Exklusiv

TEO-Spardas locken neue Kunden mit bis zu 190 Euro Cash

20. Mai 2021

Von Christian Kirchner

Wenn es hier bei Finanz-Szene.de in den vergangenen Monaten eher ruhig um die (Zwangs-) Einführung der Multibanking-App „TEO“ bei den Sparda-Banken in Nürnberg, München, Augsburg und Baden-Württemberg wurde, dann hat das nichts damit zu tun, dass es auch an der Kundenfront ruhiger geworden wäre. Ganz im Gegenteil: Die Rezensionen zur App auf nachgerade allen Bewertungsportalen und App-Stores (siehe etwa hier, hier, hier oder hier) zeichnen weiter ein besorgniserregendes Bild.

Nun gehört Ruckeln und Zetern zu einem grundlegenden IT-Wechsel stets dazu. Wie genau sich aber die TEO-Einführung objektiv in Kundenzahlen bei den betreffenden Spardas (siehe auch hier, wer warum dabei ist und wer nicht) niederschlägt, lässt sich allenfalls erahnen. Das hat drei Gründe:

  • Erstens haben sich zwei der vier „TEO-Spardas“ – die in Augsburg und die Baden Württemberg – überhaupt noch nicht zum Geschäftsjahr 2020 geäußert, als es mit TEO richtig „los“ ging
  • Zweitens sind die frühen Indikationen der beiden anderen allenfalls rudimentär: Die Sparda München verlor 2020 16.000 bzw. 5% ihrer Girokonto-Kunden. Bei der Sparda Nürnberg halbierte sich die Brutto-Neukundengewinnung zum Vorjahr und blieb die Mitgliederzahl kaum verändert (was man bei beiden Häusern auf Corona schiebt), allerdings…
  • Drittens: Mahlen die Mühlen bei den Geno-Banken langsam. Zwischen dem Entschluss zur Kündigung und dem Vollzug und Austritt vergeht mitunter ein halbes Jahr und länger. Die Kunden sind nun mal Genossenschaftsmitglieder, das heißt, Kündigungen schlagen sich erst mit langem Verzug auf die tatsächlichen Kundenzahlen nieder

Nun gibt es allerdings einen spannenden „Proxy“, wie es so schön heißt, um heraus zu finden, wie wichtig es einer Bank ist, neue Kunden zu gewinnen, mithin also etwas für ihre Netto-Kundenzahl zu tun. Einen gewissen (natürlichen) Abrieb gibt es schließlich immer, Wechsler, Unzufriedene oder schlicht Kunden, die sterben. Dieser Proxy heißt: Neukunden-Prämien. Die sinken branchenweit seit Jahren (zuletzt etwa selbst bei N26), denn so langsam hat sich herum gesprochen, dass die Kunden, die man mit Bargeld statt mit Leistung lockt, womöglich langfristig nicht die ertragreichsten sind. Die Commerzbank – einst an der Spitze der „Wir drücken Ihnen Cash in die Hand, wenn sie ein Konto eröffnen“-Bewegung – hat sogar eine 180-Grad-Wende hingelegt, die Incentives weitgehend abgeschafft und die Gratis-Konten gleich hinterher.

Bei den Sparda-Banken sieht man das ähnlich. Größtenteils jedenfalls. Bei der Sparda Südwest oder der Sparda Hamburg gibt es überhaupt nichts für die Eröffnung neuer Konten – weder für Neukunden noch für den Werber. Bei den Spardas West, Berlin, Hannover, Hessen, Ostbayern fließen – mal für den „Werber“, mal für Neukunden – eher symbolische 25 bis 30 Euro, eine inzwischen branchenübliche Miniatur, wenn ein Kunde ein neues Girokonto eröffnet. Finanz-Szene hat sämtliche dieser Spardas befragt, ob wir eventuell ein Programm für neue Girokonten bei der Recherche übersehen haben – hatten wir nicht.

Ganz anders aber die Sparda München. Die hat am 3. Mai eine Aktion gestartet (siehe hier), die Werbern 30 Euro für einen Neukunden zahlt – und den Neukunden selbst 75 Euro Startguthaben, und das bedingungslos. Und um das Konto zu eröffenen, muss man inzwischen nicht mal mehr Genossenschaftsmitglied werden. Es locken mithin 105 Euro Cash für Werber und Neukunden.

125 Euro locken wiederum seit vorvergangenem Mittwoch bei der Sparda Baden-Württemberg, zusammengesetzt aus 75 Euro für den Werber und 50 Euro für den Neukunden (siehe hier). Offizielle Begründung der Aktion: Weil die Bank nun mal 125 Jahre alt geworden sei. Deshalb läuft die Aktion auch zunächst 125 Tage bis September.

Etwas weiter südöstlich, bei der Sparda Augsburg, sind es 130 Euro. 30 Euro bekommt der Werber, 100 Euro (!) der Neukunde, ebenfalls weitgehend bedingungslos (siehe hier).

Spitzenreiter unter den Spardas ist aber unangefochten aktuell die Sparda Nürnberg. Die haut in toto aktuell 190 Euro raus, und zwar 90 Euro für den Werber und 100 Euro Startguthaben für den oder diejenige, die ein neues Girokonto eröffnet – Begründung für die 90 Euro Werber-Prämie: Die Bank sei ja nun mal 90 Jahre alt geworden (siehe hier).

Die Grafik verdeutlich die Korrelation noch einmal auf einen Blick. Links: die sieben Nicht-„TEO“-Spardas, die weiterhin auf die klassische Sparda-Banking-App setzen. Rechts: die vier „TEO“-Spardas, die die klassische Sparda-Banking-App abschalten wollen oder dies bereits getan haben.

Unsere Interpretation, dass es sich bei der Korrelation eher nicht um einen Zufall handelt, wurde auf Anfrage zurückgewiesen. So schreiben die Spardas München, Augsburg und Nürnberg auf Anfrage gleichlautend: „Die Gruppe der Sparda-Banken besteht aus elf wirtschaftlich und rechtlich eigenständigen Instituten – jede Sparda-Bank plant daher auch ihre Neukundengewinnung individuell (….) Über die Höhe der Incentivierung wird jeweils anlassbezogen entschieden.“

Die Sparda Baden-Württemberg verwies auf das 125-jährige Jubiläum. „Einen weiteren Zusammenhang wie von Ihnen interpretiert gibt es nicht“, so ein Sprecher.

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