Spezialbanken-Ticker

Sämtliche „Auslands- und Spezialbanken“-News aus dem November 2023

In unserem Spezialbanken-Ticker beleuchten wir all jene Banken, die ansonsten eher wenig beleuchtet werden – von den Sutors bis hin zu den Advanzias, von den Förderbanken bis hin zu den Kirchenbanken, von den Whitelabel-Spezialisten bis hin zu den Auslandsbanken.

Hier unser Ticker für November:

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Von Squad bis Tribe: So stellt J.P. Morgan seine deutsche Retailbank auf

Man kann die Pläne von J.P. Morgan als ambitioniert bezeichnen. Oder als verrückt. Was bringt das größte amerikanische Finanzinstitut dazu, eine neue Retailbank in den deutschen Markt zu schicken? Wo der deutsche Retailmarkt doch als traditionell „overbanked“ gilt. Und wo sich die Folgen dieser „Overbanked“-Konstellation ja auch ganz konkret zeigen dieser Tage. Man denke an die Probleme der PSD-Banken und der Sparda-Banken. Oder an die an Deutsche Bank, die es einfach nicht schafft, mit ihren 12 Mio. Postbank-Kunden irgendwie Geld zu verdienen. Nun mag man sagen: Ganz andere Baustelle! Schließlich hat J.P. Morgan keine Altlasten mitzuschleppen. Kann einfach loslegen. Auf der grünen Wiese. Komplett digital. Mobile first. Vielleicht sogar: Mobile only. Indes – eine Erfolgsgarantie ist auch das nicht. Denn: Ist da wirklich noch Platz neben der ING Diba, der DKB und N26? Und zeigt nicht gerade das Beispiel N26, wie schwer das mit dem Geldverdienen im deutschen Markt selbst als digitaler Player ist? Sei’s drum. Was jedenfalls feststeht: J.P. Morgan will das mit der deutschen Retailbank jetzt wirklich durchziehen. So zeigen Recherchen von Finanz-Szene, dass in Berlin inzwischen eine veritable Organisationsstruktur existiert, mit einem Head of Europe, mindestens zehn Executives Directors, mit Squads und Tribes und Risikomanagern und Account-Managern und Compliance-Leuten und outgesourcten Funktionen (Warschau, Indien) und was es sonst noch alles für den Markstart braucht. Sehen Sie hier die inzwischen sehr konkreten Umrisse der deutschen Retailbank von J.P. Morgan: FS Premium

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Kurz getickert

  • Das Verfassungsgerichts-Urteil zum Bundeshaushalt hat Folgen für die KfW. Die Staatsbank legt fürs Erste sechs ihrer Programme auf Eis, darunter die Förderung des genossenschaftlichen Wohnens sowie ein Programm, das altersgerechte Umbauten bezuschusst. Mitteilung
  • Die DWP Bank (also der Wertpapier-Abwickler von Sparkassen und Genobanken) will 2026 ihren Sitz verlegen – und zwar von Frankfurt ins benachbarte Eschborn. Immobilienmanager
  • Die Bafin hat die nächste Sanktion gegen eine kleinere Auslandsbank verhängt – diesmal gegen die hiesige Dependance der Credit Europe Bank, die ein Bußgeld von 40.000 Euro zahlen muss, weil sie Mängel bei der Aktualisierung ihrer Kundendaten aufweist.

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Nach dem Boom: Wie Leasing-Anbieter ihr Angebot erweitern und automatisieren

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Kurz getickert

  • Die Bafin erhebt weitreichende Vorwürfe gegen die auf „Islamic Finance“ spezialisierte Frankfurter KT Bank. Hier geht es um „Mängel im Kreditgeschäft und in der Geldwäsche-Prävention“, zudem habe eine Leitungsperson „ihre Aufsichtspflicht verletzt“. Die Konsequenzen: Mehr Eigenmittel. 7.500 Geldbuße. Und ein Sonderbeauftragter.
  • Prestige-Mandat für die BNP Paribas: Die Frankfurter Dependance der französischen Großbank agiert als Verwahrstelle für den „Wachstumsfonds Deutschland“ von Bundesregierung und KfW Capital.

