Exklusiv

Sparkassen: Großfusion der Backoffice-Dienstleister geplatzt

2. März 2021

Von Heinz-Roger Dohms

Die Sparkassen haben bei der angestrebten Konsolidierung ihres Sektors einen weiteren heftigen Rückschlag erlitten. Nach exklusiven Informationen von Finanz-Szene.de ist die als sicher geltende Fusion der beiden verbundeigenen Backoffice-Dienstleister „S-Servicepartner“ und „DSGF“ geplatzt. Die beteiligten Parteien hätten sich nicht über die finanzielle Absicherung von Risiken und die Bewertung der Gesellschafteranteilen einigen können, heißt es aus informierten Kreisen. Auch tarifliche und personelle Aspekte hätten eine Rolle gespielt. „Man hat verabredet, dass, wo es bereits Kooperationen gibt, diese nun vertieft werden sollen“, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person. Langfristiges Ziel bleibe die Fusion, für den Moment sei das Thema aber vom Tisch.

Die S-Servicepartner-Gruppe und die DSGF (das Kürzel steht für „Deutsche Servicegesellschaft für Finanzdienstleister“) besorgen Backoffice-Dienste für hunderte Sparkassen und sonstige Banken hierzulande. Mit einem addierten Jahresumsatz von knapp 300 Mio. Euro und aggregiert gut 4.500 Mitarbeitern gehören sie zu den größten Verbundunternehmen überhaupt in der S-Finanzgruppe.

Hinter der S-Servicepartner stehen auf Holdingebene die Landesbank Berlin (also de facto der deutsche Sparkassenverband) mit 50%, die Hamburger Sparkasse mit 37% sowie in geringerem Umfang die Sparkasse Münsterland-Ost und die schleswig-holsteinischen Sparkassen. An einzelnen Regionalgesellschaften sind auch Kreissparkasse Augsburg, die Sparkasse Südpfalz, die Nassauische Sparkasse und die Wartburg-Sparkasse beteiligt. Bei der DSGF wiederum handelt es sich – vereinfacht gesagt – um ein Gemeinschaftsunternehmen der bayerischen, hessischen, rheinischen, westfälischen und ostdeutschen Sparkassen.

Noch vor wenigen Monaten hatte es innerhalb der S-Finanzgruppe geheißen, die Fusion der beiden Verbundunternehmen sei auf einem guten Weg. Damals war von einem ausgearbeiteten „Letter of intent“ die Rede gewesen und davon, dass der Zusammenschluss innerhalb des ersten Quartals 2021 rückwirkend zum 1. Januar perfekt gemacht werden solle. Auch Details der Pläne wurden seinerzeit lanciert. So sollten zunächst die S-Servicepartner-Holding und die DSGF-Holding verschmelzen und dann peu à peu die darunter hängenden, operativ tätigen Regionalgesellschaften. „Über einen auf rund vier Jahre angelegten Zeitraum soll dann ein großer Dienstleister entstehen“, schrieb „Finanz-Business“. Zur Einordnung: Mit seinen grob 4.500 Mitarbeitern wäre das Fusionsunternehmen gemessen an den Beschäftigten sogar größer gewesen als die Finanz Informatik, also der zentrale IT-Dienstleister der Sparkassen, ihren mit zuletzt 4.000 Mitarbeitern.

Insider werten das drohende Scheitern des Zusammenschlusses als bitter. Denn: Dass eine Konsolidierung und Standardisierung von Backend-Tätigkeiten grundsätzlich Sinn macht – daran gibt es innerhalb des Sektors kaum Zweifel. Folgt man den Selbstbeschreibungen der S-Servicepartner und der DSGF, so scheint es zwischen den Diensten der beiden Unternehmen (soweit wir das als Außenstehende beurteilen können) keine wesentlichen Unterschiede zu geben. Im Kern geht es um Marktfolge-Services für das Kreditgeschäft, das Wertpapiergeschäft und den Zahlungsverkehr. Daneben unterstützen die beiden Firmen die Sparkassen bei Aufgaben wie Rechnungswesen, Controlling oder Meldewesen. In welchem Umfang einzelne Sparkassen mit den Servicegesellschaftern partnern, kann sich von Fall zu Fall unterscheiden.

Die S-Servicepartner (gegründet 1994 als Servicegesellschaft für die Landesbank Berlin sowie die damalige Bankgesellschaft Berlin) und die DSGF (im Jahr 2006 hervorgegangen aus dem Zusammenschluss zweier lokaler Sparkassen-Dienstleister) sind in den vergangenen Jahren von Nischenplayern zu mächtigen Organisationen herangewachsen. In der Regel geschah dies über Fusionen – teils aber auch dadurch, dass einzelne Sparkassen komplette Back-Office-Einheiten an eines der beiden Verbundunternehmen auslagerten, um die Dienstleistungen fortan dort einzukaufen.

So verschob beispielsweise die Sparkasse Germersheim-Kandel kürzlich 40 Mitarbeiter in die rheinland-pfälzische Regionalgesellschaft der S-Servicepartner – „bei gleicher Bezahlung und gleichen Ansprüchen auf Sozialleistungen“, wie es in einem lokalen Zeitungsbericht hieß. Ein anderes Beispiel ist die Sparkasse Vorderpfalz, die im vergangenen Sommer 112 Mitarbeiter an die DSGF auslagerte. Auch hier blieben die bestehenden Arbeitsverträge gültig. Solche Arrangements ermöglichen der S-Servicepartner und DSGF einerseits ein schnelles Wachstum. Andererseits entstehen dabei aber auch Komplexitäten, die das beabsichtigte Fusionsvorhaben zumindest nicht leichter gemacht haben dürften.

Alles in allem bestand die S-Finanzgruppe per Ende vorletzten Jahre aus 520 einzelnen Gesellschaften – darunter neben 379 Sparkassen, 5 Landesbanken, 8 Bausparkassen und 10 Erstversicherern eben auch diverse Schattenspieler wie die S-Servicepartner oder die DSGF. „Die Konsolidierung im Sparkassensektor wird weiter voranschreiten“, sagte gestern einer unserer Gesprächspartner – „aber bei uns dauert es halt gern ein bisschen länger.“

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