DWS baut radikal um: Titel fallen weg, keine Beförderungen mehr

12. November 2019

Von Christian Kirchner

Gut ein Jahr ist DWS-Chef Asoka Wöhrmann jetzt im Amt – und wie Finanz-Szene.de schon öfters ausgeführt hat, stehen Anspruch und Realität in keinem guten Verhältnis seitdem. Denn die Kosten sinken zwar – aber nicht so rasch, wie zugleich die Erträge fallen. „Fünf alarmierende Trends“ hatten wir darum jüngst in den Q3-Zahlen identifiziert. Wobei das Kernproblem die Marge ist. Denn die schrumpft und schrumpft.

Ebenjener Margenverfall bei zugleich überschaubaren Nettozuflüssen dürfte zu einer Entscheidung beigetragen haben, über die die DWS-Führung am Dienstag per Rundmail ihre Mitarbeiter informiert hat: Die Fondstochter der Deutschen Bank bricht ihre Hierarchien brutal auf. Verbunden damit ist ein klares Signal: Bezahlt wird künftig nach Leistung, nicht mehr nach Titeln und Seniorität.

Konkret fallen die Job-Bezeichnungen ersatzlos weg, üblicherweise die Insignien von Leistung und auch von Verantwortung. „(Wir) haben uns im Executive Board einstimmig darauf geeinigt, ab Mitte 2020 keine Corporate Title mehr in der DWS zu verwenden“, heißt es in der Rundmail, die Finanz-Szene.de vorliegt. Und: „Im Zuge der Abschaffung von Corporate Titles haben wir auch einstimmig beschlossen, dass es für 2019 keine Beförderungen geben wird.“ Es ist ein Bruch mit einer Jahrzehnte alte Tradition.

Die „Rollen“ (sprich: die Jobs) werden dem Schreiben zufolge „klar definierte Beschreibungen haben, (…) Verantwortlichkeiten, Erwartungen und Prioritäten“. Und weiter heißt es: „Die Vergütung für jede Rolle wird entsprechend definiert.“  Ziel der Maßnahmen sei, eine Arbeitsumgebung zu schaffen, die von „Zusammenarbeit“ und „flachen Hierarchien“ geprägt sei, ferner basierend auf „funktionalen Rollen, Fähigkeiten und Kompetenzen“.

Das beschreibt in eher blumigen Worten, von wo man weg will: Viele Finanzdienstleister – auch die DWS – leiden an einem strukturellen Problem: Die typische Karriereleiter aus einem Aufstieg von Junior-Posten bis hinauf zu Führungsverantwortungen als „Head ofs“ oder „Managing Directors“ stammt noch aus Zeiten, in denen die Branche laufend und sozusagen von alleine wuchs. Diese Zeiten sind vorbei, inzwischen geht es stärker denn je darum, Assets und Margen zu verteidigen. Die typische Rotation innerhalb der Branche erlahmt daher, stattdessen hält man tendenziell lieber an Posten fest.

Gerade Führungskräfte haben sich indes über viele Jahre einen Status der Quasi-Unkündbarkeit erarbeitet: Ihre Positionen sind oft so hoch dotiert, dass es extrem teuer wäre, diese Mitarbeiter zu einer Aufhebung des Vertrags oder zu einem Wechsel innerhalb der Organisation zu bewegen. In der Folge müssen die Unternehmen bei den Kosten vor allem bei Neueinstellungen und „Juniors“ gegenhalten – die man aber vital braucht, da sie oft große Teile der eigentlichen operativen Arbeit stemmen. Die interne Balance gerät aus dem Gleichgewicht. Vermutlich hat auch dies dazu beigetragen, dass Wöhrmann kurz nach Antritt zu einer regelrechten Rasur bei den Managing Directors angesetzt hatte.

Dass es künftig nach Leistung und nicht nach Name geht,  macht die DWS in ihrem Schreiben auch an anderer Stelle deutlich. Der neue Ansatz sei zwar „keine Kostenmaßnahme“. Aber künftig würden „individuelle Leistungen und Ihr Beitrag zum Erfolg zur DWS (…) durch den jährlichen Vergütungsprozess anerkannt“.

Darin kann man eine Beruhigung sehen.

Oder eine Drohung.

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Share

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing