Spezialbanken-Ticker

Das Rätsel der Renell-Bank. Der PFOF-Optimismus bei Flatex. Alle Spezialbanken-News aus dem Juli

In unserem Spezialbanken-Ticker beleuchten wir all jene Banken, die ansonsten eher wenig beleuchtet werden – von den Sutors bis hin zu den Advanzias, von den Förderbanken bis hin zu den Kirchenbanken, von den Whitelabel-Spezialisten bis hin zu den kleinen Auslandsbanken.

Hier unser Ticker für Juli:

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Trotz PFOF-Verbot: Flatex setzt offenbar weiter auf Upfront-Zahlungen

FlatexDegiro-Chef Frank Niehage geht offenbar davon aus, dass Upfront-Zahlungen von ETF-Anbietern vom „Payment for Order Flow“-Verbot ausgenommen bleiben. Hintergrund: Der Frankfurter Online-Broker hatte in der Vergangenheit mit Aussagen für Erstaunen gesorgt, wonach „PFOF“-Zuwendungen (alle Hintergründe in unserem großen Themen-Dossier) angeblich nur rund 1% seiner Erträge ausmachen. Die mutmaßliche Erklärung dahinter: FlatexDegiro definiert als „Payment for Order Flow“ nur solche Zahlungen, die die Broker von Handelsplätzen wie der LS Exchange kassieren – aber nicht die Kickbacks von Zertifikate-Emittenten und ETF-Anbietern.

Bei der Präsentation der Halbjahres-Zahlen an diesem Dienstag betonte Niehage nun, man müsse die Provisionen für ETFs und sonstige Exchange-Traded-Produkte (ETPs) „technisch trennen“ von den „Payment for Order Flow“-Zahlungen. Nicht beziffert wurde allerdings, wie viel Prozent vom Umsatz die ETP-Zahlungen ausmachen und ob Flatex solche Provisionen überhaupt kassiert (auf Anfrage werden solche Geldflüsse vonseiten Flatex bislang weder bestätigt noch dementiert). Damit bleibt einstweilen offen, wie stark Erträge des Frankfurter Online-Brokers gefährdet wären, sollte das PFOF-Verbot letztlich doch breiter definiert werden (siehe auch jüngst unsere Analyse „Warum das Retail-Brokerage trotz PFOF-Verbot eine Wildwest-Welt bleibt“).

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Kurz getickert

  • Die Baader Bank hält sich nur noch mit Mühe (und dank steigender Zinsüberschüsse) in den schwarzen Zahlen. Im zweiten Quartal standen Gesamterträgen von 36,4 Mio. Euro fast ebenso hohe Gesamtaufwendungen von 35,3 Mio. Euro gegenüber – macht ein dünnes Plus von 1,1 Mio. Euro. Mitteilung 
  • Das Bankhaus Obotritia hat schon wieder Ärger mit der Aufsicht. 45.000 Euro Geldbuße muss das Münchner Institut zahlen, weil es bei der Bestellung neuer Aufsichtsräte schlampte – weitere 10.000 werden „für die verspätete Anzeige einer Großkredit-Überschreitung“ fällig. Mitteilung 

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Linktipps

  • Und jenseits der Grenze? Wie es im zweiten Quartal bei der BNP Paribas (siehe hier via „Finanz und Wirtschaft“) sowie bei Barclays (siehe hier CNBC) gelaufen ist.
  • What kind of VC does KfW Capital want to invest in? Die Venture-Capital-Spezialisten der Frankfurter Staatsbank haben es ins mehr oder weniger angesagte britische Startup-Magazin „Sifted“ geschafft. Sifted

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Herr Schellenberg, wann konzentriert sich die Apobank wieder aufs Geschäft?