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Exklusiv: Goldman Sachs kommt mit Frankfurter „TxB“-Einheit nicht in die Gänge

Der Launch hatte sich zwar verzögert. Dem Selbstvertrauen aber tat das keinen Abbruch. „Wir verstehen die Herausforderungen eines komplexen, globalen Treasury-Geschäfts und haben unsere Plattform so konzipiert, dass sie flexibel, sicher und benutzerfreundlich ist“ – so sagte es Hari Moorthy, Chef des globalen Transaction Bankings von Goldman Sachs, als die US-Bank vor einem Jahr in Frankfurt mit einer „TxB“-Einheit für Europa an den Start ging. Und seitdem??? Seitdem hat sich einiges getan. Zumindest bei Hari Moorthy. Der nämlich wurde neulich gefeuert. Angeblich wegen der Nutzung unregulierter Kommunikationskanäle (a.k.a. Whatsapp), wie angelsächsische Finanzmedien genüsslich berichteten – wobei die Berichterstattung zugegebenermaßen vor allem deshalb so genüsslich ausfiel, weil Moorthy an der Wall Street als der Banker galt, der den Goldmännern das Meditieren beigebracht hat (siehe –> Hari Moorthy brings meditation and new tech to Goldman Sachs), wobei das natürlich eine völlig andere Geschichte ist als die, die wir Ihnen heute Morgen erzählen wollen. Unsere eigene Leitfrage lautet nämlich nicht, was bei Moorthy seit letztem Jahr passiert ist. Sondern: Was ist seitdem bei der Frankfurter „TxB“-Einheit geschehen? Die Antwort hier: Viiieeelll weniger! Doch wie viel weniger genau? Unsere exklusive Recherche: FS Premium

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Kurz getickert

  • Die DWP Bank setzt ihre – zuletzt von mäßigem Erfolg gekennzeichnete – Produktoffensive fort. So will der Wertpapier-Abwickler der beiden Verbünde mithilfe zweier Fintech-Dienstleister (Investify, Dericon) eine „Vermögensverwalter-Plattform“ aufbauen. Ziel: Semi-affluente Endkunden (bis zu 250.000 Euro) von Sparkassen und Volksbanken sollen über den Marktplatz ihre persönliche VV-Lösung finden.

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Der ultimative Schlag gegen Targobank, Santander und Co.

Das Geschäft mit der Restschuld-Versicherung war jahrelang eine der wichtigsten Ertragsquellen unserer Konsumenten-Finanzierer. Doch dann: Kam der Provisionsdeckel. Und nun? Ist es in Berlin in dieser Woche zu einem politischen Coup gekommen, der zur Folge haben könnte, dass bereits am heutigen Freitag das faktische Aus für die Restschuld-Versicherung beschlossen wird. Unsere Recherche: FS Premium

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Was der mögliche Hanseatic-Verkauf über den Kreditkarten-Doom verrät

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Auch die Essener National-Bank wechselt zur Atruvia

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Kurz getickert

  • Von der oben schon gewürdigten National-Bank Essen gibt es weitere Neuigkeiten: Laut Vorstandschef Thomas Lange (via „BÖZ“/Paywall) hat das Regionalinstitut bereits Ende letzten Jahres von der HSBC Deutschland deren Geschäftsbereich „Insolvenzgeld-Vorfinanzierung“ übernommen. Dadurch komme man in dem Nischenmetier jetzt auf ein Volumen von gut 500 Mio. Euro sowie beim Neugeschäft auf einen Marktanteil von gut 50%.
  • Die KfW macht (was anderen bestimmt längst aufgefallen ist, uns aber ehrlicherweise noch nicht) dieses Jahr wahnsinnig viel Tempo in der Export- und Projekt-Finanzierung, also jenem Geschäftsfeld, um das sich die Tochter Ipex kümmert. Per Ende September beliefen sich die Neuzusagen auf knapp 21 Mrd. Euro – nicht ganz, aber doch fast eine Verdopplung im Vergleich zum Vorjahr und auch signifikant mehr als in den Jahren davor. Ansonsten zeigen sich in der 9M-Mitteilung nicht die ganz großen Auffälligkeiten. Das Fördervolumen beläuft sich auf 81 Mrd. Euro (was ungefähr im Mittel der ja recht abwechslungsreichen letzten Jahre liegt), der Konzerngewinn fällt mit 1,22 Mrd. Euro gewohnt proper aus.

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Die OLB ist reif für die Börse, ist reif für die Börse, ist reif für die Börse – oder?

Wäre die Oldenburgische Landesbank ein Apfel (oder gar eine Banane), dann müsste man ihr allmählich eine gewisse Überreife attestieren. So hat das Renditemonster aus der niedersächsischen Provinz auch gestern wieder ein Zahlenwerk präsentiert (38% bereinigte CIR, fast 15% EK-Rendite, Kurs auf 200 Mio. Euro Jahresgewinn), das förmlich darum bettelt, dass endlich, endlich, endlich einer reinbeißt. Fragt sich nur: Warum tut’s keiner? Liegt’s wirklich nur daran, dass die OLB zwar reif für die Börse ist, die Börse aber noch nicht für die OLB? Oder gibt’s da womöglich auch noch andere Gründe? Ein, zwei kurze Gedanken zum Thema: FS Premium

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Kurz getickert

  • Für alle, die das Stück zur OLB weiter oben nicht gelesen haben: Das ursprüngliche fürs laufende Geschäftsjahr angepeilte Closing der Degussa-Bank-Übernahme verzögert sich. Die Rede war am Mittwoch vom ersten Quartal 2024.

