Kurz gebloggt

Sparda West erhöht Konto-Gebühren um bis zu 233%

28. Januar 2020

Von Christian Kirchner

Als die Sparda West im Oktober 2019 ein regelrechtes Massaker ankündigte (ein Viertel der 1.000 Jobs, ein Viertel der 56 Standorte und die Hälfte der 82 Filialen sollen wegfallen), hielt die Mitteilung noch einen kleinen Hinweis für die Kunden bereit: Die Bank werde die „Bepreisung ihrer Kontomodelle“ im neuen Jahr „moderat anpassen“.

Seit gestern wissen die rund 720.000 Mitglieder der kundenstärksten deutschen Geno-Bank, was der Vorstand unter „moderat anpassen“ versteht: Der Preis für die BankCard steigt um 67% auf 20 Euro pro Jahr. Die Gebühr für das Girokonto Flex für klassische Filialkunden mit Gehaltseingang klettert um 140% auf 6 Euro pro Monat. Und die Gebühr für beleghafte Überweisungen sowie Automatenbuchungen für Nutzer des Online-Girokontomodells beträgt künftig 5 Euro – eine Erhöhung um 233%.

Es ist die zweite massive Erhöhung binnen gerade einmal eineinhalb Jahren – denn bis September 2018 hatten Sparda-West-Kunden lediglich für die Bank-Card 12 Euro pro Jahr bezahlt, alle übrigen Leistungen waren für die Mitglieder kostenlos.

bis 03/2016 bis 09/2018 bis 03/2020 ab 04/2020
GiroOnline mit Gehalt 0 € 0 € 0 € 0 €
GiroOnline ohne Gehalt 0 € 0 € 3 € 3 €
beleghafte Überweisungen 0 € 0 € 1,50 € 5 €
Buchung am Automaten 0 € 0 € 1,50 € 5 €
Sparda Giro Flex * 0 € 0 € 2,50 € ** 6 €
BankCard/Debit 0 € 10 € 12 € 20 €
* inkl. aller Buchungen, auch beleghaft
** inkl. Gehalt, sonst zzgl. 2,50 €

Nun sind Gebühren-Erhöhungen und die Einführung sogenannter „Verwahr-Entgelte“ (vulgo: Negativzinsen) inzwischen an der Tagesordnung. Das kostenlose Girokonto stand indes bei den Sparda-Banken lange Zeit im Kern des Geschäftsmodells auch zur Neukundengewinnung. Und: Die Frage, was genau eigentlich bei der Sparda West los ist, dass die Maßnahmen so radikal ausfallen – die erhält durch die gestrigen Erhöhungen noch einmal zusätzliche Fallhöhe.

Denn die letzten belastbaren Informationen über die Ertragslage der Bank sind nunmehr ein Jahr alt. Sie rühren von der letztjährigen Bilanz-Pressekonferenz, auf der Vorstandschef Manfred Stevermann sein Institut trotz eines Minus von 77% beim Vorsteuergewinn für die laufende Transformation „bestens aufgestellt“ sah und konstatierte, man habe das Jahr 2018 „solide“ abgeschossen. Dass sich der Status Quo auch durchaus anders beschreiben ließe, wurde dann im Oktober klar, als die Bank (siehe oben) ihr Filial- und Stellenmassaker verkündete und dies lapidar mit einem veränderten „Kundenverhalten“ begründete.

Finanz-Szene.de legte anschließend in einer ausführlichen Analyse dar, dass der Zinsüberschuss der Sparda West über die vergangenen Jahre regelrecht kollabiert ist – unter anderem deshalb, weil zuvor eine operative schwache Bank (die Sparda West) 2018 mit einer operativ extrem schwachen Bank (der Sparda Münster) fusioniert hatte. Aber auch, weil trotz sinkender Zinsen die Zinsaufwendungen gestiegen sind – eine Rarität in deutschen Bankbilanzen.

Das lag laut Geschäftsbericht daran, dass die Bank sogenannte Zinsderivate „verkürzen“ und dafür 44 Mio. Euro auf den Tisch legen musste (zur Analyse hier) – ein Vorgang, dessen genauer Hintergrund sich auch durch mehrere Nachfragen bei der Sparda West und Konsultation diverser Bilanzexperten nicht umfänglich ausleuchten ließ.

Jedenfalls: Der Aufklärungsbedarf ist groß, warum Kunden denn nun mit dem Doppel-Hammer aus Filialkahlschlag und Gebühren-Erhöhungen konfrontiert werden. Üblicherweise hält die Sparda West immer in der zweiten Januarhälfte ihre Bilanz-PK. Und dieses Jahr? Dazu hat Finanz-Szene.de von der Sparda West bislang keinen genauen Termin genannt bekommen.

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