Analyse

Sparkassen-Zahlen: 2019 ein Bröckeln – 2020 der Absturz?

19. März 2020

Von Christian Kirchner

Bilanz-PKs sind keine einfache Sache in diesen Tagen. Der Standard sind Telcos mit gelegentlichen technischen und akustischen Unzulänglichkeiten, und berichten wollen Banken und Verbände übers abgelaufene Jahr, während die Fragen eher dem Hier und Jetzt gelten. Droht eine Kreditklemme? Und wie schlimm wird’s wirklich mit den Kreditausfällen und womöglich gar mit dem Eigenkapital?

Die gestrige Pressekonferenz des DSGV machte hier keine Ausnahme – wobei sich der Erkenntnisgewinn bezüglich des Hier und Jetzt in Grenzen hielt: Ja, es wird schlimm. Ja, der „Shutdown“ treibt viele Kunden an die Grenzen ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit. Aber auch: Man schaffe das. Und an die Konkurrenz gerichtet: Was die geplante KfW-Notkredite angehe, seien „nur Sparkassen und Genossenschaftsbanken in der Lage, ein solches Programm flächendeckend in Deutschland umzusetzen“.

Aha.

Kann es sein, dass der Blick zurück dann doch spannender ist?

  • Das Betriebsergebnis vor Bewertung sank um 4% auf 9,6 Mrd. Euro, der Jahresüberschuss blieb unverändert bei 1,8 Mrd. Euro – wobei zu berücksichtigen ist, dass der DSGV seinen Überschuss aus dem vorvergangenen Jahr (also 2018) von 2,2 auf 1,8 Mrd. Euro korrigiert hat. Begründung: Man habe letztlich „mehr Vorsorgereserven gebildet habe, als zum Zeitpunkt der letzten Bilanzpressekonferenz klar war“. Praktisch: So sieht nun der Vergleich 2019 mit 2018 stabil aus anstelle um ein knappes Fünftel zu sinken.
  • Die wesentliche Erklärung der Entwicklung: Der Zinsüberschuss sank um rund 0,6 auf 20,2 Mrd. Euro, der Provisionsüberschuss stieg (immerhin) um 0,4 Mrd. Euro, aber der Verwaltungsaufwand eben auch um rund 0,3 Mrd. Euro – er bewegt sich damit seit fünf Jahren in einem Band zwischen 18,2 und 19,2 Mrd. Euro und ist nun wieder am „oberen Ende“ angekommen – wegen „erhöhte Anforderungen aus Regulatorik, Digitalisierung und Vertrieb“. Saldiert man alle Effekte, fehlt den Sparkassen also rund eine halbe Milliarde operativer Gewinn zum Vorjahr
  • Wie die Genossen kämpfen auch die Sparkassen mit viel Neugeschäft bei Krediten gegen die Rückgang des Zinsüberschusses. Die Kreditbestände von Unternehmen bei Sparkassen wuchsen 2019 um 5,7% zum Vorjahr auf 444 Mrd. Euro. Bei privaten Krediten legten sie um 4,3% auf 367 Mrd. Euro zu. Ein Blick auf das Neugeschäft illustriert jedoch, wie sehr auch die marktführenden Sparkassen strampeln müssen, um ihr Kreditvolumen im Privatkundengeschäft um eben jene 4,3% auszuweiten: dafür muss das Kreditneugeschäft um 13,8% (!) zulegen, da eben auch viele Kunden ihre (oft höher verzinsten) Altkredite abbezahlen oder vorzeitig tilgen. Im privaten Wohnungsbaugeschäft legte das Kreditneugeschäft gar um 17% zu, um damit 5,9% Wachstum des Volumens zu generieren. Rund ein Fünftel des Volumens wird näherungsweise pro Jahr so „durchgetauscht“
  • Der Wertpapier-Nettoabsatz belief sich auf 10,8 Mrd. Euro – damit reißt der zuvor jahrelang positive Trend ab, denn gegenüber dem Vorjahr ging der Wertpapier-Nettoabsatz um 22% zurück, obwohl 2019 ein hervorragendes Börsenjahr war.
  • Zur Entwicklung von Apple Pay gab es wenig Neues außer Worthülsen: „Wir sind sehr zufrieden, Apple ist sehr zufrieden“ (siehe bereits unsere Analyse hier) – und an der Girocard-Integration in Apple Pay arbeite man „mit Hochdruck (siehe wiederum unsere Analyse hier), erklärte DSGV-Präsident Helmut Schleweis gestern.

Die wichtigsten Kennziffern in der Übersicht:

in Mrd. Euro 2017 2018 2019 19 vs. 18
Kredite 794 823 861 5%
Einlagen 911 950 995 5%
Zinsüberschuss 21,5 20,8 20,2 -3%
Provisionsüberschuss 7,6 7,8 8,3 6%
Kosten 18,9 18,9 19,2 2%
Ergebnis vor Bewertung 10,5 10 9,6 -4%
Ergebnis nach Bewertung 5,8 5,4 5,5 2%
Ergebnis vor Steuern 5 4,5 4,3 -4%
Jahresüberschuss 2,1 1,8 1,8 0%
Cost-Income-Ratio in % 64 66 67 2%
Kernkapitalquote in % 15,9 16,2 16 -1%
gerundet

Wie nun weiter von hier? Nun muss man nicht studiert haben für die Erkenntnis, dass nicht nur den Sparkassen harte Zeiten ins Haus stehen, denn der Netto-Wertpapierabsatz dürfte 2020 ebenso einen Schwinger bekommen wie das Kredit-Neugeschäft jenseits der Not- und Förderkredite – dass die strukturelle Nachfrage nach Krediten für Investitionen, Konsum oder Wohnungsbau vor dem Hintergrund der sich abzeichnenden konjunkturellen Katastrophe sinken dürfte, liegt auf der Hand. Das Rezept „Mehr Volumen gegen sinkende Zinsüberschüsse“ geht dann nicht mehr auf. Vor allem bei den Kreditausfallquoten dürfte es stürmisch werden. Die Risikovorsorge im Kreditgeschäft betrug 537 Mio. Euro. „nur ein Fünftel dessen, was die Sparkassen vor zehn Jahren zu verbuchen hatten. Allerdings müssen wir damit rechnen, dass sich diese Entwicklung durch die Corona-Pandemie ab 2020 deutlich verschlechtern wird“, erklärte der DSGV gestern.

Immerhin: In die harten Zeiten marschieren die Sparkassen laut gestrigen Zahlen mit 16% Kernkapitalquote und 4,1 Mrd. Euro höheren Vorsorgereserven – Werte, von denen viele privaten Institute nur träumen können.

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