Exklusiv

Sparda Hessen steigt bei TEO aus – jetzt droht die Zerreißprobe

15. Januar 2021

Von Christian Kirchner

Die Sparda-Banken stehen im Zusammenhang mit der völlig missglückten Einführung ihrer neuen Multibanking-App „TEO“ vor der endgültigen Zerreißprobe. Wie aus einem kürzlich verschickten Kundenschreiben hervorgeht, beendet die Sparda Hessen den laufenden Parallelbetrieb von „TEO“-App und klassischer Sparda-App-Lösung. „Mobile Bankinglösung ist und bleibt (…) die SpardaApp“, so die Bank in ihrem Schreiben. Zwar können die 350.000 Kunden des Frankfurter Instituts das neue Angebot weiterhin nutzen – allerdings seit 1. Januar nur als optionale Multibanking-App wie jeder andere Smartphone-Nutzer auch. Dazu müssen sie ihr Konto auch neu einbinden.

Die Entscheidung hat gleich aus mehreren Gründen Sprengkraft:

  1. Infolge massiver massiver Nutzerbeschwerden stand das hochambitionierte „TEO“-Projekt schon vor dem Rückzug der Sparda Hessen schwer unter Beschuss (siehe auch hier).
  2. Die Sparda Hessen gehörte bislang zu den treibenden Kräften des App-Projekts. So zählte sie zu den Mitgründern des hinter „TEO“ stehenden Stuttgarter Startups Comeco und beteiligte sich an beiden großen Finanzierungsrunden über insgesamt rund 60 Mio. Euro (siehe auch hier). Insgesamt ist die Sparda Hessen nach Finanz-Szene.de-Berechnungen mit rund 5% an Comeco beteiligt.
  3. Die Begründung, die die Sparda Hessen den eigenen Kunden liefert, liest sich wie eine Bankrotterklärung: „Leider wurde das Angebot nur von wenigen unserer Kundinnen und Kunden angenommen“. Zur Erinnerung: Erst Anfang Dezember hatte die Sparda München in ihrer Kundenkommunikation eingestanden, die „TEO“-App sei offenbar noch nicht „ausgereift“. Die Sparda West und Sparda Ostbayern, obwohl ebenfalls Comeco-Gründungsmitglieder, boten „TEO“ gar nicht erst an seit dem Launch vor einem Jahr.
  4. Die Sparda Hessen war die einzige Sparda Bank, die einen dauerhaften Parallelbetrieb von alter Sparda-App und neuer „TEO“-App angeboten hatte. Bei ihr gab es also einen ergebnisoffenen Prozess – und der fiel nun (anders lässt sich die Sache kaum interpretieren) zu Ungunsten der TEO-App aus.

Auf Anfrage von Finanz-Szene.de teilt die Sparda Hessen mit: „Unsere Kundinnen und Kunden können TEO weiterhin nutzen, um ihre Bankgeschäfte mobil oder am Desktop zu tätigen. Das Kundeninteresse an TEO war nicht groß genug, um eine komplette Umstellung zu rechtfertigen.“ Und: „Wir sind und bleiben Gesellschafter der Comeco.“

Durch den drastischen Schritt der Sparda Hessen steigt nun der Druck auf andere Sparda-Banken (namentlich die in Nürnberg, Baden-Württemberg, Augsburg und München), ihren Kunden die geplante oder in Teilen schon forcierte Zwangseinführung der TEO-App sowie der entsprechenden Web-Anwendung zu erklären. In einem Interview mit der „Stuttgarter Zeitung“ (siehe hier, Paywall) hatte Sparda-Baden-Württemberg-Chef Martin Hettich kurz vor Weihnachten das enorme auch finanzielle Engagement seines Hauses rechtfertigt. TEO sei eine Investition in die Zukunft und kein Geld verbrannt worden. „Wir haben eine Anwendung, die aktuell von 240 000 Menschen genutzt wird, und das 20-mal im Monat“, so Hettich. Freilich: Den Planungen zufolge hätten es zu dem Zeitpunkt rund fünfmal so viele Nutzer sein sollen.

Nach Finanz-Szene.de-Informationen ist man auf der Suche nach weiteren möglichen Partnern im genossenschaftlichen Bankenlager, die die App eventuell nutzen könnten. Der Sparda-Verbands-Chef Florian Rentsch hatte dieser Tage in einem Gastbeitrag für den „Bank-Blog“ noch die Weiterverbreitung von „TEO“ innerhalb der eigenen Gruppe beschworen. Wörtlich sagte er: „Die Pandemie beschleunigt den Ausbau digitaler Geschäftsmodelle. Wir haben beispielsweise mit TEO, einer neuen Multibanking-Applikation ein Produkt am Markt, deren Verwendung die Sparda-Banken 2021 im Zuge der PSD2 weiter festigen werden.“

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