Exklusiv

Sparda West spekuliert auf Kurz-vor-Ultimo-Dividende

18. August 2020

Von Heinz-Roger Dohms und Christian Kirchner

Unsere zweitliebste Düsseldorfer Bank – also die Sparda West – ist das, was man in Bayern ein „Früchterl“ nennen würde.

Da teilen die rheinischen Großgenossen ihren 702.000 Kunden dieser Tage doch tatsächlich per Kundenmagazin mit, die „ordentliche Vertreterversammlung“ sei auf den 6. November verschoben worden. Begründung: „Eine Ausnahmesituation wie die Corona-Pandemie verlangt nach ungewöhnlichen Lösungen.“ Doch während es in der einen Hirnhälfte noch rattert (Ist Corona im November denn vorbei???), liest die andere Hirnhälfte bereits weiter. Und erfährt: Ach so, mit Corona hat die Verschiebung offenbar allenfalls indirekt zu tun. Der wahre Grund scheint ein anderer zu sein:. „Wir hoffen, dass dann die Möglichkeit besteht, über eine angemessene Dividende zu entscheiden“, steht da.

Von wegen Corona. Es geht allem Anschein nach also um die Ausschüttung!

Zur Erinnerung: Eigentlich sollen/dürfen unsere Banken in diesem Jahr ja keine Dividende auskehren. Davon freilich findet sich im Kundenmagazin-Artikel kein Wort. Sondern: Der Punkt wird lediglich im Geschäftsbericht thematisiert, den die Sparda West vor Kurzem auf ihre Website gestellt hat. Auszug (Fettung unserseits):

„Insgesamt wurde angesichts des Niedrigzinsumfeldes im operativen Geschäft ein noch zufriedenstellendes Ergebnis erreicht. Die beschlossenen Maßnahmen zur Straffung des Filialnetzes und der Produktions- und Steuerungsbereiche im Sinne einer zukunftssicheren Aufstellung der Bank und der damit verbundene außerordentliche Aufwand führten zu einer deutlichen Belastung des Jahresüberschusses. Nach dem aktuellen Stand ist geplant, eine Entscheidung über die Dividendenausschüttung frühestens im Herbst 2020 unter den dann gültigen aufsichtsrechtlichen Regularien zu treffen.

Wobei, da fällt uns auf: Die ungefettete Passage ist so unspannend ja auch nicht. Deutliche Belastung des Jahresüberschusses? Oh ja, tatsächlich! Der Gewinn lag gerade mal bei 7,5 Mio. Euro, was laut Geschäftsbericht einer Kapitalrendite von 0,06% entsprach. Reservenbildung nach 340g? Fand keine statt. Doch für eine Ausschüttung soll’s reichen. Trotz EZB- und Bafin-Ukas. Sportlich.

Bleibt die Frage, warum die Sparda West ihr 2019er-Ergebnis weder in physischer noch virtueller Bilanz-PK präsentiert hat. Ach, jetzt fällt’s uns wieder ein: Die Bilanz-PK im Frühjahr musste ja leider ausfallen. Wegen Corona.

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