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Linktipps

Wer sind die Benko-Banken? Laut „Business Insider“ steht die schlingernde Immobilien-Gruppe bei mehr als 80 Geldhäusern in der Kreide, laut „Inside Paradeplatz“ könnte es allein bei Julius Bär um mehr als 500 Mio. Franken gehen. Inside Paradeplatz, Business Insider (via Yahoo)

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Wenn eine Bank (mitten in Deutschland) drei Viertel aller Stellen kappt

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RWA-Dichte! RWA-Effizienz! Die neuen Lieblings-Kennziffern unserer Banken

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Exklusiv: Frankfurter Goldman-Tochter verdoppelt H1-Gewinn

Die breitere Kapitalbasis und ein florierendes Handelsgeschäft lassen den Gewinn der Frankfurter Goldman Sachs Bank Europe wuchern. Im ersten Halbjahr kletterte das Nettoergebnis um 81% auf 299 Mio. Euro. Dabei weiteten sich die Handelsaktiva um knapp die Hälfte aus und zogen ein um 42% verbessertes Handelsergebnis nach sich. Insgesamt legten die Erträge um 18% auf 819 Mio. Euro zu. Zugleich fiel der Sachaufwand im Zuge rückläufiger Beiträge zum EU-Fonds für Bankenabwicklung um 29% auf nur noch 99 Mio. Euro.

Im Investment Banking machten steigende Erträge im Underwriting sowie im Corporate Lending schwindende Einnahmen vor allem in der M&A-Beratung mehr als wett; der Ertrag der Sparte zog um 22% an. Derweil trugen Zins- und Kreditprodukte sowie der Handel mit Aktienderivaten zwar dazu bei, dass der Ertrag in den Sparten FICC und Equities um 16% bzw. 19% zulegte. In erster Linie half dort allerdings die Zinswende, im Verein mit den jüngsten Kapitalerhöhungen, wie dem H1-Bericht der Frankfurter Tochter der US-Großbank weiterhin zu entnehmen ist.

Goldman Sachs Bank Europe, H1 23, Nettoerträge nach Sparte:

in Mio. Euro H1 23
Veränderung gg. H1 22 in %
Investment Banking 259 0,22
FICC 285 0,16
Equities 219 0,19
Investment Management 99 0,14
Insgesamt 862 0,18

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Kurz getickert

  • Bei FlatexDegiro ist der Cash-Bestand (mittlerweile so was wie der spannendste KPI der Frankfurter, siehe hier) im Oktober um gerundete 0,2 Mrd. auf 3,1 Mrd. Euro gesunken. Auch das Wertpapierkredit-Volumen ging leicht zurück, und zwar auf 0,9 Mrd. Euro
  • Ähnlich wie bei ING Diba (siehe weiter unten) ist auch bei der VW Bank der Depositen-Zufluss gestoppt. Nachdem der Einlagenbestand von Januar bis Juni um gut ein Drittel auf 34 Mrd. Euro explodiert war, blieb er im dritten Quartal nahezu stabil

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Aus der Szene

Als sich der Deutsche Derivate Verband im September in „Bundesverband für strukturierte Wertpapiere“ unbenannte, da blieb eine Frage irgendwie offen: Was soll das bringen????? Inzwischen fragen sich das auch immer mehr Mitgliedsbanken. Zumal sich „DDV“ immerhin googeln ließ. Wer dagegen „BSW“ in die Suchmaschine eingibt, landete bislang (kein Scherz) beim „Verbraucher-Service Beamten-Selbsthilfewerk“. Zu allem Überfluss steht seit dieser Woche nun allerdings auch noch der Name der neuen Partei von Sahra Wagenknecht fest. Nämlich: Bündnis Sahra Wagenknecht, kurz: BSW. Nach Informationen von Finanz-Szene (auch das: kein Scherz) wird innerhalb des BSW (also innerhalb jenes BSW, der früher DDV hieß) über eine erneute Umbenennung nachgedacht. Irgendwie passend, aus Google-technischen Gründen allerdings leider nicht zu empfehlen wäre: Chaotische Derivate-Union, CDU.

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Sämtliche Spezialbanken-News aus September und Oktober 2023

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