Sparda West erlebt dramatischen Einbruch bei den Erträgen

10. März 2022

Von Christian Kirchner

Die Sparda West hat im abgelaufenen Geschäftsjahr einen brutalen Ertragseinbruch erlebt. Entgegen der jüngsten Branchentrends sank der Zinsüberschuss um krasse 14% auf nur noch 111,0 Mio. Euro, das Provisionsergebnis ging trotz allgemeinen Wertpapier-Booms um 7% auf 54,9 Mio. Euro zurück.

Besonders die Implosion des Zinsgeschäfts mutet geradezu grotesk an. Zur Einordnung: Gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme erwirtschaftete die mit 661.000 Kunden fünftgrößte deutsche Genossenschaftsbank nur mehr einen Zinsüberschuss von 0,88% – das ist dramatisch weniger als beispielsweise bei der Sparda Hessen, die 2021 auf einen Wert von 1,28% kam (zur weiteren Einordnung: Unzählige “normale” Volks- und Raiffeisenbanken weisen für das vergangene Geschäftsjahr sogar Werte irgendwo zwischen 1,4% und 1,6% auf, siehe -> Ein grober Blick auf die 2021er-Ergebnisse der Volksbanken).

Zwar ist der Einbruch des Provisionsergebnisses weniger existenziell, weil die Sparda West selbiges in den vergangenen Jahren durch die Einführung und spätere Erhöhung von Kontogebühren signifikant gesteigert hatte. Trotzdem reicht das addierte Zins- und Provisionsergebnis nur noch gerade so aus, um die Verwaltungsaufwendungen (minimal auf 161,2 Mio. Euro gestiegen) zu decken. Für andere Kosten, die eine Bank normalerweise zu stemmen hat (etwa: Risikokosten), fehlt der Sparda West offenbar mittlerweile schlicht die Ertragskraft – von Rücklagenbildung, Gewinnausschüttung etc. pp. ganz zu schweigen. Man muss es so deutlich sagen: Bei dem in Düsseldorf ansässigen Institut stellt sich nicht weniger als die Frage, ob das Geschäftsmodell eigentlich noch funktioniert.

Tatsächlich gelang es der Sparda West, trotz des operativen Offenbarungseids immer noch einen Jahresüberschuss in Höhe von 5,5 Mio. Euro (minus 36%) auszuweisen. Das allerdings war nur durch nicht näher quantifizierte Sondereffekte (“Zuschreibungen zu Forderungen und Wertpapieren”) überhaupt möglich. Ansonsten irritiert vor allem, dass sich auf der Kostenseite weiterhin keine Verbesserungen zeigen. Hintergrund: Die Sparda West hatte 2019 eine massive Restrukturierung verkündet, in deren Zuge die Zahl der Filialen halbiert und ein Fünftel der Stellen abgebaut werden sollte. Die Folgen sieht man nun zwar bei den Erträgen sowie bei der Kundenzahl (-3%) und bei der Mitgliederzahl (ebenfalls -3%), aber eben nicht bei den Verwaltungsaufwendungen. Die Bank begründet dies in erster Linie mit IT-Investitionen.

Zwar hatte die Sparda West, die aufgrund einer nebulösen Bilanzierung schon mehrfach Gegenstand unserer Berichterstattung war (siehe hier oder hier,) in ihrem 2020er Abschluss wesentliche Entwicklungen schon angekündigt (” rückläufiger Zinsüberschuss, leicht sinkender Provisionsüberschuss, (…) Verwaltungsaufwendungen auf Vorjahresniveau”). In der Deutlichkeit des Rückgangs überraschen die Zahlen dennoch, zumal sich die Zinslage für Banken gegen Ende 2021 merklich verbessert hat und die Sparda West entgegen der Prognose auch 1 Mrd. Euro an unerwünschten Einlagen los wurde. Eine Erklärung: Geplant war eine “merkliche Erhöhung” des Bestands in der Baufinanzierung – tatsächlich sank das Baufi-Volumen jedoch leicht.

in Mio. Euro 2020 2021 Delta
Bilanzsumme 13.147 12.193 -7%
Kundenkredite 6.662 6.668 0%
Kundeneinlagen 11.893 10.884 -9%
Zinsergebnis 129,4 111 -14%
Provisionsergebnis 59,2 54,9 -7%
Kosten -160,6 -161,2 0%
Teilbetriebsergebnis 24,8 2 -92%
Ergebnis vor Steuern 13,5 17,1 27%
Jahresüberschuss 8,6 5,5 -36%
Mitglieder (Anzahl) 577.727 561.703 -3%
Kunden (Anzahl) 682.152 660.756 -3%
Mitarbeiter (Anzahl) 885 844 -5%

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