Umfrage

Tiefgarage und Fiebermessen: Wie Banken auf Corona reagieren

20. Oktober 2020

Von Christian Kirchner

Spätestens seit dieser Woche hat die Corona-Krise das Frankfurter Bankenviertel auch optisch im Griff. Nachdem der sog. „Inzidenzwert“ in der Main-Metropole auf inzwischen 122 hochgeschnellt ist, gilt in der Innenstadt nun sogar im Freien eine Maskenpflicht. Vorbei die Zeiten, da man auf dem kurzen Weg vom U-Bahn-Ausgang zum Bankenturm-Eingang wenigstens mal ganz kurz durchatmen konnte.

Freilich: Die neuen Regeln beschränken sich nicht aufs Freie. Und sie beschränken sich nicht auf Frankfurt. Im Zuge der neuen Infektionswelle haben viele Finanzdienstleister ihre Corona-Regeln noch einmal angepasst oder sogar verschärft. Wir haben bei neun großen Banken und zwei großen Fintechs nachgefragt – und festgestellt: zumindest in einer Hinsicht ist die Lage völlig anders als noch im Frühjahr, nämlich was die Filialschließungen angeht.

Hier der Überblick.

Deutsche Bank

„Wo wir im sogenannten Split-Operations-Modell arbeiten, wechseln die kleinen, fest eingeteilten Teams im Zwei-Wochen-Rhythmus zwischen Büro und Homeoffice. Wem das angesichts des steigenden Infektionsgeschehens zu unsicher wirkt, kann nach wie vor vorwiegend bzw. komplett von zuhause aus arbeiten – sofern Rolle und Funktion das zulassen. […] Unsere Filialen, diese schon vor Monaten mit Spuckschutzwänden ausgestattet wurden, sind und bleiben geöffnet. Die Kolleginnen und Kollegen vor Ort erhalten regelmäßig neue Schutzmasken. Physische Meetings werden möglichst durch digitale Formate ersetzt. Desinfektionsmittel stehen zur Verfügung. Auch in unseren Kantinen gelten seit Monaten strenge Abstands- und Hygieneregeln.“

ING Deutschland

„Vor dem Hintergrund der steigenden Infektionszahlen haben wir die Empfehlung ausgesprochen, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sofern „nicht betrieblich notwendig, von zu Hause arbeiten“. Mit dieser Empfehlung ist der Homeoffice-Anteil wieder gestiegen. Wer konnte bzw. kann, der arbeitet ohnehin bereits von zu Hause aus. Bis letzte Woche waren das rund 80% der Belegschaft. Viele der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten in einer Rotation wochenweise in der Bank und dann für einen Mindestzeitraum von vier Wochen zu Hause. Die Bereiche wurden für die Rotation in Split-Teams aufgeteilt, um die Ansteckungsgefahr untereinander zu vermeiden. Die Teilnahme an der Rotation ist für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter freiwillig und auf Basis des Wunsches eines jeden Einzelnen möglich. […] Entsprechend dem 7-Tage-Inzidenzwert des RKI wird die ING, jeweils angepasst an die aktuelle Situation, weitere Maßnahmen ergreifen – bis hin zur Aufhebung der Rotation. Damit könnten alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, mit Ausnahme von betrieblich notwendigen Funktionen, bis auf Weiteres von zu Hause arbeiten. […] Zu den Maßnahmen, die die ING mit Ausbruch der Pandemie ergriffen und auch nicht ausgesetzt hat, gehören u.a. das Tragen von Masken auf den sog. Verkehrsflächen der Bank, Desinfektion von Arbeitsplätzen mehrmals am Tag, beschränkte Nutzung der Aufzüge (Abstandsgebot), kein Betriebssport sowie die Öffnung der Tiefgaragen, um die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln vermeiden zu können“

N26

„Wir haben bereits letzte Woche unsere Belegschaft in Berlin darauf hingewiesen, wegen der Klassifizierung als Risikogebiet soweit wie möglich von zu Hause aus zu arbeiten. Unsere Büros in Berlin bleiben nach wie vor geöffnet, sollten Mitarbeiterinnen und Mitarbeite von dort aus arbeiten wollen. Hierfür haben wir in den letzten Wochen und Monaten eine Vielzahl von Maßnahmen getroffen. Dazu gehören die Bereitstellung von Desinfektionsmitteln und Schutzmasken, das regelmäßige Desinfizieren von Arbeitsoberflächen, das Lüften in allen Räumlichkeiten, automatisiertes Fiebermessen an Eingängen, Kennzeichnung von Schreibtischen, die genutzt werden dürfen, damit Abstände eingehalten werden. Zudem ist unseren Berliner Büros das Tragen von Masken vorgeschrieben, außer am eigenen Arbeitsplatz bzw. Schreibtisch“

