Sparda-Krise jetzt amtlich: 25% weniger Gewinn. Und es wird noch schlimmer

28. Juni 2021

Von Christian Kirchner

Der seit Jahren zu diagnostizierende Gewinnrückgang bei den Sparda-Banken hat sich 2020 dramatisch beschleunigt. Die elf Institute erwirschafteten im vergangenen Jahr nur noch einen kumulierten Überschuss von 70,7 Mio. Euro, räumte Sparda-Verbands-Chef Florian Rentsch gegenüber der „Börsen-Zeitung“ (Paywall) ein. Laut unseren Datenanalysen entspricht das einem Rückgang von 25% zum Vorjahr und sogar einem Minus von 52% gemessen an den Zahlen von 2014.

Dazu muss man wissen: Auf Anfrage von Finanz-Szene hatte der Verband zuletzt die Offenlegung von Geschäftszahlen verweigert – und behauptet, die  „öffentliche Information“ hierüber erfolge inzwischen generell nur noch über die einzelnen Mitgliedsbanken. Nachdem wir allerdings auf Basis eigener Recherchen (siehe unser Stück „Sparda-Banken funken SOS …“) nachgewiesen hatte, dass die 14 Sparda-Banken in den vergangenen Jahren erheblich an Ergebnis eingebüßt haben, sah sich Verbands-Chef Rentsch nun offenbar genötigt, die dramatische Entwicklung nun doch mit der Öffentlichkeit zu teilen.

Diese Entwicklung ist um so kritischer, als die 2020er-Zahlen Rentsch zufolge nicht einmal sonderlich unter Corona-Sonderfaktoren gelitten haben. So gibt der Sparda-Verband das Bewertungsergebnis (das unter anderem die Risikovorsorge für ausfallgefährdete Kredite beinhaltet) mit lediglich 15 Mio. Euro an. Weder habe es pandemiebedingte Kreditausfälle nennenswerter Art gegeben noch größere Schwankungen bei den Wertpapieren, da sich der Einbruch an den Kapitalmärkten im März im Jahresverlauf egalisiert habe.

Sparda-Banken drohen weitere erhebliche Einbußen

Stattdessen führt der Verband die strikte Privatkundenorientierung der eigenen Mitgliedsinstitute als zentralen Grund für die Gewinnrückgänge an. Da die Sparda-Banken von der eigenen Klientel mit Einlagen überschüttet würden (plus 4,9 % auf 73,1 Mrd. Euro) und das Kreditgeschäft nicht im gleichen Tempo ausweiten könne (plus 1,7 % auf 45,2 Mrd. Euro), laste aufgrund der Zinspolitik der EZB ein massiver Einlagenüberhang auf der Profitabilität. Der Verband kündigte eine Überprüfung der Geschäftsmodelle an, ohne allerdings ins Detail zu gehen. „Wir bleiben dabei auf den Pfaden, in denen wir große Expertise haben: Privatkunden, Immobilien und genossenschaftliche Modelle.“

Offen ist, ob sich der Gewinnschwund im laufenden Geschäftsjahr fortsetzt. Zu befürchten allerdings ist es. Denn das Gebühren-Urteil des BGH dürfte zumindest bei einigen Sparda-Banken das Ergebnis erheblich belasten. Die Finanzaufsicht Bafin hatte zuletzt gewarnt, dass bei einzelnen Banken bis zur Hälfte des Jahresüberschusses im Feuer stehen könnte. Das könne er für einzelne Häuser seiner Gruppe nicht ausschließen, zitiert die „BÖZ“ das Sparda-Verband-Vorstandsmitglied Uwe Sterz.

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