Kurz gebloggt

Verzicht? Commerzbank-Chef schielt auf Mio.-Abfindung

8. Juli 2020

Von Christian Kirchner

Liebe Commerzbank-Aufsichtsräte, da haben Sie aber einen langen Arbeitstag vor sich, Mann-oh-Mann. Für 9 bis 18 Uhr ist die heutige AR-Sitzung angesetzt, entnehmen wir dem „Handelsblatt“. Was am Ende beschlossen werde, sei „im Vorfeld des Treffens noch weitgehend offen“, die Dynamik „schwer einzuschätzen“ … Uiuiui. Das liest sich ja fast, als könnte es sogar 18.30 Uhr werden. Oder 19 Uhr … Spaß beiseite: Inhaltlich extrem interessant ist, dass über besagtem „HB“-Artikel die fette Überschrift „Zielkes Millionenverzicht“ prangt. Was man dazu wissen muss: Wer gestern Abend bei „Google News“ die Suchwortkombi „Zielke + Millionen“ eingab, die stieß auf die Headline „Zielke: Millionenabfindung“ mit dahinter liegendem Verweis auf die aktuelle Ausgabe der „Süddeutsche Zeitung“

Ja, was denn nun, Abfindung oder Verzicht?, fragten wir uns da in der uns eigenen Naivität und mussten bei genauerer Lektüre feststellen, dass den scheinbar konträren Meldungen offenbar ein- und derselbe Sachverhalt zugrunde liegt. Nämlich: Zielkes „Rücktritt“ war der „SZ“ zufolge nicht wirklich ein „Rücktritt“. Sondern: Der Coba-Chef habe  – arbeitsrechtlich gesprochen – eine „einvernehmliche Aufhebung“ des Vertragsverhältnisses angeboten. Was ihn, wenn wir es richtig verstehen, nun in die kommode Position versetzt, dass sein bis November 2023 datierter Vertrag grundsätzlich weiterhin gilt (den „Corporate Governance“-Schmarrn lassen wir mal außen vor …), auch wenn demnächst, sagen wir, Herr Boekhout, auf dem Stuhl sitzt, den momentan noch er selbst – also Herr Zielke – besetzt …

Kurz gesagt: Es geht um ein Fixum von rund 1,7 Mio. Euro p.a. multipliziert mit nicht ganz, aber fast dreieinhalb Jahren … Und so vermutet die „SZ“, dass das Ganze auf besagte „Millionenabfindung“ hinausläuft, während das „HB“ unter Verweis auf nicht näher genannte und auch nie und nimmer zu dechiffrierende Quellen schreibt, Zielke habe „intern angekündigt“, auf darüber hinausgehende Boni zu verzichten. Mithin: Zielke scheint die Auszahlung eines mittleren einstelligen Millionenbetrags anzustreben. Ob Sie, liebe Leserinnen nun Leser, darin nun eine „Abfindung“ oder einen „Verzicht“ sehen, überlassen wir Ihnen.

Was aber mit Blick auf den Commerzbank-Chart auch feststeht: Der Coba-Aufsichtsrat hatte den Vertrag mit Zielke einst präzise in der Nähe des Fünfjahreshochs des Commerzbank-Aktie verlängert – nämlich bei Kursen um 12 Euro im Herbst 2017 und dann gleich bis 2023. Gutes Timing für Zielke. Nicht so gutes für die Aktionäre. Denn seit Anfang 2018 geht’s mit den Kursen bergab.

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