Sparkassen vergeben Löwenanteil der Corona-Hilfskredite

16. Juli 2020

Von Christian Kirchner

Deutschlands Sparkassen haben im Zuge der Corona-Kreditprogramme der KfW deutlich mehr Kredite ausgereicht als andere Bankengruppen in Deutschland. Das geht aus der Antwort des Wirtschaftsministeriums auf eine Anfrage der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen hervor. Demnach haben die Sparkassen in Deutschland bis 31. Mai 2020 über die zwei wesentlichen Hilfskanäle – dem so genannten KfW-Schnellkredit und dem so genannten KfW-Unternehmerkredit – zusammen rund 7,6 Mrd. Euro ausgereicht. Es folgen andere Banken (also die Groß- und Regionalbanken) mit 5,6 Mrd. Euro ausgereichten Hilfskrediten und die Geno-Banken mit 4,8 Mrd. Euro.

Die seit März auf den Weg gebrachten Kreditprogramme sind nicht nur für die Unternehmer, sondern auch für die Banken in Deutschland von großer Bedeutung: Sie dienen zum einen als Ertragsquelle, weil die Banken für die Kreditprüfung und -auszahlung ein Bearbeitungsentgelt sowie eine kleine Zinsmarge erhalten, zugleich aber kaum haften: Beim KfW-Schnellkredit für Unternehmen mit mindestens 10 Mitarbeitern und maximal 800.000 Umsatz haften Banken überhaupt nicht, beim KfW-Unternehmenskredit für mindestens fünf Jahre alte Unternehmen und auch sehr hohen Kreditsummen lediglich mit 90 Prozent. Zum anderen festigen die Hilfskredite auch die Kundenbeziehung und verhindern Kreditausfälle an anderen Fronten: Gemäß den Programmbestimmungen ist etwa die Zahlung von regulären laufenden Kreditraten eines Hausbankdarlehens aus Mitteln des KfW-Schnellkredites zulässig.

Hier die Verteilung der Kredite im so genannten „KfW Schnellkredit“ (Unternehmen > 10 Mitarbeiter, max. 800.000 Euro, Zins 3% p.a.) per Ende Mai 2020:

 

… und hier im KfW-Unternehmenskredit (Unternehmen > 5 Jahre, kein „Limit“, Zins bonitätsabhängig 1 – 2,12% p.a.):

 

Zum Vergleich: Auf Sparkassen entfielen damit rund 41% der vergebenen KfW-Kredite, laut letzter Bundesbank-Statistik lediglich 22% der gesamten Banken-Bilanzsummen in Deutschland.

Und noch ein interessantes Detail hält die „Kleine Anfrage“ bereit – eine nachgerade unglaublich hohe Annahmequote. Laut der Antwort des Wirtschaftsministeriums wurde kein einziger (!) KfW-Schnellkredit von der KfW abgelehnt, der von der Hausbank „durchgereicht“ wurde, allerdings 9.465 zugesagt per 31. Mai 2020. Von den KfW-Unternehmerkrediten wurden 39.117 zugesagt und lediglich 26 aus nicht näher bezeichneten Gründen von der KfW abgelehnt. Das entspricht also – sofern die Hürde „Hausbank“ genommen wurde, die ihrerseits kaum oder gar nicht haftet – einer Annahmequote von 99,95% auf Ebene der KfW.

Die Zahl irritiert etwa den Grünen-Abgeordneten Danyal Bayaz, einen der Fragesteller hinter der „kleinen Anfrage“: „Es muss gewährleistet werden, dass diese Hilfen in die richtigen Hände gegeben werden. Die niedrige Ablehnungsquote bei den Anträgen lässt an diesem Punkt Zweifel aufkommen. Banken verdienen an den Hilfskrediten ordentlich mit. Es war richtig, schnelle und unbürokratische Corona-Hilfen auf den Weg zu bringen. Aber Schnelligkeit und Gründlichkeit dürfen sich nicht ausschließen. Jetzt muss es darum gehen, auch die bisherigen Kreditvergabe und eine angemessene Antragsprüfung der Hausbanken zu überprüfen“, so Bayaz.

Erstaunlich: Die Bundestagsabgeordneten erkundigten sich in der Anfrage auch nach den Entgelten und Margen der Banken bei den Hilfskrediten. Diese Antworten wurden den Bundestagsabgeordneten zwar zugeleitet, allerdings mit dem Sperrvermerk „Verschlusssache – nur für den Dienstgebrauch“ versehen. Gegen eine Veröffentlichung spräche unter anderem das berechtigte Interesse der Banken, keine wettbewerbsrelevanten Informationen veröffentlichen zu müssen.

Auf Finanz-Szene.de-Nachfrage teilte das Wirtschaftsministerium indes mit, an den einst kommunizierten Entgelten und Margen habe sich nichts geändert. Demnach sollten die Hausbanken für jeden über sie vermittelten Schnellkredit eine Pauschale von 1000 Euro zuzüglich einer „Marge“ von 0,2% p.a. der Kreditsumme erhalten. Im Gegenzug für die risikolosen Erträge verpflichten sich die Institute unter anderem, im Falle von Ausfällen für die KfW die Kreditverwertung übernehmen – wofür sie dann mit einer Beteiligung von 9% am Verwertungserlös beteiligt werden (siehe auch hier).

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