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Kurz getickert

  • Der Frankfurter Online-Broker Flatex hat im zweiten Quartal einen Umsatz von 91 Mio. Euro (-1%) erwirtschaftet. Davon entfielen etwa drei Fünftel aufs Provisionsgeschäft (–18% auf 53 Mio. Euro) und nunmehr zwei Fünftel (+88% auf 32 Mio. Euro) aufs Zinsergebnis. Das Ebitda lag bei 29 Mio. Euro (–22%). Mitteilung
  • Der Chef der US-Großbank J.P. Morgan Chase, Jamie Dimon, hat gegenüber dem „Handelsblatt“ bestätigt, dass die Amerikaner an ihren Plänen für den Aufbau einer deutschen Retailbank festhalten – auch wenn das ganz große Tempo aus dem Projekt zuletzt raus war. Finanz-Szene hatte die Deutschland-Pläne von J.P. Morgan im Mai letzten Jahres enthüllt (siehe hier). In den folgenden Monaten verpflichteten die Amerikaner gleich mehrere namhafte Manager für das in Berlin angesiedelte Projekt (siehe u.a. hier). Zugleich wurde im Umfeld der US-Bank allerdings stets betont, zunächst die Entwicklung der britischen Online-Tochter „Chase“ abwarten zu wollen, bevor man hierzulande Ernst macht.

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3,2 Mrd. Euro – UBS Europe muss nach Fusions-Posse ihre Bewertung offenlegen

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Von Personal bis Aufsicht: Die vielen Baustellen der Frankfurter Citigroup

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Kurz getickert

  • Die in Liquidation befindliche Frankfurter VTB Bank Europe hat im vergangenen Jahr einen Fehlbetrag von 59 Mio. Euro erlitten – und kalkuliert laut Geschäftsbericht für 2023 eigentlich mit einem weiteren Verlust in Höhe von 77 Mio. Euro. Per Ende Juni steht untestierten Zahlen zufolge allerdings ein Gewinn von 27 Mio. zu Buche. Grund: Die Bank muss für die vorzeitige Rückzahlung von Krediten geringere Abschläge einräumen als erwartet. Hinzu kommen Währungseffekte. Die Bilanz schrumpfte 2022 um 39% auf 4,5 Mrd. und im ersten Halbjahr 2023 um 31% auf 3,1 Mrd. Euro. “Möglichst bis Ende des Jahres 2023” will das Institut das Bankgeschäft seiner Direktbank-Tochter beenden.

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Wussten Sie schon?

… dass Nickel (also die „Kiosk-Bank“ der BNP Paribas, alle Hintergründe siehe hier) dieser Tage den Soft-Launch in Deutschland vollzogen hat? Per Dienstagabend waren online bereits 28 Verkaufsstellen gelistet – darunter: der „Callshop Ostbahnhof“ am Orleansplatz 11 in 81667 München, die Bestellagentur Baake in der Hohekreuzstraße 17 in 99734 Nordhausen sowie (Bankenstadt ist nun mal Bankenstadt!!!) das Pressecenter Demir in der Straße Alt-Praunheim 46b in 60488 Frankfurt. Vermutlich dürfen wir uns die Bankstellen-Statistiker der Bundesbank jetzt als sehr, sehr glückliche Menschen vorstellen.

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24% effektiver Jahreszins – wie Advanzia, Hanseatic & Co. ihr Geschäft betreiben

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Kurz getickert

  • Im Gegensatz zu den Neobrokern, deren Geschäft zuletzt wieder etwas angezogen zu haben scheint (siehe hier und möglicherweise auch hier), hält die Trading-Flaute bei Sparkassen und Volksbanken offenbar an. So vermeldet ihr gemeinsamer Wertpapier-Abwickler, also die DWP Bank, für das zweite Quartal gerade mal 11,5 Mio. Transaktionen – im Vergleich zur Vorjahresperiode ein Rückgang um 8% und gemessen am bockstarken ersten Quartal 2022 (das bisherige Allzeithoch, soweit wir’s überblicken) sogar ein Delta von 28%.

