Exklusiv

Targobank nimmt Tagesgeld und Sparbuch aus Angebotspalette

13. August 2021

Von Christian Kirchner

Die Targobank vollzieht einen radikalen Schritt und nimmt nach Informationen von Finanz-Szene.de Sparbücher und Tagesgeldkonten aus der Angebotspalette. Betroffen sind nicht nur – wie bei anderen Banken – Neukunden, sondern auch die rund 3,7 Mio. Bestandskunden können die Sparprodukte nicht länger eröffnen. Von der Website der Targobank sind die Produkte schon komplett verschwunden. Einzig im Angebot verblieben ist das Festgeldkonto, das allerdings erst ab zwei Jahren fixer Laufzeit eine weitgehend zinsfreie Möglichkeit bietet, sein Geld zu parken (effektiver Jahreszins: 0,01% für 2 Jahre). Bestehende Tagesgeldkonten und Sparbücher werden fortgeführt.

Eine Sprecherin der Targobank begründete die außergewöhnliche Maßnahme auf unsere Anfrage hin wie folgt:

„Als Reaktion auf das aktuell schwierige Zins- und Wettbewerbsumfeld und die zuletzt hohen Zuflüsse an Kundeneinlagen, haben wir uns dazu entschieden, bis auf Weiteres keine Neuabschlüsse für Spar- und Tagesgeldkonten mehr anzubieten. Unsere Kundenberater*innen beraten unsere Kund*innen aber gerne zu alternativen Anlagemöglichkeiten.“

Die typische Maßnahme von Banken zur Abwehr unerwünschter Einlagen sahen bislang üblicherweise (meist in dieser Reihenfolge) so aus:

  1. Die Zinsen wurden zunächst auf Null gesenkt
  2. Neukunden wurden keine Sparprodukte mehr angeboten, siehe das Beispiel der Comdirect von Anfang 2020 oder  das Beispiel der ING Deutschland von Herbst 2020
  3. Dann kamen die „Verwahrentgelte“, jedenfalls oberhalb bestimmter Freibeträge

So ging auch die Targobank bislang vor und bediente sich dabei einer sogenannten Staffelung, indem sie Kunden bei Giro- wie Sparprodukten grundsätzlich einen Freibetrag von 50.000 Euro einräumte. Bei einem monatlichen Durchschnittssaldo von 50.000 Euro über alle Konten hinweg fällt eine monatliche Gebühr von 10 Euro an, zwischen 100.000 und 250.000 Euro von 20 Euro und so weiter – bis zu einem Maximum von 50 Euro pro Monat für Guthaben. Die effektiven „Verwahrentgelte“ bewegen sich faktisch zwischen 0,1% und 0,5%.

Gleichwohl konnte auch das „Verwahrentgelt“ die Einlagenflut der Targobank nicht stoppen. 2019 stiegen die Einlagenvolumina um 11%, im abgelaufenen Geschäftsjahr dann um 13% auf 20,3 Mrd. Euro.

Auffällig: Der Targobank hat trotz ihrer hohen Einlagen seit Jahren einen konkurrenzlosen niedrigen Zinsaufwand. Im letzten Jahr mit testiertem Geschäftsbericht – 2019 – beliefen sich die Kosten trotz der zweistelligen Milliarden-Einlagen auf lediglich 41 Mio. Euro. Offenkundig will sich die in Düsseldorf ansässige Tochter der französischen Credit Mutuel diesen Wettbewerbsvorteil in der Refinanzierung unter keinen Umständen durch steigende Einlagen kaputtmachen lassen oder gar selbst dafür Negativzins bei der Zentralbank bezahlen.

Zehn (fast) unglaubliche Sätze aus dem Targobank-Abschluss

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