Commerzbank

„Die Commerzbank hat ihre bisherigen Regelungen zum Tragen einer Mund-Nase-Bedeckung erweitert: Ab sofort gilt deutschlandweit in allen Bankräumlichkeiten – vom Eingang bis zum eigenen Arbeitsplatz – die Pflicht, eine Mund-Nase-Bedeckung zu tragen. Am Arbeitsplatz selber gilt die Maskenpflicht nicht.

Die wichtigsten Corona-Maßnahmen aus der Zeit des Lockdowns gelten in der Commerzbank auch weiterhin. Dazu gehört zum Beispiel, dass Dienstreisen seit März auf das absolut Notwendige beschränkt sind. […] Aktuell sind rund 600 Filialen unserer etwas 1.000 Filialen geöffnet. Rund 200 werden wie schon angekündigt auerhaft geschlossen.“

DKB

„Zeitweise waren bis zu 80% unserer 4.300 Mitarbeiter*innen im Homeoffice. Bundesweit gilt an allen DKB-Standorten eine Maskenpflicht. Diese muss etwa auf Fluren, auf Wegen zwischen Arbeitsplätzen oder im Aufzug beachtet werden, nicht jedoch beim Arbeiten am Schreibtisch. Zusätzlich gelten weitreichende Beschränkungen und Anweisungen hinsichtlich der Anzahl der Mitarbeiter*innen pro Büro, der Sitzordnung, Schichtsystemen etc. Dienstreisen in oder aus Risikogebieten (gemäß RKI-Empfehlung) sollen auf ein zwingend erforderliches Minimum begrenzt werden und sind nur als Tagesreise durchzuführen.“

LBBW

„Die LBBW hat im Frühjahr eine umfassende Corona-Policy erstellt, dazu gehören Split-Teams sowie Homeoffice-Quoten abhängig vom Infektionsgeschehen. Seit 1. Oktober gilt eine grundsätzliche Maskenpflicht innerhalb der LBBW-Gebäude. Lediglich am fixen Arbeitsplatz, bei Besprechungen und beim Essen in der Kantine muss unter Wahrung der Abstandsregeln kein Mundschutz getragen werden. Erneute coronabedingte Schließungen von Filialen sind aktuell nicht erfolgt.“

Finleap

„Finleap ist zu einer hybriden Arbeitsform übergegangen. Das heißt, dass Mitarbeiter, die es bevorzugen, im Büro zu arbeiten, dies tun können, und Mitarbeiter, die lieber von zu Hause aus arbeiten, dies ebenso tun können. Für alle Mitarbeiter, die ins Büro kommen, gelten über das offizielle Maß hinaus verschärfte Regeln. Es muss ein Abstand zwischen den Mitarbeitern von mindestens 1,5 m gewahrt werden, Mitarbeiter müssen in allen Bereichen des Büros, außer am eigenen Platz, eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen. Masken werden dafür vom Arbeitgeber gestellt. Es wird häufig gelüftet und die Räume werden über das normale Maß gereinigt. Zudem sind die Mitarbeiter angehalten die Hygieneregeln einzuhalten. […] In den letzten zwei Wochen haben wir berufliche Reisen wieder auf das nötigste runtergefahren, auch insbesondere zwischen den Standorten.“

DZ Bank

„Angesichts der steigenden Zahlen gibt es seit Freitag eine Anpassung der Maßnahmen in Teilbereichen:

  • Das Arbeiten am Bankarbeitsplatz bleibt an allen Standorten –  unter Beachtung der Abstandsregeln und Hygienevorschriften – auf freiwilliger Basis möglich.
  • Bei Dienstreisen (seit Corona sowieso auf sehr niedrigem Level) gilt noch mehr Augenmaß und eine stärkere Nutzung von digitalen Lösungen
  • Galt in der Bank bislang eine Maskenempfehlung, so gilt nun eine Maskenpflicht. Am Arbeitsplatz kann die Maske weiterhin abgenommen werden.
  • Veranstaltung mit mehr als 30 Teilnehmern sind digital oder hybrid durchzuführen.
  • Für die Kantine muss man sich jetzt per App anmelden