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Linktipps

  • Und derweil jenseits des Atlantiks (I) – haben J.P. Morgan (dank Zinswende und First-Republic-Übernahme) sowie Wells Fargo (dank Zinswende) den Gewinn im zweiten Quartal ausgebaut, während bei der Citigroup (schwaches Handelsgeschäft) das genaue Gegenteil der Fall war: Manager Magazin
  • Und derweil jenseits des Atlantiks (II) – hat sich der Gewinn von Goldman Sachs im zweiten Quartal halbiert. Manager Magazin

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Nur 500 Mio. Euro??? Warum der deutsche Barclays-Deal deutlich fetter werden könnte

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Kurz getickert

  • Die Baader Bank verliert – durchaus überraschend, nach nicht einmal drei Jahren und mit unmittelbarer Wirkung – ihren Finanzvorstand Dietmar von Blücher. Der Aufsichtsrat sei Blüchers „Wunsch nach einem vorzeitigen Austritt nachgekommen“, heißt es in einer Mitteilung, in der AR-Chef Helmut Schreyer auffallend warme Worte für den scheidenden Manager findet („Danken Ihm für sein sehr hohes Engagement“, „Bedauern sein Ausscheiden sehr“, „Wünschen ihm für seinen beruflichen Weg weiterhin viel Erfolg!“). Blücher war Ende 2020 von der Comdirect zu Baader gewechselt und nach wenigen Monaten in den Vorstand aufgestiegen. Seine Aufgaben würden von Vorstandschef Nico Baader und Vize Oliver Riedel übernommen, heißt es.
  • Knapp zwei Wochen, nachdem Finanz-Szene über die angebliche Kündigung sämtlicher Mitarbeiter der Renell Bank berichtete, stellt sich das Management weiterhin stumm. Der Web-Auftritt besteht derweil nur noch aus einem Bild der Frankfurter City und dem Hinweis auf einen „Wartungsmodus“

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Exklusiv: Aufs eigene Buch, bitte! Aufsicht nordet EU-Einheit von Morgan Stanley ein

Steigende Erträge, explodierende Bilanz – aber auch ein immenser Kapitalbedarf, eine sinkende Profitabilität und die Aufsicht stets im Nacken: Das Beispiel der Frankfurter Einheit von Morgan Stanley steht beispielhaft für die Lage der EU-Broker-Dealer nach dem Brexit. Und, äh, operativ scheint’s so richtig rund auch nicht zu laufen. Hier entlang: FS Premium

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Warum das Retail-Brokerage trotz PFOF-Verbot eine Wildwest-Welt bleibt

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Die gewaltigen Sorgen des BNP-Paribas-Deutschland-Chefs Lutz Diederichs

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Forward

Bei unserem Partner-Medium „Finance Forward“ lesen Sie dieser Tage unter anderem das hier:

  • Nach der Implosion: Wie der hiesige Ableger der Silicon Valley Bank gerettet werden soll. FFwd

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Wussten Sie schon?

… dass die National-Bank Essen bei „Apple Pay via Girocard“ auf durchaus nennenswerte Konversionsraten kommt? Wie ein Vertreter des Instituts dieser Tage beim Branchen-Treff „DK Info“ skizzierte (wo wir professionshalber auch zugegen waren), haben seit dem Launch im April schon 18% der Apple-Nutzer unter den eigenen Kunden das neue Angebot aktiviert. Der Wettbewerb dürfte die Entwicklung mit Interesse verfolgen – schließlich ist die National-Bank die erste Privatbank überhaupt, die auf „Apple Pay via Girocard“ setzt (bekanntlich in Partnerschaft mit dem Bank-Verlag, siehe unsere Berichterstattung hier)

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Exklusiv – Rätselraten um die Renell Bank

Der 1985 gegründete und für seine Maklertätigkeit bekannte Wertpapier-Spezialist gehört am Finanzplatz Frankfurt eigentlich zum Inventar. Im Zuge der Mifid-II-Reform geriet die Renell Bank allerdings (genau wie manche Wettbewerber) in operativ schwieriges Fahrwasser. Und nun? Sorgt ein ominöses Schreiben an Geschäftspartner für Verwirrung – doch der Vorstand schweigt, anstatt sich zu äußern. Die Details: FS Premium

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Kurz getickert

  • Die Umweltbank rechnet für das H1 mit einem nur leicht positives Ergebnis vor Steuern – und begründet das u.a. mit einem rückläufigen Zinsergebnis (EQS-Mitteilung)

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Varengold in Not, Kiosk-Bank vor Launch: Alle Spezialbanken-News aus dem Juni

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