Exklusiv

Sparda-Banken funken SOS an Verdi: Nullrunde ist Maximum!

11. Juni 2021

Von Christian Kirchner

Verglichen mit anderen Branchen waren Tarifverhandlungen im Bankgewerbe bislang ziemlich friedliche Veranstaltungen. Klar, die Zeiten sind hart, das Zinstief, der Wettbewerb, die Digitalisierung, man kennt die Argumente. Zu ordentlichen Lohnsteigerungen reichte es aber trotzdem. Bei den Sparkassen standen zuletzt 3,2% mehr Gehalt, ein Tag mehr Urlaub und eine gerettete Sonderzahlung; bei den privaten Banken kam ein Plus von 4,0% heraus; und auch die Sparda-Mitarbeiter mussten trotz Branchenkrise noch nicht darben. 2017 mündeten die Tarifverhandlungen in einem Gehaltsplus von 3,3%, zwei Jahre später waren es 2,6%.

Diese Mal indes ist alles anders. Und zwar dermaßen anders, dass die Stimmung zwischen den Sparda-Banken und Verdi dieser Tage regelrecht vergiftet ist. Ende April hatte die Arbeitgeberseite ihre Vorstellungen erstmals skizziert. Und die lauteten nach Informationen von Finanz-Szene.de: Nullrunde! Und zwar nicht für ein Jahr. Sondern gleich für zwei.

Auf der Gegenseite glaubte man, dass es zum Ausgleich zumindest irgendeine Form von Jobgarantie gäbe. Doch auch das nicht! Allenfalls eine Umwandlung von Gehalt in Zeit sei denkbar. „Gerne hätten wir Ihnen von einem konstruktiven Verhandlungsauftakt berichtet. Diesen gab es aber nicht“, funkte Verdi an seine Mitglieder.

Das übliche Verhandlungsgeplänkel? Offenbar nein. Am vergangenen Freitag kam das nächste „Angebot“ der Arbeitgeber. Allerdings handelte es sich auch diesmal im ein Nicht-Angebot. Lohnplus? Nein! Das Argument: Mit einer Nullrunde würden die Mitarbeiter einen Beitrag zum Erhalt ihrer Arbeitsplätze leisten.

Spätestens da schwant den Gewerkschaftern: Dieses Mal ist wirklich alles anders. Und nun liegt ein dunkler Verdacht über den Verhandlungen: Kann es möglicherweise sein, dass das Problem nicht darin liegt, dass die Sparda-Banken nicht mehr Geld bieten wollen. Sondern dass sie möglicherweise schlicht nicht mehr Geld bieten können, wenigstens einige von ihnen?

Bei Verdi jedenfalls heißt es: „Die Arbeitgebervertreter zeichneten ein sehr düsteres Bild der wirtschaftlichen Situation der gesamten Sparda-Gruppe.“ Finanz-Szene.de bat hierzu um eine Stellungnahme beim Sparda-Verband, erhielt aber keine Auskunft.

Geht es den Sparda-Banken denn wirklich so schlecht?

Auch das ist eine Frage, für die eigentlich der Verband zuständig wäre. Dessen Auskunftsbereitschaft, was die Ertragslage der eigenen Mitglieder angeht, verlief in den vergangenen Jahren allerdings stark degressiv. Bis 2016 legte der Verband (genauso, wie das beispielsweise der DSGV oder der BVR tun) detailliert dar, wie sich Teilbetriebsergebnis, Betriebsergebnis und Überschuss entwickeln. 2017 wurden die Angaben dann plötzlich auf den kumulierten Überschuss reduziert; sonstige Angaben zur Ertragskraft verschwanden. 2018 fand letztmalig eine Bilanz-Presskonferenz statt. Und im Mai 2019 informierte der Sparda-Bank dann zum bis dato überhaupt letzten Mal über Ergebnisse auf Gruppen-Ebene.

Aus dem Sparda-Verband ist ein Schneckenhaus geworden. Auf Anfrage heißt es: „Die öffentliche Information erfolgt nunmehr ausschließlich direkt über unsere Mitgliedsbanken.“

Auch die sind allerdings unserem Eindruck nach, was Bilanz-PKs angeht, in den vergangenen Jahren – und unabhängig von Corona – immer sparsamer geworden. Eigentlich bleibt einem nur das übrig, was man beim Skat als Gang über die Dörfer bezeichnen würde, nämlich. Man muss inzwischen die Ergebnisse Zahl für Zahl aus den im Bundesanzeiger veröffentlichten Geschäftsberichten herausklauben und dann schlicht aufaddieren. Hier, was für 2019 herauskommt:

Kurzum: Zwischen 2014 und 2019 verloren die Sparda-Banken 37% ihrer Überschüsse. Da zugleich die Bilanzsummen Jahr für Jahr wuchsen, hat sich der Überschuss in Prozent der Bilanzsumme laut unsere Hochrechnungen knapp halbiert, nämlich von 0,23% auf 0,13%.

Nun liegen für 2020 zwar noch kaum Geschäftsberichte vor. Die wenigstens noch punktuell veröffentlichten Pressemitteilungen einzelner Institute deuten allerdings nicht darauf hin, dass der Verfall gestoppt wäre. Im Gegenteil:

  • Die Sparda München vermeldete einen Rückgang des Überschusses von 9%
  • Bei der Sparda Hessen sind es 17%
  • Die Sparda Nürnberg kommt auf 19%.
  • Bei der Sparda Südwest krachte der Überschuss  um 37% nach unten
  • Bei der Sparda Baden-Württemberg hat er sich halbiert
  • Die Sparda Augsburg „verteidigte“ ihr Vorjahresergebnis von 1 Mio. Euro.
  • Nach oben ging es lediglich bei der Sparda West, die nach 8 Mio. Euro diesmal 23 Mio. Euro verdiente. Allerdings hatte sich das Düsseldorfer Institut vor eineinhalb Jahren zum Sanierungsfall erklärt, veranstaltete ein regelrechtes Filial- und Mitarbeiter-Massaker (siehe hier).

Wie es weiter geht? Die nächste Runde ist Mitte Juli. Und dürfte turbulent werden.

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