Generell: Seit März hatten wir bislang nur ein gutes Dutzend positiver Fälle – bezogen auf alle deutschen Standorte mit ihren insgesamt 5.400  Beschäftigten. Bislang gibt es keine Infektionen innerhalb in Bank. Wer sich infiziert hat, hat dies außerhalb getan, etwa im Urlaub oder im privaten Umfeld. […] Die Präsenz (Freiwilligkeit) liegt bei 20% Wir haben weiterhin 25%  als Zielgröße, die unter Beachtung der Abstandsregeln und Hygienevorschriften möglich wären, auch mit Blick auf die Risikogruppen und den ÖPVN.“

Helaba

„Die Helaba hat im Frühjahr ihren Betrieb nahezu auf ‚remote‘ umgestellt und im Mai ein Rotationsmodell mit Split-Teams eingeführt. In diesem Modell arbeitet wochenweise wechselnd jeweils rund 1/3 der Belegschaft in den Bankgebäuden und 2/3 aus dem Homeoffice.  Darüber hinaus wurden Hygiene- und Präventionsmaßnahmen für das Arbeiten in den Bankgebäuden etabliert, die das Infektionsrisiko minimieren sollen. Diese Maßnahmen haben sich bewährt und werden bis auf weiteres fortgeführt. Im Falle einer Verschärfung der Lage ist die Bank jederzeit in der Lage, binnen kürzester Frist die Geschäfte nahezu vollständig ‚remote‘ durchzuführen.

Im Kern wurden folgende Präventionsmaßnahmen getroffen:

  • Arbeiten im Teil-Remote-Betrieb (Dreier-Rotationsmodell s.o.)
  • Verstärkung der Hygienemaßnahmen und Intensivierung der Reinigungen in den Bankgebäuden
  • Tragen von Mund-Nasen-Bedeckungen auf den Verkehrswegen in den Bankgebäuden und Einhaltung der Abstandsregelung von 1,50m
  • interne und externe Meetings sowie Kundenbesuche werden nur in ausgewählten Fällen und unter Beachtung der geltenden Abstands- und Hygieneregeln durchgeführt
  • Einschränkung von nicht dringend erforderlichen Dienstreisen im In- und Ausland und bevorzugte Nutzung von Telefon- und Videomeetings“

HVB

„Ab März haben wir die Bank in kürzester Zeit vollumfänglich remote-fähig gemacht und sind dann bis zu 70% in den Remote-Arbeitsmodus gegangen – und zwar an allen deutschen Standorten. Nach dem Lockdown kehrten die Beschäftigten wieder an den Arbeitsplatz zurück, aber unter Berücksichtigung klarer Spielregeln und gerade an unseren zentralen Standorten auch nicht vollständig, sondern mit einer Präsenzquote von maximal 40%. [..] Kundentermine finden unter Einhaltung der Hygieneregeln und je nach Infektionsgeschehen am entsprechenden Standort physisch statt – oder werden eben digital durchgeführt. Sicherheits- und Hygieneregeln wie Mund- und Nasenbedeckungen, Händedesinfektion etc. gelten weiterhin in allen Bereichen der Bank. Um den Mindestabstand von 1,5 m einzuhalten, wird in den Bürogebäuden nur jeder zweite Arbeitsplatz besetzt, in Zweier-Büros nur ein Arbeitsplatz. […] In Gebäuden mit Fahrstühlen sind die Steuerungen so eingestellt, dass der Fahrstuhl ohne Halt direkt zum gewünschten Stockwerk fährt. Zur Fiebermessung werden nach wie vor an den Zugängen zu zentralen Gebäuden Wärmebildkameras eingesetzt. In den Filialen haben wir unter anderem die Multikanal-Services massiv verstärkt.“

HSBC Trinkaus

„HSBC Deutschland arbeitet seit Mitte Mai mit einer Bank-Gruppe und einer Homeoffice-Gruppe. Die Mitarbeitenden werden den Gruppen jeweils für zwei Wochen fest zugeteilt. Durften diese Woche noch bis zu 35% der Mitarbeitenden in der Bank-Gruppe sein, sind es ab Montag aufgrund der steigenden Infektionszahlen nur noch 25%. Auf dem Höhepunkt der ersten Welle umfasste die Bank-Gruppe nur maximal 10%. […] Was Dienstreisen gilt –  im In- wie Ausland – seit Beginn, dass diese nur in absolut dringenden Fällen durchgeführt werden sollen, um vertraglichen Zusicherungen nachzukommen. Für Dienstreisen ins Ausland brauchen die Mitarbeiter zusätzlich schriftliche Sondergenehmigungen.“

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