zu 30 Monatsgehälter als Abfindung

Der aktuelle Abbau – also die noch fehlenden 210 Jobs – sollen derweil über interne Wechsel sowie ein “Freiwilligen”-Programm sichergestellt werden. Im Rahmen dessen stellt die deutsche HSBC ihren Mitarbeitern Abfindungen in Aussicht, die sich an Betriebszugehörigkeit, Gehalt und einem Altersfaktor bemessen. Die Mindestabfindung liegt bei 25.000 Euro beziehungsweise vier monatlichen Festgehältern. Für Topverdienern soll die Abfindung auf maximal 30 Monatsgehälter gedeckelt werden. Wer sich binnen 60 Tagen entscheidet auszuscheiden, soll einen zusätzlichen Bonus erhalten. Generell gilt das Prinzip der doppelten Freiwilligkeit: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können Ihr Interesse an einer Abfindung signalisieren, das Unternehmen muss dem Wunsch allerdings zustimmen.

Sollten die Anreize nicht ausreichen, um genügend “Freiwillige” zu finden, drohen – sie oben – in letzter Konsequenz betriebsbedingte Kündigungen. Wegen des Stellenabbaus war es bereits im Juni (siehe unser Stück -> Eklat bei der HSBC Deutschland) zum offenen Zwist zwischen Vorstand und Betriebsrat gekommen. Nachdem die Verhandlungen über einen Sozialplan zu keinem Ergebnis geführt hatten, wurde sogar eine gerichtliche Einigungsstelle eingeschaltet – ein in der Geschichte des Düsseldorfer Traditionsinstituts beispielloser Vorgang.

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